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Soul Kitchen

(Soul Kitchen, 2009)

Dt.Start: 25. Dezember 2009 Premiere: 10. September 2009 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 100 min Land: Deutschland
Darsteller: Adam Bousdoukos (Zinos Kazantsakis), Moritz Bleibtreu (Illias Kazantsakis), Birol Ünel (Shayn Weiss), Anna Bederke (Lucia Faust), Pheline Roggan (Nadine Krüger), Lukas Gregorowicz (Lutz), Dorka Gryllus (Anna Mondstein), Wotan Wilke Möhring (Thomas Neumann), Monica Bleibtreu (Nadines Großmutter), Cem Akin (Milli)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Adam Bousdoukos


Inhalt

Das Leben des Kneipenbesitzers Zinos steht sprichwörtlich auf dem Kopf. Seine Freundin tritt einen Job in Shanghai an und will, dass er nachkommt. Eine Konfrontation mit der Spülmaschine beschert ihm einen Bandscheibenvorfall und als er deswegen den Spitzenkoch Shayn anheuert, bleibt plötzlich die Fastfood-verwöhnte Stammkundschaft aus. Zu allem Überfluss taucht auch noch sein krimineller Bruder Illias auf, um ihn um Hilfe zu bitten. Doch dann beginnt das Geschäft wider Erwarten zu brummen und das "Soul Kitchen" entwickelt sich zum angesagten Szenelokal.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Soul Kitchen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 68%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Soul Kitchen hat eine Wertung von 68%
Jeder Grieche muss ein Haus bauen, ein paar Kinder zeugen und einen Laden eröffnen. Bevorzugt keinen Gourmet-Tempel, sondern eine Stätte, in der das Essen mit Liebe zubereitet wurde und was für die Seele ist. Mit Adams Kochkünsten ist es zwar nicht weit her, aber sein Restaurant hat eine treue Fangemeinde. Als das Unheil über ihn hereinbricht - Freundin futsch, kriminellen Bruder am Hals und einen mächtigen Knacks im Rücken - läuft er aber Gefahr, dass sich sein Lebenstraum ganz schnell im Küchendunst verflüchtigt. Spaßig-bunte Ethno-Dramödie, mit fetziger Musik unterlegt, aber teilweise etwas zerfahren erzählt.

Bild aus Soul Kitchen Dramödien mit Ethno-Charme atmen immer das besondere Flair fremdländischer Exotik. Die mitunter schräg anmutenden Sitten und Gebräuche anderer Kulturkreise und der unausweichliche Zusammenstoß sorgen zusätzlich für einige komödiantische Steilvorlagen. Zuletzt wurde dies ganz vortrefflich in Salami Aleikum umgesetzt - wenn es dort auch mehr Gesellschaftssatire, als Drama oder Komödie war. Soul Kitchen bedient sich auch einiger Motive, mehr oder minder gut integrierter Migrantenkreise, verfolgt aber keinen konsequenten Anspruch zur Ethnoklamotte mutieren zu wollen.

Leider lässt sich aber auch schwer eine konkrete Aussage darüber treffen, was der Film anstelle eigentlich sein wollte: ein wenig Liebegeschichte, etwas Brüderdrama, ein paar schöne Musikeinlagen (daher unter anderem auch das "Soul" im Titel) sowie Gaunerkomödie und Unterweltsatire. Es ist schon eine gut gefüllte Schlachtplatte, die dem Zuschauer hier serviert wird. Bei solche bunt-appetitlichem Vielerlei wundert es dann auch nicht, wenn die Allzweckwunderwaffe des deutschen Kinos, Moritz Bleibtreu, ebenfalls auf dem Menü erscheint.

Zinos (Adam Bousdoukos) und Illias (Moritz Bleibtreu) sind die ungleichen griechischen Brüder Kazantsakis (welch hochgestapelter Name!). Während Adam versucht, seinen Lebenstraum mit seinem halbmaroden Musikrestaurant Soul Kitchen zu verwirklichen, sitz Illias tatsächlich wegen ein paar Betrügereien im Kittchen, also im Knast. Das letzte halbe Jahr vor der Entlassung hat er tagsüber Freigang, und wenn er einen Job vorweisen könnte, dürfte er sogar noch länger den Räumlichkeiten der JVA fernbleiben. Da trifft es sich scheinbar gut, dass man einen Bruder im Gastrogewerbe hat. Adam ist aber schon mit reichlich eigenen Sorgen gesegnet: Seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) ist gerade nach Shanghai wegen eines neuen karrierefördernden Jobs (und er leidet sehr unter der Trennung), obendrein hat er sich noch einen ordentlichen Hexenschuss zugezogen und kann nicht im eigenen Laden in der Küche stehen.

Die Wege des Schicksals sind aber manchmal unergründlich. Der cholerische Nobelkoch Shayn (Birol Ünel), der wegen seiner Amokläufe gerade woanders gefeuert wurde, könnte das Kochen für Adam übernehmen. Allerdings sind seine Gaumenkreationen nicht gerade das, was Adams Kundschaft bisher gewöhnt war. Die steht prinzipiell auf deftiges Soul Food. Da wird es reichlich an diplomatischem Geschick bedürfen, bis sich alle zusammengerauft haben. Zu allem Verdruss droht Adam auch noch die Schließung des Restaurants: Beim Ordnungsamt weckte der ranzige Charme des Ladens alles andere als Begeisterungsstürme. Wenn Adam aber nicht arbeitet, verdient er nichts und könnte ganz schnell das Restaurant verlieren. Und ein schmieriger Immobilienhai ist schon zur Stelle.

Die erste halbe Stunde von Soul Kitchen ist einfach spitze. Die Gags zünden, die kleinen liebevollen Spitzen in Richtung südländischem Machismo sind pointiert eingestreut. Die Charaktere werden sauber eingeführt und wirken griffig - besonders der Star-Koch mit Falling Down-Attitüden bringt nochmals richtig Salz in die Suppe. Doch nach und nach zerschnippelt sich der Reigen erzählerisch in kleine Stücke, die der Zuschauer mühsam wieder zusammenfügen muss. Adams Liebeskummer läuft zwar als Motiv halbwegs durchgehend mit, gerät aber immer wieder ins Hintertreffen: mal begleitet man den Nichtkrankenversicherten bei seinen obskuren Versuchen, seinen Rücken wieder fit zu bekommen (und dabei stellt sich eine neue Romanze ein), dann steht wieder Illias im Mittelpunkt, der von den Gaunereien nicht lassen kann und seinen Bruder in Teufels Küche bringt; schlussendlich entwickelt der Streifen sogar Pseudoqualitäten eines Guy-Ritchie-Films, wobei sich die versammelte Kriminellentruppe ungefähr so geschickt wie die Ganoven aus Safecrackers oder Diebe haben's schwer anstellt.

In der zweiten Hälfte des Films scheint dem Regisseur Fatih Akin (Gegen die Wand) der Plot einfach etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein. Oder es waren einfach zu viele Nebenkriegsschauplätze und Motive, die irgendwie noch untergebracht werden sollten. Eines ist aber durchgehend exzellent: Der Soundtrack; da ist wirklich Soul drin. Einlagen gibt es beispielsweise von Quincy Jones, Kool & The Gang und Luis Armstrong; ohne die wäre Soul Kitchen nur halb so unterhaltsam. Trotz der Schwächen im späteren Verlauf also kann man dem Film dennoch nicht wirklich böse sein. Er ist schnell, fetzig und macht oft wirklich Laune. Kein must-have, aber schon irgendwie ein nice-to-have.



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