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Ich & Orson Welles(Me and Orson Welles, 2008)
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26. August 2010
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Premiere: |
05. September 2008 (Toronto Film Festival, Kanada) |
| FSK: |
o.A.
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Genre: |
Drama |
| Länge: |
113 min
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Land: |
UK |
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Darsteller:
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Zac Efron (Richard Samuels), Claire Danes (Sonja Jones), Christian McKay (Orson Welles), Zoe Kazan (Gretta Adler), Ben Chaplin (George Coulouris), Eddie Marsan (John Houseman), Kelly Reilly (Muriel Brassler), James Tupper (Joseph Cotten), Thomas Arnold (George Duthie), Leo Bill (Norman Lloyd), Shane James Bordas (Elliott Reid), Janie Dee (Mrs. Samuels), Alessandro Giuggioli (Hiram Sherman), Garrick Hagon (Dr. Mewling), Lexie Lambert (Lizzy), Harry Macqueen (John A Willard), Megan Maczko (Evelyn Allen), Jo McInnes (Jeannie Rosenthal), Iain McKee (Vakhtangov), Simon Nehan (Joe Holland), Travis Oliver (John Hoyt), Rhodri Neil Orders (Stefan Schnabel) |
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Regie:
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Richard Linklater |
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Drehbuch:
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Holly Gent Palmo, Robert Kaplow |
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 Inhalt
1937: Der 17-jährige Richard Samuels ist von der Schule gelangweilt und träumt von einer Karriere am berühmten New Yorker Broadway. Er wird von der Theaterproduktion "Julius Caesar" gecastet, bei der kein geringerer als Orson Welles Regie führt. Doch schnell wird klar, dass hier nicht nur schauspielerische Qualität zählt und so findet sich Richard in einem Netz voller Verführung und Täuschung wieder. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Das Jahr 1937: Niemand denkt daran, dass nur wenige Jahre später ein Wahnsinniger die Welt ins Chaos stürzen wird. Der erst 22-jährige Orson Welles scheint aber ein Gespür für die Dinge zu haben, die da kommen werden. Er studiert mit der Truppe des Mercury Theatre eine Inszenierung des Stückes Julius Caesar ein, die den Faschismus aufs Korn nimmt. Durch Zufall bekommt auch der Schüler Richard eine kleine Rolle im Stück und muss feststellen, dass die schöne Künstlerwelt, wie die Stücke selber, manchmal nicht mehr ist, als eine intrigante Farce. Erfrischend altmodischer Film, mit zeitlosen Wahrheiten und ausgezeichneten Darstellern.
Orson Welles gilt als eines der größten schauspielerischen Genies aller Zeiten. Auf jeden Fall muss er in einem Atemzug mit Namen wie Charlie Chaplin und Marlon Brando genannt werden. Die meisten werden ihn aus Filmen wie Citizen Kane aus dem Jahr 1941 kennen, in dem Welles auch Regie führte oder aus dem 1949 entstandenen Der Dritte Mann, der zu den unsterblichen Klassikern aller Zeiten gezählt wird. Zur skurrilen Berühmtheit verhalf ihm schon davor seine Arbeit beim Radio: als er als Pseudo-Livereportage am Halloween-Abend 1938 das Hörspiel War of the Worlds zum Besten gab, das auf dem Roman H.G. Wells basiert und eine Invasion von Außerirdischen beschreibt, soll er damit an der Ostküste der Vereinigten Staaten eine Massenpanik ausgelöst haben.
Der Ausnahmemime, der 1915 in den USA das Licht der Welt erblickte, kam ursprünglich von der Bühne - wie es für viele seiner Schauspieler-Zeitgenossen üblich war. Unvergessen sind seine Shakespeare-Aufführungen: Er modernisierte die klassischen Dramen, indem er beispielsweise das Publikum in das Stück mit einbezog. Seine Interpretation des Julius Caesar von 1937 gilt bis heute als eine der bedeutendsten Inszenierungen auf amerikanischem Boden. Welles realisierte das Stück seinerzeit, indem er es spiegelbildlich an das faschistoide Nazi-Deutschland anlehnte; dabei waren zu diesem Zeitpunkt die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA noch in Ordnung. Auf den Ereignissen bis zur Premiere dieses Stücks basiert auch Ich & Orson Welles. Von zentralem Charakter dabei das ungleiche Duell zwischen dem erst 17-jährigen Richard (Zac Efron) und Orson Welles (Christian McKay).
