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Seraphine

(Seraphine, 2008)

Dt.Start: 17. Dezember 2009 Premiere: 07. September 2008 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 131 min Land: Frankreich
Darsteller: Yolande Moreau (Seraphine Louis), Ulrich Tukur (Wilhelm Uhde), Anne Bennent (Anne-Marie Uhde), Genevieve Mnich (Frau Duphot), Nico Rogner (Helmut Kolle), Adelaide Leroux (Minouche), Serge Larivière (Duval)
Regie: Martin Provost
Drehbuch: Marc Abdelnour, Martin Provost


Inhalt

Aus der Weltstadt Paris zieht der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde 1912 in das Städtchen Senlis, um sich zu erholen. Doch ausgerechnet in der Provinz entdeckt der Mann, der als einer der Ersten Werke von Picasso sammelte, ein großes Talent. Zufällig sieht er Bilder, die seine unscheinbare Putzfrau Séraphine gemalt hat und beginnt die von ihren Mitmenschen belächelte Einzelgängerin zu fördern.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Seraphine hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 60%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Kiara Wellington
Seraphine hat eine Wertung von 60%
Regisseur Martin Provost setzt der französischen Malerin Séraphine de Senlis ein filmisches Denkmal. Für dieses Projekt konnte er auch Yolande Moreau, Ulrich Tukur und Anne Bennent begeistern, die in den Hauptrollen zu sehen sind. Provost richtet seine Aufmerksamkeit in dem Film vor allem auf die Gefühlswelt der Künstlerin und mischt das ganze mit schönen Landschaftsaufnahmen.

Bild aus Seraphine In Seraphine konzentriert sich Regisseur Martin Provost vor allem auf die Wahnvorstellungen der französischen Malerin Séraphine de Senlis. Er zeigt Séraphine Louis (Yolande Moreau) zu Beginn als arme Frau, die mit schmutzigen Fingernägeln die Böden von anderen Leuten schrubbt, nebenbei noch im beschaulichen Senlis bei einem Metzger arbeitet und in Handarbeit die Laken von reichen Menschen wäscht. In ihrer Freizeit klettert sie auf Bäume, sammelt Pflanzen für ihre Studien und stiehlt Kerzenöl aus der Kirche. Auch hungerte sie lieber, als auf Farbe und Pinsel zu verzichten.

Sie malt, wie man später erfährt, weil ihr Schutzengel es ihr empfohlen hat. Immer wieder zieht sich daher das Motiv der Kirche und die Erwähnung der Engel durch den Film. Die eigenwillige und unscheinbare Séraphine besitzt keine künstlerische Ausbildung, doch als der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde (Ulrich Tukur) 1912 eines ihrer Holzbilder entdeckt, ist er sofort angetan von der unkonventionellen Malerei. Da trifft es sich gut, dass Séraphine seine Haushälterin ist. Aber diese glaubt nicht an ihr Talent und putzt viel lieber das Haus, als sich der Malerei zu widmen. Langsam gewinnt Uhde ihr Vertrauen und kann sie dazu bewegen, mehr Bilder zu malen.

Das Drehbuch von Marc Abdelnour und Provost sieht aber kein glückliches Ende vor. Erst gibt es eine kleine Exkursion in die Zeit des Krieges und dann verschlimmert sich Séraphines Geisteszustand. Durch ihren unverhofften Ruhm, kommt es zu Wahnvorstellungen, manischen Zügen und sie kapselt sich immer mehr von der Außenwelt ab. Selbst Uhde gelingt es kaum noch, zu ihr durchzudringen.

Kunstkenner sehen in Séraphine dennoch eine der bedeutendsten Vertreterinnen der "naiven" Malerei. Nur durch Zufall wurde sie von Uhde entdeckt, der zudem als Förderer Pablo Picassos und Entdecker Henri Rousseaus gilt. Er war ihr Mentor, Freund und Händler. Das besondere an ihren Kunstwerken sind die kräftigen Farben, die sie selbst zusammen mischte und die ungewöhnliche Darstellung der floralen Motive.

Was man in dem Film, trotz der sehr intimen und detaillierten Szenen, ab und an vermisst, ist der biographische Hintergrund der Malerin. Auch sieht man sie oft in der Natur, doch kann nur erahnen, wie sie ihre Umwelt wahrnimmt. Ihre Gefühlswelt bleibt leider unter einem nur leicht durchscheinenden Schleier verborgen. Dennoch gelingt es der Hauptdarstellerin Yolande Moreau eine Frau darzustellen, die man gerade wegen ihren Widersprüchen und ihrem Eigensinn liebt. Ob sie gerade dabei gezeigt wird, wie sie auf ihre ganz eigene Art ein Blumengemälde malt oder vorsichtig eine Skizze von Picasso bei Seite legt, um das Bett machen zu können, Moreau hat den Zuschauer immer in ihrem Bann. Sie ist Séraphine, eine Frau voller Gegensätze, die die Malerei liebt und trotzdem mit ihren Dämonen zu kämpfen hat. Dabei schreckt Provost nicht zurück, ihre Schattenseiten zu zeigen und ist dabei konsequent. Er lässt auch Wilhelm Uhde in keinem strahlenden Licht stehen. Ebenso weigert er sich, irgendetwas an seinen Figuren zu erklären und setzt daher bei der Inszenierung auch auf wenig Effekte. So kann es leicht vorkommen, dass einem die Einstellungen manchmal etwas zu lang vorkommen. Einzig, wenn er die Künstlerin bei der Arbeit zeigt, geht der Regisseur ins Detail. Er taucht sie dann in ein wärmeres Licht und erlaubt auch der Kamera ihr nahe zu sein.

Seraphine ist ein Film über eine ungewöhnliche Künstlerin und wer Interesse an Kunst hat, sollte sich den Streifen nicht entgehen lassen. Wer jedoch mehr über den Menschen Séraphine Louis erfahren möchte, sollte vielleicht die gleichnamige Romanbiographie der Psychoanalytikerin Francoise Cloarec zur Hand nehmen, die auch die Grundlage für den Film bildet.



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