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Unbequeme Komödie von Leander Haußmann, die sich mit dem Verhältnis der Gesellschaft zu ihren Alten befasst. Unter dem Deckmantel einer klassischen Dramaturgie eines Bruchs, herrlich augenzwinkernd mit klapprigen Alten inszeniert, regt Haußmann den Zuschauer zum Nachdenken über das Verhältnis zu den Senioren im Allgemeinen an. Nach dem Film wird man seine Großeltern besuchen wollen.
Lena Braake ist eine liebe alte Dame, die in einem kleinen Häuschen lebt und sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt. Zu ihrem Bankberater, Herrn Hardmann, hat sie ein gutes Verhältnis. Der junge, schneidige Mann ist stets freundlich und zuvorkommend. So kommt es auch, dass sie eines Tages etwas unterschreibt, was sie nicht gelesen hat - und Herr Hardmann endlich bekommt, was er schon so lange will.
Nachdem sie durch einen unbedachten Federstrich ihr Häuschen an die Bank verloren hat (die mittlerweile fast die ganze verschlafene Siedlung aufgekauft hat, um darauf ein stockhässliches Einkaufszentrum zu errichten), ist sie gezwungen, ins Altersheim zu ziehen. Dort fühlt Lena sich völlig fehl am Platze, denn inmitten von dementen, inkontinenten und generell eher absonderlichen Alten sticht die adrette, gepflegte Frau heraus wie ein bunter Hund.
Während Lena versucht, im Heim ihre Würde zu bewahren, lernt sie die Bewohner unweigerlich näher kennen. Besonders interessant ist hierbei Johann Schneider, ein offenbar verwirrter ehemaliger Finanzfachmann, der sein Unternehmen verlor, nachdem er mehrere Millionen an die Wand gefahren hat. Johann hat bald einen Narren an Lena gefressen und entpuppt sich als Demenz-Simulant: Er ist komplett fit im Oberstübchen und will einfach nur einer eventuellen Strafverfolgung für sein Fehlverhalten entgehen. Außerdem hilft eine höhere Pflegestufe dabei, im Heim ein Einzelzimmer zu ergattern.
Da Johann also noch seine Sinne komplett beieinander hat, entwickelt er einen Plan, um Lenas Häuschen wiederzubeschaffen. Als Komplizen kommen jedoch nur die Mitbewohner des Heims in Frage, die eben teilweise nicht mehr ganz so fit sind wie Johann und Lena.
Die bitterböse Komödie kritisiert eine Gesellschaft, die ihre Alten nach Strich und Faden übervorteilt, hintergeht und ausnutzt, obwohl die jüngeren Generationen auf genau deren Schultern steht. Zudem versucht der Film, eine Art geriatrischer Ocean's Eleven zu sein, was nur teilweise gelingt.
Es ist jedoch höchst erfrischend, einmal ein paar derbere Gags im Kino mitzuerleben, anstatt den üblichen politisch korrekten Schenkelklopfern. So gehen nicht wenige Scherze auf Kosten von Diabetikern und Demenzkranken, was zwar im ersten Moment ein wenig befremdlich wirkt, aber schon bald genossen werden kann - wenn man sich nämlich gewahr wird, dass man in ferner Zukunft möglicherweise selbst ein Kandidat für diese Schicksale ist.
Leander Haußmann erzählt die bewegende Geschichte eines Einzelschicksals, das in unserer Gesellschaft zwar alltäglich, aber dennoch tief bewegend ist. Seine Variation der Themen Verlust der Würde, Abschiebung ins Heim, Verlust des Wohneigentums, zusammenfassbar unter "Altes Eisen", stimmt trotz der oft flachen, teilweise burlesken Slapstick-Einlagen nachdenklich. Der Film ist schwer zu empfehlen, auch wenn er aufgrund seiner starken Individualität sicher nicht jedem gefallen wird. |