Die Resident Evil-Reihe geht in ihre vierte Runde. Wieder steht Hauptcharakter Alice, verkörpert von Milla Jovovich, im Mittelpunkt des Geschehens, das sich diesmal von Tokio über Alaska bis Los Angeles erstreckt. Selbstverständlich ist auch das ultimative Böse in Form der mächtigen Umbrella Corporation wieder dabei. Durch ein Übermaß an intelligenter Story oder cleveren Dialogen zeichnete sich diese Wissenschaftshorror-Reihe noch nie aus. Diesmal wird dieser Verzicht aber fast schon auf die Spitze getrieben. Dank ordentlicher Actioneinlagen gelingt es Resident Evil: Afterlife dennoch knapp an seinem Vorgänger vorbeizuschrammen.
Fester Bestandteil aller Resident Evil-Sequels ist, dass am Ende bereits der Grundstein für die Fortsetzung gelegt wird. Wer sich also noch an Teil drei zu erinnern vermag oder auf DVD und TV die Gelegenheit nutzte, um sich das Finale von Resident Evil: Extinction ins Gedächtnis zu rufen, der kann sicher erraten, wohin es die schlagkräftige und dank T-Virus sogar mit Psi-Kräften ausgestattete Alice (Milla Jovovich) nun verschlägt.
Vorher stattet sie der Umbrella Corporation in einer ihrer unterirdischen Zentralen in Tokio aber noch einen kleinen Besuch ab und räumt dort mächtig auf. Und wer sich abermals an das Ende des Vorgängers erinnert, weiß auch, dass es Alice inzwischen mehr als einmal gibt; was für den zermürbenden Job, den bösen Megakonzern endgültig für das Heraufbeschwören der Apokalypse und den Untergang der Menschheit, zur Verantwortung zu ziehen, ungemein hilfreich sein könnte. Überaus arm an Story, präsentiert sich aber bereits der Prolog als stylische 3D-Kopie, die mehr als starke Deja-vus an Matrix und Ultraviolet aufkommen lässt. Tatsächlich gibt es sogar Sequenzen zu entdecken, die man eins-zu-eins genauso gut in einem dieser Filme hätte platzieren können - und sie wären kaum als fremd aufgefallen.
Voran im Alibiplot, der ungefähr die Qualität der Rahmenhandlung eines beliebigen Luststreifens aufweist, begibt sich Alice in der Folge nach Alaska, einem Funksignal folgend, das Rettung verheißt; findet dort aber nur eine außer Kontrolle geratene Claire Redfield (Ali Larter), die schon in Resident Evil: Extinction ihr Stelldichein hatte. Mit ihr im Gepäck, zurück in Los Angeles, stößt Alice auf eine Gruppe Überlebender, die sich in einem ehemaligen Gefängnis verbarrikadiert haben und von Tausenden von Untoten belagert werden.
Es folgt die Übliche gemeinsam sind wir stärker Solidarisierungsnummer, welche bis zum hanebüchenen Finale weder unblutig noch ohne Verluste abgehen wird. Dank groß angekündigter Avatar - Aufbruch nach Pandora-3D-Technik fliegt dem Fan dieser Computerspiel-Adaption nun auch einiges entgegen: angefangen von Blei, über Blut, bis hin zu allerlei umherschwirrender Explosionsartefakte. Das sorgt gelegentlich für herausstechende visuelle Einlagen, vermag aber aus dieser weitgehend ideenbefreiten Scifi-Pampe noch lange keinen sehenswerten Film zu machen.
Eines der grundlegenden Charakteristika der Reihe war anfänglich die halbwegs originelle Einbindung von Wissenschaftskritik. Im letzten Teil war davon aber schon kaum mehr etwas wahrzunehmen. In Resident Evil: Afterlife scheint man die Handlung nun sogar nahezu komplett davon tiefengereinigt zu haben, so dass nicht mehr als eine wehmütige Grunderinnerung an dieses Motiv bleibt. Über die Frequenz der Action braucht man sich dafür zumindest nicht allzu sehr zu monieren. Nach einem kleinen Durchhänger nach dem Prolog nimmt der Film ordentlich Fahrt auf und bekommt sogar Probleme, endlich zum Ende zu finden.
Wirklich Spaß macht das alles, trotz unangestrengt daherkommender CGI-Berieselung, aber nur selten. Nebst dem eklatanten Mangel an einer halbwegs durchdachten Story, laden Logikfehler regelrecht ein, Liste zu führen: Da sind kleine Ungereimtheiten, wie es beispielsweise möglich ist, mit einem einmotorigen Flugzeug, das sehr an einen japanischen Jäger aus dem II. Weltkrieg erinnert, kreuz und quer über den halben amerikanischen Kontinent zu fliegen - alles ohne zwischendurch mal zu tanken. Dann taucht plötzlich ein zugegebener Maßen unterhaltsamer, gesichtsloser Gigant mit einer riesenhaften Streitaxt auf, um Alice und Co das Leben schwer zu machen. Doch wer das ist, woher und warum er loszog, der Truppe den Garaus zu machen, aus welchem Höllenloch oder Labor er entstiegen ist und ob er die Protagonisten wittert und sie auf diese Weise aufspürt - für all diese Fragen, werden nicht einmal im Ansatz Antworten geliefert.
Selbst eingefleischte Fans dürften vergleichsweise wenig Gefallen an diesem arg kreativlos und uninspiriert zusammengekochten Aufguss diverser Neo-Klassiker finden. Der einzige Grund ins Kino zu gehen, könnte somit sein, die Wette zu gewinnen, wer mehr Anleihen und von anderen Filmen Abgekupfertes zu entdecken vermag. Angefangen bei denen, die bereits im Prolog verwurstet wurden, über Blade, bis hin zu I Am Legend und etlichen mehr. Insgesamt stemmt sich Resident Evil: Afterlife zwar knapp über das Niveau seines Vorgängers, aber das auch nur, da der Film mit knackigerer Action aufwartet und es ihm damit gelingt, kurzweilig zu erscheinen. Trotz dieser dümmlichen Inszenierung dürfte dennoch noch lange nicht das letzte Wort über diese Reihe gesprochen sein.