Man kann zwar nicht jedes Jahr Meisterwerk auf Meisterwerk folgen lassen, aber im Falle eines Clint Eastwood ist auch ein schwächerer Film unter seiner Regie noch jedes Eintrittsgeld wert. Seine Geschichte um Nelson Mandelas Versuche, das südafrikanische Volk durch den Gewinn der Rugby-WM zu vereinen, ist hervorragend gespielt und in Szene gesetzt worden und somit trotz kleiner inhaltlicher Schwächen empfehlenswert.
Mit dem Alter wird alles besser! Nicht, dass Clint Eastwood früher schlechte Filme gemacht hätte, aber es ist schon erstaunlich, wie es ihm seit 2003 gelingt, Jahr für Jahr ein neues Meisterwerk auf die Beine zu stellen. Letztes schuf er sogar innerhalb eines Jahres mit Gran Torino und Der Fremde Sohn, zwei der besten Filme seiner langen und ruhmreichen Karriere. Klar, dass in so einem Falle die Erwartungen natürlich in die Höhe schießen und man bei einem Film wie Invictus - Unbezwungen nichts anderes als Eastwoods nächstes Meisterwerk erwartet.
Kaum in seinem Amt merkt der neu gewählte Präsident Nelson Mandela, dass trotz dem Ende der Apartheid sein Volk weiterhin zerrissen ist. Dennoch glaub er fest daran, dass er sein Volk vereinen kann. In der demnächst in Südafrika ausgetragenen Rugby Weltmeisterschaft sieht er die große Möglichkeit ein Mittel zu finden, dass die Schranken zwischen Schwarz und Weiß überwinden kann. Mit Hilfe des Kapitäns Pinaar setzt Mandela alles daran, das südafrikanische Rugbyteam zu unterstützen, obwohl sie als glasklare Außenseiter gelten.
Biografien über bekannte Persönlichkeiten haben oftmals den Makel, zu viel in zu kurzer Zeit erzählen zu wollen. In diesem Falle jedoch wird nur über einen kurzen Moment in Mandelas Leben berichtet, nämlich vom Zeitpunkt seiner Entlassung bis zum Finale der Rugby WM im eigenen Lande. So haben die Autoren genügend Zeit, sich auf den Kern der Geschichte zu konzentrieren, was ihnen weitestgehend auch gelingt. Dennoch müssen sie sich der Kritik aussetzen, dass ihre Geschichte zu gradlinig erzählt und einige negative Aspekte der Ereignisse, wie die relativ bekannten Betrugsvorwürfe beim Finale, komplett außen vorgelassen wurden.
Auch wenn man es aufgrund des Inhaltes nicht immer meinen würde: Inszenatorisch ist Invictus - Unbezwungen in jeder Sekunde die Handschrift des Meisters zu erkennen. Ihm gelang der würdevolle Mix, seine ruhige Geschichte zu erzählen und dabei gleichzeitig auch die Stimmung der damaligen Zeit hervorragend einzufangen. Sogar der etwas patriotische Ansatz sei ihm verziehen, da dieser nie zum Selbstzweck verkommt und man sich als Zuschauer gerne von den wundervollen Bildern und Klängen Südafrikas gefangen nehmen lässt.
Nelson Mandela selbst hat immer wieder betont, dass er nur einer Person zutrauen würde, seinen Charakter in einem Film glaubwürdig wiederzugeben, und das wäre Morgan Freeman. Dieser Wunsch wurde ihm nun erfüllt und Freeman erfüllt seine zurückhaltende, aber gleichzeitig auch einnehmende Leistung erwartungsgemäß mit Bravour. Die große Überraschung des Filmes ist jedoch Matt Damon, der sich hier mit einem hervorragend antrainierten südafrikanischen Akzent präsentiert und sich vor Freemans Performance nicht zu verstecken braucht.
Auch wenn Invictus - Unbezwungen zu keiner Sekunde schlecht ist und einen hervorragend gespielten und inszenierten Ausschnitt aus dem Leben Nelson Mandelas zeigt: Im Vergleich zu dem, was uns Regisseur Clint Eastwood die letzten Jahre präsentiert hat, fällt sein neuestes Werk klar ab, da es an der faszinierenden Geschichte mangelt, die seine Werke sonst immer zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.