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Als J.R.R.Tolkien 1954 den ersten Band seiner Ring-Trilogie veröffentlichte, schrieb die Londoner Sunday Times "die Welt können nun in zwei Arten von Menschen aufgeteilt werden, in diejenigen die den "Lord of the Rings" gelesen haben und diejenigen, die es noch tun werden". In der Tat avancierte die dreiteilige Fantasy-Saga binnen kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten Romane unserer Zeit und galt bald als klassisches Werk der modernen Literatur, das in regelmäßigen Abständen immer wieder zum "Buch des Jahrhunderts" gewählt wurde. Tolkiens Geschichte spielt in einer einer eigens erdachten Welt, einem komplexen Universum voller Mythen und Kulturen, die in ihrem Umfang klassischen Legenden wie denen von Homer oder Chaucer in nichts nach steht. Basierend auf dieser eigens erschaffenen Welt erzählt Tolkien ein Abenteuer über ungewöhnliche Helden, aufopferungsvolle Freundschaft, individuellen Mut, die Macht der Versuchung und dem archetypischen Kampf zwischen Gut und Böse, das somit eine Menge allgegenwärtiger Themen beinhaltet und trotzdem für jeden Leser eine ganz pesönliche Erfahrung darstellt.
Lange Zeit galt dieses Werk, welches das Fantasy-Genre beeinflußt hat wie kein anderes, nicht zuletzt wegen seines epischen Ausmaßes als unverfilmbar. Ein erster, kläglicher Versuch den Stoff 1978 zu verfilmen bekräftigte diese Ansicht noch einmal. Doch Ende der 90er Jahre wagte sich Peter Jackson, Regisseur von Filmen wie Braindead und Heavenly Creatures erneut an die Fantasy-Bibel heran und stürzte sich damit in ein Filmprojekt von noch nie dagewesener Größe, das allein bis zur Premiere dieses ersten Teils fast sieben Jahre seines Lebens in Anspruch nahm. Als treuer Fan des Romans machte es sich Jackson zur Aufgabe einen gigantischen Abenteuerfilm zu drehen, der die Magie der Vorlage bestmöglichst wiederspielgeln und sowohl für Anhänger des "Lord of the Rings" als auch für den Teil der Zuschauer die mit dieser Verfilmung einen ersten Ausflug nach Mittelerde unternehmen würden gleichermaßen faszinierend und unterhaltsam sein sollte. Zwei Jahre lang dauerten allein die Dreharbeiten im Zuge deren gleich alle drei Teile der Ring-Trilogie abgedreht wurden und nach langem, gespannten Warten war es mir nun heute Vormittag gegönnt den ersten Teil The Fellowship of the Ring begutachten zu dürfen.
Was soll ich sagen? Keine Sekunde der Vorfreude war verschwendet, kein Wort der Vorschußlorbeeren zu viel gesagt. Peter Jackson hat einen Blockbuster epischen Ausmaßes geschaffen, wie wir ihn schon seit Ewigkeiten nicht mehr in einem Kino erleben durften und dabei ist dies erst das erste Kapitel, welches im Vergleich zu dem was da noch kommt ja eher gemächlich verläuft. Zu Beginn wird der Tolkien-unerfahrene Zuschauer in einem 10-Minütigen Prolog über die Vorkommnisse unterrichtet, die den einen Ring in die Hände des Hobbits Bilbo Baggins spielten und kriegt gleich einmal die wohl bildgewaltigste Schlacht geboten, die je auf einer Leinwand zu sehen war. Im weiteren Verlauf des Films bekommt Frodo den Ring vererbt und muß sich gemeinsam mit Freunden und Verbündeten in das Reich des bösen Herrschers Sauron begeben um den Ring im Schicksalsberg, dem Ort an dem er vor unzähligen Jahren gegossen wurde, zu zerstören, denn nur dadurch kann der Untergang Mittelerdes verhindert werden. Auch wenn das ein oder andere Kapitel unverfilmt blieb und einige Details ein wenig abgeändert wurden, muß man Peter Jackson wirklich gratulieren: Er hat die magische Welt des Romans mit epischer Wucht und viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt.
