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Nach seinen Ausflügen ins Reich der Magie (Prestige - Die Meister der Magie) und seinen beiden Batman-Filmen wendet sich Christopher Nolan wieder seinen Wurzeln im Psychothriller zu. Dabei ist ihm mit Inception ein beeindruckend intelligenter, inhaltlich komplexer und mit atemberaubenden Bildern gespickter Sommer-Blockbuster gelungen.
Lange wurden Details über die Story von Inception geheim gehalten, lang hüllten sich die Beteiligten darüber in Schweigen. Was zunächst als geschickte PR-Strategie, die die Neugier von Publikum und Kritik auf den Film ziehen sollte, erschien, entpuppte sich aber als ein Segen. Denn: Je weniger man über Inception vorher weiß, umso besser funktioniert der vielleicht innovativste und originärste Blockbuster des Kinosommers 2010. Mal abgesehen davon, dass eine detaillierte Zusammenfassung der sich auf mehreren Traumebenen abspielenden Story zu komplex geraten würde.
Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan kehrt mit Inception wieder zurück zu seinen Wurzeln im Psychothriller, einem Genre, welchem er seinerzeit mit Memento neue Facetten abgewann. Ähnlich der achronologischen Abfolge der Ereignisse dort, welche den Zuschauer tief in die Psyche der Hauptfigur mit gestörtem Kurzzeitgedächtnis eindringen ließ, spiegelt sich auch bei der Inszenierung von Inception das Sujet in der Struktur des Films wieder. Dom Cobb (Leonardo Di Caprio, Shutter Island) wird damit beauftragt, in das Unterbewusstsein des angehenden Unternehmenserben Robert Fisher, Jr. (Cillian Murphy) einzudringen und eine Idee einzupflanzen, die ihn dazu bringen soll, nicht die Firma seines Vaters zu übernehmen. Die Implementierung ist nur dann möglich, wenn mehrere Traumebenen überbrückt werden und der Gedanke im tiefsten Un(ter)bewusstsein gedeihen kann. Traum und Realität, Wahrnehmung erster und zweiter Ordnung verschwimmen miteinander. Dabei werden dieselben Fragen gestellt wie in Memento: Existiert eine Welt außerhalb der eigenen Gedanken? Und wenn ja: Kann diese lebenswerter sein als die Gedankenrealität des Einzelnen?
Eine Idee kann ganze Städte hervorbringen, eine Welt nach eigenen Regeln strukturieren. Um diese zu erklären, nimmt sich Christopher Nolan einige Zeit, was die Welt in Inception noch faszinierender und unberechenbarer macht. So sind die zum Teil atemberaubenden Bilder, die Kameramann Wally Pfister hervorbringt, alles andere als eine Ausgeburt jenes selbstzweckhaften Kinos der Attraktionen, welches man aus den anderen Mainstreamfilmen der Traumindustrie kennt. Selbst die zahlreiche Verwendung von Zeitlupen oder sich auflösenden Gedankenwelten, bei denen nach Möglichkeit mehr auf Handwerk und weniger auf Computeranimation gesetzt wurde, sind durch die verschachtelte Narration von Inception motiviert. Da verzeiht man auch die eine oder andere pittoreske Location zuviel, wenn es Cobb von Tokio über Paris nach Mombasa verschlägt, um seine Einsatztruppe für die schwierige Mission zu rekrutieren.
Glücklicherweise wurde auch ein emotionaler Kern in diesem nur schwer durchdringbaren Dickicht an rationalen Gedankenstrukturen nicht vergessen. Das verleiht Inception fernab aller hypnotischen Spannung, die nach dem Nolan-Film Prestige - Die Meister der Magie einmal mehr besonders über die suggestive Filmmusik aufgebaut wird, eine zusätzliche Dramatik, die den Zuschauer packt und nicht mehr loslässt. Inception ist ein spannungsgeladener, visionärer Psychothriller, der trotz oder wegen seiner abstrakten und komplexen Thematik zum Nachdenken anregt. Zweifellos eine ziemlich reife Idee. |