Der Schriftsteller Jostein Gaarder ist den meisten Menschen sicherlich ein Begriff durch seine philosophischen Geschichten, die er auch dem Laien verständlich aufbereitet. Sein bekanntester Roman ist "Sophies Welt". Auch das durch die Regisseurin Eva Dahr verfilmte Buch Das Orangenmädchen fügt sich in die Tradition der philosophischen Werke Gaarders ein.
Das Orangenmädchen erzählt die Geschichte des Jungen Georg, der an seinem 16.Geburtstag durch seine Mutter Briefe seines verstorbenen Vaters Jan Olav überreicht bekommt. In diesen Briefen verabschiedet sich der todkranke Mann von seinem damals kleinen Sohn und erzählt ihm zugleich die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe. Als junger Mann trifft er auf der Straße auf ein Mädchen mit einer Tüte Orangen, verliebt sich sofort in sie und versucht fortan, sie wiederzufinden. Wie eine phantastische Erscheinung taucht das Orangenmädchen auf und verschwindet, bis sich Jan Olav nicht mehr sicher ist, ob es sie wirklich gibt. Georg liest die Briefe während einer Reise in die Berge und erlebt dabei gleichzeitig sein eigenes Liebesmärchen. Zudem beginnt er auch, das Handeln seiner Mutter nach dem Tod des Vaters zu begreifen.
Der Film erzählt zwei Liebesgeschichten, die in unterschiedlichen Zeitebenen mit zwei verschiedenen Denkhaltungen ablaufen. Eine davon spielt in der Vergangenheit um 1980 und eröffnet sich dem Zuschauer nach und nach durch das Lesen der Briefe. Die Zweite liegt in der Gegenwart und entwickelt sich während Georgs Reise in die Berge. Jan Olavs Geschichte ist die einer Suche nach der großen Liebe. Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit sucht er nach dem Mädchen und reist ihr sogar hinterher, ohne sich ihrer Gefühle sicher zu sein. Am Ende findet er sein Glück und versucht seinem Sohn klar zu machen, wie wichtig es ist, zu seinen Gefühlen zu stehen, zu handeln und das Leben zu genießen.
Georg empfindet diese Gedanken zunächst als sehr schmerzvoll, da sie scheinbar nichts mit seinem Alltag zu tun haben. Während seiner Reise lernt er Stella kennen, zunächst nur als Freund. Je tiefer er in die Geschichte seines Vaters eintaucht, desto stärker wird auch sein Interesse an Stella. Durch das Lesen der Briefe versteht er letztlich, wie wichtig es ist, zu seinen Gefühlen zu stehen und sein Glück zu finden.
Im Film sind beide Geschichten nicht nur durch die Zeitebene, sondern auch visuell voneinander zu unterscheiden. Jan Olavs Märchen spielt vorwiegend zur warmen Jahreszeit und wird auch in warmen Farben erzählt, Georgs Geschichte dagegen spielt im Winter. Trotzdem tauchen auch in der Gegenwart immer wieder die Farben orange/rot auf und ziehen sich wie ein Faden durch den Film. Letztlich wird deutlich, dass die Suche nach der Liebe trotz unterschiedlicher Zeitebenen immer ähnliche Erfahrungen mit sich bringt.
Das Orangenmädchen bringt dem Zuschauer ein Liebesmärchen nahe, welches jederzeit passieren kann. Es regt zum Nachdenken über die eigene Gefühlswelt an, ist schlicht erzählt und zugleich sehr berührend.