Zu Beginn der Saw-Reihe im Jahr 2004 hätte sicherlich niemand damit gerechnet, dass fünf Jahre später der bereits sechste Teil in den Kinos startet. Diesmal nimmt Regieneuling Kevin Greutert auf dem Stuhl Platz und bietet im Gegensatz zum vorherigen Teil wieder das, was sich Fans von Saw erwarten: Blut, noch mehr Blut und das höchste Maß an Kreativität, wenn es um Mordapparaturen geht! Dennoch muss man auch hier natürlich klar sagen, dass es besser sein könnte!
Man kann von Brutalität, Blutbächen und menschenverachtenden Darstellungen im Kino halten was man will, letztlich ist ein Film auch ein Kunstwerk und wenn es um Kunst geht, scheint alles erlaubt zu sein. Vielleicht findet sich auch gerade deswegen eine nicht unerhebliche Fangruppe in jedem Land, die Filme wie Hostel, Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre oder eben auch die Saw-Reihe regelmäßig in die Top 10 spült. Die Geschichte gerät hierbei oft in den Hintergrund und nur die optischen "Reize" sind das Instrument, an dem sich das Publikum orientiert, je mehr Blut, je grausamer die Apparaturen und je packender die Situationen, umso eher hält es das Publikum nicht auf den Sitzen und der Film wird ein Hit!
Die ersten Teile von Saw legten mit einer sehr verworrenen, aber durchaus passenden Geschichte hier eine neue Messlatte. Auf einmal ging es den eingefleischten Fans auch um die Handlungsstränge, um das Verständnis der Charakterzüge und nicht mehr ausschließlich um die Brutalität - auch wenn diese sicherlich ebenfalls immer neue Maßstäbe setze. Den Handlungsanspruch ignorierten die Macher aber zunehmend und so verkam das Ganze zu einer hohlen Aneinanderreihung, auf die man sich nur noch einlassen konnte, wenn man keinerlei Ansprüche stellte.
Mit dieser Erwartungshaltung ist nun eben auch der sechste Teil zu betrachten: Blut, noch mehr Blut und je kreativer die Mordapparaturen sind, umso publikumswirksamer ist der Streifen einzuordnen. Genau dies wird von vielen Kritikern aber immer missachtet - natürlich ist die Grenze zwischen Kunst und Müll oftmals fließend und schwierig, aber es gibt eine Zielgruppe für solche Filme und diese will bedient werden, da kann der künstlerische Aspekt ruhig hinten anstehen.
Saw 6 präsentiert sich nun genau unter dieser Erwartungshaltung. Das Blut fließt in Strömen und auch wenn die Ansätze der Gesellschaftskritik immer wilder werden und teils schon zu deutlich an Michael Moore erinnern, so werden die Fans der Reihe sicherlich zufrieden sein. Die schon obligatorische Schnitzeljagd mit verschiedensten Entscheidungen über Leben und Tod wird diesmal einem Krankenversicherungsmitarbeiter auferlegt und ist gespickt mit Rückblenden, die mal mehr und mal weniger sinnvoll sind. Die zur "Nebenhandlung" degradierte Geschichte um die Nachfolge von Jigsaw wird dabei nicht weniger verwirrend - für die Macher. Denn es knirscht an einigen Ecken und Enden, Logik sollte man also vorsichtshalber nicht betrachten.
Aber wie schon gesagt, der Anspruch an Saw 6 war sicherlich kein monumentales Meisterwerk und wer die letzten Teile ohne Groll ertragen hat, der wird mit dem sechsten Teil eine deutliche Steigerung erleben. Wer bisher der Reihe schon nichts abgewinnen konnte, der hat vermutlich schon nach dem ersten Absatz zu lesen aufgehört. Insofern scheint man also das Ziel erreicht zu haben. Ob man wirklich noch die geplanten drei weiteren Teile braucht, werden wir in den kommenden Jahren erst bewerten können.