Nicht uninteressante, sicherlich empfehlenswerte Verfilmung eines Teils der umfassenden Biographie von Albert Schweitzer. Leider konzentriert sich diese jedoch auf einen relativ kleinen Aspekt dessen Gesamtwerks und stilisiert den Arzt durchwegs zu einer Ikone. Bisweilen wirken die Szenen mit Schweitzer wie die Ankunft Jesu in Jerusalem. Empfehlenswert nur für Kenner der Materie.
Albert Schweitzer gilt als einer der letzten Universalgelehrten. Sein größtes Werk war der Aufbau eines Krankenhauses im afrikanischen Gabun, nur knapp südlich des Äquators. Es ist unmöglich, eine derart schillernde Person der Zeitgeschichte in nur einen abendfüllenden Spielfilm zu quetschen, daher behandelt dieser Film nur einen kleinen Aspekt des Wirkens und Schaffens von Albert Schweitzer.
Nach dem Studium der Theologie und Philosophie beschließt Albert Schweitzer, Medizin zu studieren und den Ärmsten der Armen zu dienen. Seine Philosophie der "Ehrfurcht vor dem Leben" treibt ihn an, ebenso seine Mitstreiter. Unter dieser Philosophie fallen Klassenschranken, die Natur wird nicht ausgebeutet und das Miteinander funktioniert weitgehend reibungslos.
Auf Vortragsreisen wirbt Schweitzer (auch mit Orgelkonzerten) um Spenden für das Krankenhaus in Lambarene. Dabei trifft er in New York auf seinen alten Freund Albert Einstein (kaum zu erkennen, aber großartig: Armin Rohde). Der bittet ihn, sich gegen das Testen von Atombomben auszusprechen. Ein heißes Eisen, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, denn die Atombombe beendete den Konflikt mit Japan im Pazifikkrieg, und die Amerikaner waren wahrlich stolz auf die Wunderwaffe, die kein anderer je haben sollte.
Alle liberal denkenden galten somit gleich als Kommunismus-Sympathisanten, selbst Einstein litt unter Verdächtigungen und Anschuldigungen. Ein Aussprechen seines Freundes Albert Schweitzer gegen Nuklearwaffen hätte der Bewegung mehr Gewicht verliehen, aber Schweitzers Ansehen auch geschadet. Also entscheidet Schweitzer sich zugunsten der Mittellosen in Afrika und fährt fort, Spenden zu sammeln. Bald schließt sich ihm die Fotografin Thérèse Bourdin sowie der junge PR-Fachmann Phil Figgis an. Sie wollen mit nach Lambarene, um dort Aufnahmen zu machen und einen Eindruck über die Arbeit Schweitzers zu gewinnen, Figgis will später sogar ganz kostenlos eine PR-Broschüre zum Spendensammeln auflegen.
Doch auch in Gabun ist nicht alles in Ordnung: Am Zoll verschwinden wichtige Medikament-Lieferungen, eine alternative Regierung setzt das Krankenhaus unter Druck und will die "freiwillige" Schließung erzwingen. Schweitzer ist nicht mehr der Jüngste, doch kümmert er sich aufopferungsvoll um die Kranken und sein Klinikum, und versucht zugleich, sämtliche Gefahren abzuwehren.
Regisseur Gavin Millar und seine Drehbuch-Coautoren waren sich offenbar bewusst, dass das Leben von Albert Schweitzer nicht verlustfrei in einen Film gepackt werden kann, also konzentrierten sie sich auf den Abschnitt zwischen Beginn des Kalten Krieges und Schweitzers Friedensnobelpreis 1954.
So setzt der Film auch in Afrika ein und geht davon aus, dass der Zuschauer bereits über ein breites Grundwissen zu Schweitzers Leben und Leistungen verfügt. Dennoch wird sicherheitshalber immer wieder deutlich auf die Bedeutung und den Ruf des Humanisten hingewiesen. Dies wirkt im Film leider wie ständige Lobhudelei gegenüber einem unter uns wandelnden Idol. Schweitzer, wie übrigens auch Einstein, werden auf Podeste gestellt, doch diese verklärten Sichtweisen ihrer Leistungen haben sich in dieser Form erst nach ihrem jeweiligen Ableben entwickelt. Die Filmemacher versuchen dies zwar zu kaschieren, indem sie den netten ergrauten Herrn immer wieder mal sympathisch-verstreut nach einer Socke suchen lassen, doch jubelnde Horden von Patienten in Lambarene oder stets schwer beeindruckte Menschenmassen in New York unterminieren dieses Bild einer lebenden Legende sehr.
Keine Frage, dass Schweitzer Großes geleistet hat und sein Leben ein bedeutungsvolles war. Doch wirkt Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika eher wie ein großes PR-Event als eine ernsthafte Biographie. Schade, denn es wäre sicherlich interessanter gewesen zu sehen, wie dieser Mann aus dem Nichts eine Klinik in Afrika geschaffen hat, anstatt einen Triumphzug wie diesen.