Schwarz auf Weiß Poster

Film-Seite zu Schwarz auf Weiß
Poster zu Schwarz auf Weiß
Deutsche offizielle Seite
PDF zu Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß

(Schwarz auf Weiß, 2009)

Dt.Start: 22. Oktober 2009 Premiere: 20. Oktober 2009 (Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 86 min Land: Deutschland
Darsteller: n/a
Regie: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Wie tolerant ist das deutsche Volk Ausländern gegenüber? Dieser brisanten Frage geht Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in perfekter Maskerade nach. Auf einer 14 monatigen Reisen quer durch Deutschland versucht er einen Blick hinter die Kulissen zu wagen und ein Bild des "wahren" Deutschland einzufangen.
Shopping-Box
DVDs zu Schwarz auf Weiß Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu Schwarz auf Weiß Poster & Merchandise
zum Film
Schwarz auf Weiß bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
Schwarz auf Weiß bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

Schwarz auf Weiß hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Schwarz auf Weiß hat eine Wertung von 75%
Wenn die BILD einen Staatsfeind Nummer eins ausrufen könnte, wäre er das: Günter Wallraff. Seit über 40 Jahren begibt er sich hinab, um mit seinen Undercover-Reportagen Missstände aufzuzeigen. Sein aktueller Film führt ihn als schwarzen Migranten quer durch Deutschland. Er ist der Fremdenangst, der Fremdenfeindlichkeit und der alltäglichen Diskriminierung auf der Spur. Die Bilder sprechen einfach für sich, und am Ende zeichnet sich ein ambivalentes Bild unserer Gesellschaft. Wie jede Demokratie muss sich auch diese daran messen, wie es mit ihrer Toleranz und Offenheit dem Fremden gegenüber bestellt ist.

Bild aus Schwarz auf Weiß Verleumdet, bespitzelt, verwanzt und abgehört durch den Springer-Konzern. 15 Jahre dauerte dieses böse Spiel; durch alle juristischen Innstanzen, bis hin zum Bundesverwaltungsgericht, wurde prozessiert. Das mächtige Medienunternehmen unterlag. Grund für diesen Kampf: Günter Wallraff arbeitet 1977 vier Monate unter dem Decknamen Hans Esser als Reporter in der Hannoveraner BILD-Redaktion und deckt in seinem Buch Der Aufmacher. Der Mann, der bei BILD Hans Esser war die unverantwortlichen Recherchiermethoden, Verfälschungen und politischen Manipulationen der Boulevardzeitung auf.

Diese Undercoveraktion ist möglicherweise seine bekannteste Enthüllungsgeschichte, aber Wallraff ist bereits seit 1963 als "Aufdeckungsreporter" unterwegs. Es ist kein klassischer investigativer Journalismus: Bei der "Methode-Wallraff" begibt er sich auf Augenhöhe mit dem Beobachtungsobjekt - mehr noch: Er instrumentalisiert sich selber; ist Darsteller, Bühne und Reflektionsebene in einem. Stets bewegt er sich im Raum zwischen empirischem Anschauungsobjekt, experimentellem Selbstversuch, Katalysator, der bestimmte Reaktionsmuster hervorruft und Störer. Gerade in der letzten "Rolle" ist sein Verhalten nicht unbefleckt von Provokation. Es ist hier nicht nur Ermessenssache darüber zu urteilen, ob das Geschehene unbedingt so eintreffen würde. Es gibt auch selbst erfüllende Prophezeiungen.

Bei seiner aktuellen Reise durch Deutschland schlüpft Wallraff in die Rolle des somalischen Migranten Kwami Ogonno und wird dafür fachmännisch auf Schwarz getrimmt. Die modellierte Kunstfigur trifft auf Einheimische aus Ost und West. Seine Bemühungen sind die eines Mannes, der versucht in einer für ihn neuen Gesellschaft anzukommen: Er will Arbeit, eine Wohnung, sucht Anschluss an andere Menschen. Ein Schwarzer in einem Land, das in überwältigender Mehrheit von Weißen bevölkert wird, fällt immer wie ein "bunter Hund" auf. Seine Hautfarbe kann man und soll auch niemand verstecken müssen. Und doch scheint es diese zu sein, die manch alltägliche Herausforderung, welche schon einem unauffälligen (Weißen) Schwierigkeiten bereiten könnte, einem Schwarzen gewisse Dinge unmöglich macht.

Vor einer Disco bemüht sich Kwami um Einlass und wird von einem Kahlgeschorenen abgewiesen. Dieser erklärt bereitwillig warum er einem Schwarzen nicht erlaubt, einen Fußbreit in "seinen" Laden zu setzen: Europa ist für Weiße, Afrika für Affen! Die offene und schonungslose Ablehnung, welche ein "Andersartiger" durch Rechtsradikale erfährt, ist traurigerweise Programm. Einem indischen Turbanträger oder einer kopftuchtragenden Türkin wäre es nicht anders ergangen. Dieser Beginn, mit all seinem unverhohlenen Rassismus, dient aber zu nicht mehr, als zum szenischen Aufhänger. Eigentliches Thema des Films sind die heimlichen, medial wenig beachteten, Resortiments. Die alltägliche Diskriminierung von Schwarzen und die generellen Vorbehalte Fremden gegenüber, welche in diesem Land existieren.

