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Welcome

(Welcome, 2009)

Dt.Start: 04. Februar 2010 Premiere: 07. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 109 min Land: Frankreich
Darsteller: Vincent Lindon (Simon), Firat Ayverdi (Bilal), Audrey Dana (Marion), Derya Ayverdi (Mina), Thierry Godard (Bruno), Selim Akgul (Zoran), Firat Celik (Koban), Murat Subasi (Mirko), Olivier Rabourdin (Lieutenant Caratini), Yannick Renier (Alain)
Regie: Philippe Lioret
Drehbuch: Olivier Adam, Emmanuel Courcol


Inhalt

Der 17-jährige Iraker Bilal hat sein Land verlassen, nachdem seine Freundin Mina kurz zuvor nach England emigriert ist. Er ist auf seinem abenteuerlichen Weg quer durch Europa gereist, um sie wiederzusehen. Nun, kurz vor seinem Ziel, scheint die Reise ein abruptes Ende zu finden. An der nordfranzösischen Küste geht es nicht weiter, der Ärmelkanal trennt den jungen Mann von seinem Glück. Um auch diese Hürde noch zu überwinden, beginnt Bilal im Schwimmbad zu trainieren und erhält dabei Unterstützung von dem Profischwimmer Simon.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Welcome hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Julian Reischl
Welcome hat eine Wertung von 80%
Bewegendes Drama über grenzenlose Liebe, Freundschaft, Bigotterie und illegale Einwanderung. Die ruhige, geradezu unbeteiligt wirkende Inszenierung ermöglicht dem Impetus der Aussage das ungebremste Aufprallen auf die eigene Unkenntnis der Situation bzw. auf die Vorurteile gegenüber Einwanderern, die jeder in sich findet, und sei dies noch so tief. Ein gewaltiges, grandioses Werk aus Frankreich, dessen Aussage überall Geltung hat.

Bild aus Welcome Simon lebt in Calais und arbeitet als Bademeister. Er gibt Schwimmunterricht und leistet sich ab und zu ein kleines Abendessen. Eines Tages trifft er auf Bilal. Der junge irakische Kurde wollte illegal nach England einreisen, wurde aber von den Behörden erwischt. Nun streunt er obdachlos im Fährhafen von Calais herum, und eines Tages entscheidet er sich, Schwimmunterricht zu nehmen.

Simon, frisch geschieden und alleine lebend, kommt dieser junge Kurde seltsam vor. Er beginnt, sich dem jungen Mann zu nähern, ganz zaghaft an ihn heranzutreten. Langsam gewinnt auch Bilal Vertrauen zu Simon, und bald weiß Simon, was in Bilal vorgeht: Der junge Kurde hatte ein schweres Leben im Irak, und verliebt ist er auch noch. Seine Angebetete, Mina, liebt ihn auch, lebt aber bei ihren erfolgreich nach London ausgewanderten Eltern. Bilal setzt alles daran, zu Mina zu gelangen, und um ihre Hand anzuhalten, bevor ihr Vater auf die mittelalterliche Idee kommt, sie gegen ihren Willen mit jemand anderem zu verheiraten.

Da das Übersetzen mit dem Schiff nicht klappen will, Boote abgefangen werden und die Züge im Kanaltunnel weit schneller fahren als die in Kurdistan, bleibt Bilal nur eine Lösung: Die 33 Kilometer eben schwimmend zurücklegen. Doch ohne Training und etwas Technik geht das nicht.

Während Simon, selbst ehemaliger Rekordschwimmer, und Bilal, ein 17-jähriger Verliebter, eine äußerst ungewöhnliche Freundschaft aufbauen, schleudert die Welt ihnen jede Menge Widrigkeiten entgegen. Den Illegalen Hilfe angedeihen lassen, ist selbst wiederum illegal, die Polizei stattet Simon Besuche ab. Die lieben Nachbarn erweisen sich als Xenophobiker vor dem Herrn, und der normale Mitmensch ist sowieso blind gegenüber den abscheulichen, menschenunwürdigen Vorgängen, die so willkürliche Gebilde wie Landesgrenzen ermöglichen.

Am Beispiel einer Liebesgeschichte und der natürlichen Grenze zwischen Frankreich und England geht Regisseur Philippe Lioret auf die weltweite Problematik der diversen Fluchtbewegungen in ein vermeintlich besseres Leben ein. Dass Bilal auch in Frankreich ein gutes Leben erreichen kann, realisiert dieser nicht, oder will es nicht wahrhaben, da sein Herz nur für Mina schlägt. Diese wiederum kann ohne Zustimmung ihres Vaters nicht aus England heraus, und eine Heirat, die die Familie nicht finanziell und gesellschaftlich weiterbringt, ist für ihn undenkbar.

Die Liebe droht zu scheitern, und das nicht nur an der harten innereuropäischen Asylpolitik, sondern auch an den importierten, aus unserer Sicht antiquierten Wertvorstellungen der Einwanderer. Beide Hürden zu überwinden, ist Bilals Traum, und für diesen ist er bereit, sein Leben zu riskieren: Die kalten, stark befahrenen Wasser des Ärmelkanals bilden die scheinbar friedliche, aber doch lebensgefährliche Trennlinie, die Bilal und Mina auseinanderhalten.

Lioret fängt die Rastlosigkeit Bilals gekonnt ein, und konterkariert sie mit der stoischen Gelassenheit des Bademeisters Simon, der nach einer Trennung einfach nur seinen eigenen Weg finden will. Simon ist in Liebesdingen zu abgebrüht, um noch frustriert zu sein oder sich über die Trennung zu ärgern. Er macht einfach nur seinen Job und leistet sich ab und zu einen Restaurantbesuch. In seiner Begegnung mit Bilal spielt der Altersunterschied zwischen den beiden Männern, die beide mehr oder weniger unter der Liebe leiden, die Hauptrolle. Abseits dieses Konflikts dreht sich der Film mit dokumentarischer Qualität um die Frage, wie Europa seine Einwanderer behandelt, was einen mit einem kalten Schauder aus dem Kino entlässt. Absolut empfehlenswert.



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