Wirklich liebevolle, hübsche Verfilmung einiger der Geschichten der gleichnamigen Kinderbuchklassiker von René Goscinny. Besonderes Augenmerk wurde auf die Ausstattung gelegt, ebenso sehr wurde auf die Inszenierung nach den typischen Verhaltensweisen der 1960er geachtet. Die sensationellen Kinderdarsteller wirken wie dem Buch entsprungen, die professionellen Erwachsenen stehlen ihnen jedoch zu keiner Sekunde die Schau. Eine wirklich gelungene Visualisierung der Buchklassiker.
Der kleine Nick ist einfach nur ein kleiner französischer Junge, der zur Schule geht, Hausaufgaben macht und mit seinen Freunden spielt. Mädchen sind doof und spielen mit Puppen, und den Klassenstreber kann auch keiner leiden. Eines Tages erzählt Joachim, einer von Nicks Freunden, dass er zuhause nicht mehr beachtet wird, seit er ein Brüderchen bekommen hat. Alles dreht sich um das kleine Baby, und die Wünsche und Bedürfnisse des Erstgeborenen werden von den Eltern vollkommen ignoriert. Als er plötzlich nicht mehr zur Schule kommt, ist den Freunden klar, dass Joachim wie befürchtet im Wald ausgesetzt worden sein muss.
Schon bald stellt Nick dieselben Symptome für das Herannahen eines Babys bei seinen eigenen Eltern fest, und befürchtet ganz folgerichtig nun seinerseits bald im Wald zu enden. Doch ohne Kampf wird Nick nicht gehen, und so setzt er alles daran, seinen Eltern besser zu gefallen als es das Neugeborene je könnte. Zum Beispiel helfen alle Freunde zusammen und putzen die Wohnung von Nicks Eltern gründlich mit Wasser, Seife und Wurzelbürsten, kaum dass diese außer Haus sind. Da bleibt natürlich kein Auge trocken, vor allem die Tapeten und Polstermöbel leiden dann doch ein wenig unter dem guten Willen der lieben Kleinen.
Also gehen Nick und seine Freunde zu Plan B über: Ein Gangster soll das Kind entführen, sobald es geboren ist, und selbst großziehen. Doch dazu braucht es Geld, nämlich 500 Francs. Die wollen erstmal verdient werden - aber wie? Und wenn man sie beisammen hat, wie kommt man an einen echten Gangster? Und all das natürlich, ohne dass die Eltern etwas davon mitbekommen.
Der Kleine Nick ist ursprünglich eine Serie von satirischen Kindergeschichten von René Goscinny, die, illustriert von Jean-Jacques Sempé, nicht wenige Buchbände füllt. Die Geschichten entstanden und spielen Anfang der 1960er-Jahre, entsprechend gewaltig ist die Fangemeinde nicht nur in Frankreich. Der Verfilmung wurde skeptisch entgegengesehen, da die sympathischen, herzerwärmenden Geschichten eigentlich als unverfilmbar galten.
Doch Regisseur Laurent Tirard vollbrachte das Unmögliche und hauchte dem kleinen Nick ein Leinwandleben ein. Die Verfilmung spielt ebenfalls Anfang der 60er, also sind alle Kinder noch höflicher und deutlich braver als heute, die Menschen weniger ich bezogen, die Mode gewagt, die Wohnungen und Autos kultig, kurz: Die Welt dreht sich noch deutlich langsamer, und den kleinen Nick hätte man ohnehin nicht unbeschadet in die Zeit des Internets und der Handy-Flatrates transportieren können.
Die Figuren erinnern daher nicht wenig an die der Filme von Jacques Tati, die Farben strahlen ebenso bunt und kräftig. Die heile Welt der 1960er findet ihren Spiegel nicht nur in den herrlichen Lausbubenstreichen, an die sich jeder Zuschauer gern zurückerinnert, sondern insbesondere in der großartigen Ausstattung, die für dieses Filmprojekt zusammengetragen wurde. Auch die Drehorte sind überwältigend.
Der kleine Nick kann getrost genossen werden von Kennern und Liebhabern der Materie, ist aber auch bestens geeignet für gänzlich Unbeleckte. Auf jeden Fall ein Tipp für Familien mit Kindern, aber auch unter Erwachsenen allein ein kleiner Trip zurück in die eigenen Flegeljahre. Absolut gelungen.