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Eine Liebe, die unter keinem guten Stern steht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lernt der verkannte und bettelarme Poet John Keats die lebenslustige Fanny Browne kennen. Die beiden trennen anfänglich nicht nur ökonomische Grenzen, es gilt auf beiden Seiten auch soziale Hürden zu überwinden. Der Film schwelgt in einem poetischen Liebesideal, ebenso wie er in seinen opulenten Bildern den Geist der Romantik einzufangen sucht. Für Freunde leicht kitschig-verträumter Geschichten durchaus empfehlenswert und auch für solche, die sich zuweilen das eine oder andere Lyrik-Bändchen zu Gemüte führen.
Gerade mal 26 Jahre alt wurde der englische Dichter John Keats. Und doch zählt der 1795 in London geborene Poet zu den wichtigsten Vertretern der englischen Romantik. Bright Star ist aber nicht Biopic oder Portrait des Dichters und seines Lebens; vielmehr ist der Film eine Ode an die Dichtkunst und das Ideal der ewigen reinen und romantischen Liebe. Erwartungsgemäß schwelgt die Geschichte oft visuell in beschwingter Leichtigkeit und gefühlsbetonter Opulenz, begleitet von "Lesungen", die dem Zuschauer die Poesie Keats näherbringen sollen.
John Keats (Ben Whishaw) ist ein junger mittelloser Poet. Er und sein väterlicher Freund Mr. Brown (Paul Schneider) haben sich der Dichtkunst verschrieben und Leben überwiegend von der Großzügigkeit anderer. Es hätte beinahe etwas von bohemer Lebensweise, doch ist es mehr ein "nicht anders können", als Schreiben um des Schreibens willen. Die Kritiken sind meist durchwachsen bis freundlich vernichtend. Noch weiß kaum einer das wahre Genie von John Keats zu schätzen.
Die attraktive und gewitzte, doch leider literarisch nicht sonderlich gebildete Fanny Browne (Abbie Cornish) hat sich aber bereits von seiner Kunst bezaubern lassen und auch der Künstler selbst entfaltet reichlich Anziehungskraft auf die Holde. Fanny ist zwar bloß eine einfache Schneiderin und gehört nicht der gebildeten Londoner Oberschicht an, dafür aber hat sie ein schönes Zuhause und die Teller sind auch immer gut gefüllt - etwas wovon die dichterische Intelligenzia oft nur träumen darf.
Ein erfolgloser Poet mit Löchern in den Taschen und eine wohlsituierte Bürgerliche, das kann unter den Konventionen der Zeit kein glückliches Ende nehmen. Auch Fanny's Mutter (Kerry Fox) hat ihre Vorbehalte: zwar bringt sie Keats und den romantischen Gefühlen ihrer Tochter Sympathie entgegen, weiß aber, dass Keats im Leben wohl nie genug Geld haben wird, um heiraten und Fanny eine sichere Existenz garantieren zu können. Im Keats Lager ist sein Mentor Mr. Brown der größte Kritiker der Verbindung. In seinen Augen lenkt Fanny den jungen Poeten nur von seiner wahren Bestimmung ab. Und als er auch noch schwer erkrankt, spitzt sich die Lage zu.
Auch wenn Dreh- und Angelpunkt der Story die romantische Liebe ist, reduziert sich Bright Star nicht gänzlich auf dieses Motiv: Ein lakonischer Blick streift auch die "intellektuelle Elite" Londons, ebenso wie gewisse allgemeine gesellschaftliche Strukturen der Zeit im Ansatz gezeichnet werden. Damit erhält Fannys beharrliches Festhalten an ihrer Liebe den Hauch von Rebellentum. Sicherlich beherbergt dieses moralische Freistrampeln aus den Konventionen des Standes und der Zeit beiläufig auch die Vorwehen der Emanzipation. Doch sollte man sich davon nicht zu sehr in die Irre führen lassen: Dieser Geist des Aufbegehrens spielt sich letzten Endes auf dem Niveau von Theodor Fontanes Effi Briest ab; man schreibt schließlich die zweite Dekade des 19. Jahrhunderts und nicht die wilden 1968er.
Bright Star bezaubert aber vor allem durch die Bilder. Der Film ist schwelgerisch, verträumt und zuweilen verschwenderisch. Dass sich die innere Befindlichkeit der Figuren im klimatischen Geschehen der Jahreszeiten spiegelt, wirkt, wenn schon nicht etwas arg plump, zumindest reichlich plakativ. Besonders negativ fällt das allerdings nicht ins Gewicht, da es sich schlussendlich logisch in die Dramaturgie einfügt. Geschauspielert wird solide, besondere Ausreißer gibt es nicht; wenn jemand herauszuheben wäre, dann bestenfalls noch der etwas bärbeißige Mentor, gegeben von Paul Schneider: bergen doch die verbalen Scharmützel zwischen ihm und Fanny zu den wenigen Dialoghöhepunkten.
Die besondere Stärke des Films ist letztendlich, dass er nirgendwo massiv abfällt (man sollte aber solch romantischen Stoff schon mögen); dafür plätschert er anderseits recht nivelliert dahin. Und störend fällt ins Gewicht, dass die frühlingshafte Fanny, die flüchtig mal über ihr eigenes Leben und Beruf berichten darf, sonst überhaupt keinen Unterbau erhält. Das macht gewisse feministisch-emanzipatorische Ansätze schnell wieder zunichte. Sieht man aber von solchen Punkten ab, bleibt Bright Star eine hübsche bitter-süße Romanze, mit Freud und Leid und was sonst noch dazu gehört: also inklusive einiger Schwülstigkeiten, etwas Theatralik und schlussendlich auch einer Portion Tragik. |