Mehr durch Zufall erhält der Schüler Richard eine kleine Rolle bei Orson Welles' Mercury Theatre. Für den jungen Mann geht damit ein Traum in Erfüllung, auch wenn es sich nur um zwei kurze Auftritte im Stück Julius Caesar handelt, das derzeit vom Ensemble einstudiert wird und bald Premiere feiern soll. Die Launen des selbstherrlichen Genies zu ertragen, fällt Richard aber nicht immer leicht; glücklicherweise stärkt ihm die attraktive Regieassistentin Sonja (Claire Danes) ein wenig den Rücken. Richard beginnt aber bald, viel mehr in der ehrgeizigen Frau zu sehen, was unweigerlich zur Konfrontation mit dem scheinbar übermächtigen Welles führen wird. Kurz vor der Premiere kommt es zum Eklat: Welles feuert Richard, doch ohne den - auch wenn seine Rolle im Stück vergleichsweise klein ausfällt - kann die Premiere nicht stattfinden.
Geradezu genial spielt Christian McKay den dämonischen Welles, ohne dabei irgendwann die Erdung zu verlieren. Er portraitiert ihn als besessenes, narzisstisches und manipulatorisches Genie, das rücksichtslos seine Vision umsetzen möchte - ganz gleich ob er dafür Menschen zerstören oder emotional selbst auf den Knien herumkriechen muss. Das Fabelhafte daran, dass McKay nie aus dem Rahmen fällt oder der Suggestionskraft der Figur erliegt. Auf der anderen Seite Zac Efron, der Abseits seiner Teeniemovie-Pfade eine erstaunlich solide Performance abliefert. Wenngleich bereits fühlbar zu glatt. Irgendwie scheint der Mädchenschwarm nicht aus seiner Haut zu können. Und so legt er seine Filmfigur zu smart und zu abgeklärt an. Von einem 17-jährigen, der plötzlich mit den Großen der New Yorker Theaterwelt auf einer Bühne steht, hätte man deutlich mehr Unruhe, Unsicherheit sowie Selbstzweifel erwartet. Überdies fehlt es seiner Figur ohnehin deutlich an Unterbau: geradezu scherenschnittartig wird er aus dem Schülerdasein auf die Bühne des Lebens und die des Mercury Theatre geworfen.
Ähnlich einem Ensemblefilm lebt auch Ich & Orson Welles von seinen Darstellern. Neben den Kontrahenten, McKay und Efron, geben sich unter anderem Claire Danes und Ben Chaplin die Ehre und wissen in ihren Rollen durchweg zu überzeugen. Regisseur Richard Linkslater gelingt es, den Weg bis zur Premiere des Stückes selbst als Stück im Stück zu inszenieren, was ein beispiellos charmantes Flair und eine herrliche altbackene Note aufkommen lässt. Den Mantel dieses Schachtelspiels bildet eine Geschichte, die in Zügen gleichsam an den kürzlich gelaufenen An Education erinnert, als auch an den Billy-Wilder-Klassiker von 1950 Sunset Boulevard. In diesem wird die tragische Geschichte einer abgehalfterten Stummfilmdiva erzählt, die auf ein Comeback hofft. Die Parallelen zu Ich & Orson Welles sind, dass die Kultur- und Medienmaschinerie jeder Zeit sich Menschen einverleibt und wieder ausgespuckt, wenn sie nicht mehr benötigt werden oder vermarktbar sind. Dieser Betrieb ist und war ein zynischer Seelenausverkaufsbazar. Und in diesem nimmt der 17-jährige Richard Platz und lässt sich instrumentalisieren, wie auch die ehrgeizige Sonja, die bereit ist, sich willfährig nach oben zu schlafen.
Ich & Orson Welles ist aber lange nicht derart pädagogisch wie An Education oder satirisch und zugleich makaber wie Sunset Boulevard. Es ist eine erfrischend altmodisch konzipierte Dramödie mit reichlich süffisantem Touch und ein paar Coming-of-Age-Elementen, die vor allem eines ganz vorzüglich macht: Die Person Orson Welles aus dem Erinnerungsspeicher hervorholen. Abseits der großen Blockbuster ist dieser Streifen somit vielleicht der Filmtipp schlechthin, für einen besonderen Kinoabend im Sommer 2010.  Weitere interessante Filme
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