Deutschland und Rassismus, in all seinen farblich durchsetzten Facetten, haben eine besondere Beziehung. Mit dem Erbe einer unsäglichen Vergangenheit, an welche die dritte Generation Nachgeborener kaum mehr denkt, traut sich die Politik und Presse kaum gewisse Dinge offen zu thematisieren. Dieses Land hat Angst vor seinem eigenen Schatten und dieser Furcht vor außenpolitischer Stigmatisierung ist es womöglich zu verdanken, dass vielerorts eine Multikulti-Gesellschaft de facto existiert, es aber die Einheimischen nicht geschafft haben, unverklemmt und offen damit umzugehen. Dazu gehört sowohl unverblümt sachlich kritisieren zu dürfen, als auch sich mit Forderungen und der Beanspruchung von Entfaltungsraum durch Migrantengruppen zu arrangieren.

In diesem Sinne gerät die Zurschaustellung von absurden Verhaltensmustern der Einheimischen, in Schwarz auf Weiß auch stets zu einer Gratwanderung: Es lässt sich nicht immer eindeutig beantworten, ob hier jemand ausgegrenzt wird, da er durch sein Auftreten und die Art wie er sich gibt Unbehagen und Befangenheit hervorruft. Mitunter kann es zwar offensichtlich sein: Kwami versucht eine Wohnung in Köln zu mieten (einer Stadt, die zu dem multikulturellsten und liberalsten in Deutschland zählt). Die Eigentümerin führt ihn offensichtlich mehr als gequält durch die Räume, ist sichtlich erleichtert, als er endlich geht. Minuten später besichtigen zwei verdeckte Mitarbeiter des Filmteams, als potenzielle Mieter die Wohnung und ohne Aufforderung sprudelt die Eigentümerin los, wie erschrocken sie über den Schwarzen sei. Solche wollen wir hier nicht, fügt sie an und ergänzt gleich darauf: Das hat auch nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun.

Anderorts ist die Sachlage nicht so eindeutig. Ebenfalls in Köln, in einer so genannten Vedelskneipe (Kneipen mit Stammkundschaft aus dem jeweiligen Stadtteil), versucht Kwami mit einer Frau anzubändeln - schenkt ihr Blumen und fordert sie zum Tanzen auf. Allerdings gibt es einen Nebenbuhler und der reagiert allergisch auf Kwamis Avancen. Zwar ist es nicht seine Freundin, aber er verhält sich, wie jedes Männchen, strikt territorial: Wenn ein Nebenbuhler im eigenen Revier auftaucht, will man diesen schnell wieder loswerden. Und es dauert nicht lange, bis die anderen Kerls ihm beistehen: Kwami wird mit sanftem Nachdruck des Lokals verwiesen. Dass sich soziale Gruppen nach innen solidarisieren und gegen Fremde abgrenzen, ist beileibe kein neues oder außergewöhnliches Phänomen. Genauso hätte das auch einem anderen Fremden passieren können.

Dem Regisseur Pagonis Pagonakis, der bereits zu dritten Mal mit Wallraff zusammenarbeitet, war es wichtig, eine Geschichte der kleinen Diskriminierungen zu erzählen. Gedreht wurde, mit Unterbrechungen, 14 Monate in ganz Deutschland. Viele Gespräche, die Pagonakis im Vorfeld anderer Projekte mit Afrikanern führte, waren der Auslöser einen Schwarzen prototypisch und stellvertretend für die Entlarvung der alltäglichen Fremdenangst zu nehmen. Da, trotz der Fülle der Situationen, nur exemplarisch gearbeitet werden konnte und Provokation in Maßen als probates Mittel eingesetzt wurde, bleibt viel Ermessensspielraum übrig. Das ist so gewollt: Der Zuschauer kann für sich entscheiden, ob er ein Verhalten als rassistisch einstuft oder einfach nur Menschen sieht, die sich unbeholfen und unangemessen verhalten. Und es gibt auch positive Beispiele. Deutschland ist schließlich kein Acker auf dem ausschließlich Dornengestrüpp wächst.

Insgesamt wirkt der Film inhaltsvoll, aber nicht außergewöhnlich bedeutungsschwer - trotz echtem Rassismus, der nachgewiesener Maßen leider existiert. Vor 15 oder 20 Jahren wäre das Urteil über dieses Land möglicherweise härter ausgefallen. Da es oft ältere Bürger sind, die mit Kwami nicht unbefangen umgehen können, wirkt das Ganze einerseits, als wären viele Menschen einfach noch nicht in der globalisierten, multikulturellen Gesellschaft angekommen und auf der anderen Seite stellt sich einfach die Frage, was hat eigentlich dieser Staat an dringend notwendiger Integrationspolitik in den letzten Jahrzehnten geleistet? Vielleicht trägt Schwarz auf Weiß dazu bei, die Diskussion wieder zu entfachen. Potenzial dafür hat der Film sicher.



Weitere interessante Filme


Leider haben wir derzeit keine Vorschläge zu diesem Film.
Film vorschlagen

 

© 2012 MovieMaze.de