Zunächst einmal gelingt es ausnahmslos allen Schauspielern ihre Rollen auszufüllen und glaubwürdig darzustellen. Obwohl mich persönlich Ian McKellen als weiser, charmanter und sympathischer Zauberer Gandalf am meisten fasziniert hat, bin ich vor allem von Elijah Woods Leistungen beeindruckt, denn er mußte als eine der zentralen Figuren einen Großen Teil der schweren Last des Films tragen, eine Aufgabe die der 20-Jährige Schauspieler meines Erachtens überraschend gut gemeistert hat. Auch Viggo Mortensens Darstellung des Waldläufers Aragorn, Sean Astin als Frodos treuer Begleiter Sam Gamgee und Sean Beans Verkörperung des nur allzu menschlich handelnden Boromir stehen dem in nichts nach. Mit Billy Boyd als Pippin und Dominic Monaghan als Merry befinden sich außerdem zwei chaotische Kindsköpfe unter den Gefährten, die mit ihren witzigen Einlagen mehr als einmal die düstere Grundstimmung des Films durchbrechen und hin und wieder etwas zum Lachen bieten. Komplettiert wird die Besetzung des Lord of the Rings durch eine Reihe von kurzen aber einprägsamen Auftritten hervorragender Schauspieler wie Christopher Lee als verräterischer Saruman, Hugo Weaving als Halbelb Elrond, der bezaubernden Cate Blanchett als geheimnisvolle Galadriel, Liv Tyler als wunderschöne Arwen und Ian Holm als herzensguter Hobbit Bilbo Baggins.
Besonderes Augenmerk legte Peter Jackson bei seiner Verfilmung auf die vielen verschiedenen Schauplätze, die er allesamt in seiner Heimat Neuseeland aufspürte. Fast in jeder Einstellung wird man als Zuschauer mit immer neuen fantastischen Welten konfrontiert. Vom idylischen Auenland, über die düsteren Minen von Moria bis hin zur Elbenstadt Rivendell oder Galadriels Reich Lothlorien ist eine Station aufregender als die nächste. Hand in Hand mit den epischen Aufnahmen geht der wunderschöne, von Howard Shore komponierte Score, der in mehr als nur einer Szene für Gänsehaut sorgt. Die hervorragenden Effekte sind zum Großen Teil so gut, daß sie einem als solche überhaupt nicht auffallen und sind niemals nur Mittel zum Zweck, sondern wurden nur dort eingesetzt wo es ohne eben einfach nicht ging. Also allein der optische und akustische Genuß der einem bei The Fellowship of the Ring zu Teil wird, stellt so ziemlich alles in den Schatten was man in diesem Bereich bisher zu sehen bekam.
Der erste Teil der "Lord of the Rings"-Trilogie bietet alles was man von einem großen Kinofilm erwartet: Eine spannende Geschichte, facettenreiche Charaktere, respektable schauspielerische Leistungen, eine grandiose Optik, mitreißende musikalische Untermalung, kitschfreie Emotionen, gut gemachte Effekte, eine Priese Humor, jede Menge Action (hier möchte ich vor allem auf die Geschehnisse in den Minen von Moria als Action-Highlight des Films hinweisen) und eine Vielzahl von Magic-Moments. Ob er auch alles bietet was man von einer Verfilmung dieses Romanklassikers erwartet, wird wohl jeder Leser für sich selbst entscheiden müssen. Meiner Meinung nach hätte man das Buch aber fast nicht besser umsetzen können. Was das ganze jetzt noch perfekt macht ist die Tatsache, daß uns noch zwei weitere Teile erwarten, die womöglich sogar noch spannenderen und dramatischeren Filmgenuß bieten werden als The Fellowship of the Ring. Doch leider müssen wir uns auf die Fortsetzung ein ganzes Jahr lang gedulden und diesmal wird das Warten noch schwerer fallen. |