Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya Poster

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Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya

(Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya, 2010)

Dt.Start: 07. Januar 2010 Premiere: 07. Januar 2010 (Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 107 min Land: Deutschland
Darsteller: n/a
Regie: Martin Hoffmann
Drehbuch: Daniela Hartmann, Martin Hoffmann


Inhalt

Sherap Sangpo war eigentlich ein ganz gewöhnlicher Hirtenjunge im Dolpo, einer an Tibet grenzenden Region im Nordwesten Nepals. Als 10-Jähriger begegnet der Junge aus der abgeschiedenen Region dem Dalai Lama und beschließt daraufhin, Mönch zu werden. Dafür reist er nach Kathmandu, wo er als Reinkarnation eines hochstehenden Dalai Lamas erkannt wird. Nach 16 Jahren Ausbildung im Exil kehrt er als Dolpo Tulku und religiöses Oberhaupt zurück in seine Heimat, wo er sehnlichst erwartet wird.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya hat eine Wertung von 65%
Geboren als Hirtenjunge veränderte die Begegnung mit dem Dalai Lama alles in seinem Leben. Heute ist er selber nicht nur ein geachteter Mönch, sondern gilt unter den Gläubigen als Tulku; als wiedergeborener hochwürdiger Lama. Diese Dokumentation erzählt von der Rückkehr in seine Heimat, in das Dolpo, eine beinahe vergessene Hochgebirgsregion, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Einen eindringlichen tiefen Blick in die Seele des Buddhismus gibt es in diesem Film aber nicht. Vielmehr ist er ein stark visuelles Portrait einer Region, deren Bewohner und deren künftigen religiösen Oberhauptes.

Bild aus Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya Zum Lama wird man berufen. Es ist ein verliehener Titel; bedeutet frei übersetzt Lehrer oder religiöser Führer. Der bekannteste Lama ist selbstverständlich der Dalai Lama. Das spirituelle Oberhaupt aller Buddhisten. Wenn man über diese ostasiatische Lebensphilosophie und Religion spricht, denkt man natürlich auch automatisch an die Himalaya-Staaten Nepal und das von China annektierte Tibet. Doch diese abgelegenen Gegenden um das "Dach der Welt" beherbergen viele Ethnien und kaum bekannte Landstriche.

Zwischen diesen beiden Hochgebirgsstaaten, in über 4000 Meter Höhe, liegt eine kleine beinahe vergessen Region, in der das Leben abläuft wie vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden: das Dolpo. Zu diesem Ort reist ein junger Mönch, der als Hirtenjunge auf die Welt kam, um nun als religiöser Führer dort inthronisiert zu werden. Geboren als Sherap Sangpo, traf er im Alter von zehn Jahren auf den Dalai Lama. Diese Begegnung war für ihn Anlass nach Kathmandu zu gehen, um später Mönch zu werden.

In Kathmandu wurde Sherap als Tulku erkannt. Das bedeutet, er ist die Reinkarnation eines verstorbenen hochgeehrten buddhistischen Lehrers - eines Lamas. Nach 16-jähriger Ausbildung kehrt er nun in seine Heimat zurück, um seinen Platz als religiöses Oberhaupt einzunehmen und zum Dolpo Tulku ernannt zu werden. Filmmacher Martin Hoffmann begleitet den jungen Mönch auf seiner Reise dorthin und zeichnet mit einer gewissen Leichtigkeit nicht nur ein geografisches Bild von dieser wunderschönen archaisch-mystischen Landschaft, sondern liefert im Ansatz auch ein ethnografisches Portrait des Bergvolkes im Dolpo.

Zentrale Person der Dokumentation ist und bleibt aber der zukünftige Dolpo Tulku. Neben den Reisebildern stehen immer wieder kleine Interviews mit ihm im Mittelpunkt. Darin berichtet der zukünftige Lama über sein bisheriges Leben, den Buddhismus, die Verantwortung des Amtes und äußert auch seine Zweifel ob er dem, durch das Volk in ihn gesetzten, Vertrauen gerecht werden kann. Nicht immer wirkt dann dieser junge Mensch wie jemand, der wirklich die Kraft hat, ein religiöser Führer zu sein. Geprägt durch die Auftritte des Dalai Lamas bei uns im Westen, wirkt er eher etwas blass und arm an Charisma.

Aber der amtierende Dalai Lama war kaum fünf Jahre alt, als er 1940 in Lhasa, der tibetischen Hauptstadt, inthronisiert wurde und musste 1959 im Alter von gerade mal 24 ins indische Exil fliehen. So gesehen ist der Dolpo Tulku bereits ein "gereifter Mönch" und hat überdies in den 16 Jahren in Kathmandu auch eine westliche Ausbildung genossen. Genau in diesen Augenblicken aber, beispielweise dann, wenn buddhistische Mönche inmitten einer Welt, die ebenso vor Äonen hätte existieren können, plötzlich ein Mobiltelefon oder eine Digitalkamera aus der Kutte ziehen, entsteht auch ein bizarrer Kontrast zwischen dieser, der Zeit scheinbar entrückten Gegend und der Moderne, die nach dem Willen des Tulkus ein Stückweit Einzug halten soll.

Es ist diese Ambivalenz, welche die Doku auch ein wenig kennzeichnet: Auf der einen Seite wirkt diese archaische Lebewelt und Kultur in ihrer Unberührtheit als überaus schützen- und erhaltenswert, anderseits ist der Wunsch des zukünftigen Dolpo Tulkus mehr als nachvollziehbar auch dorthin gewisse Errungenschaften der Gegenwart einziehen zu lassen, wie Strom und medizinische Versorgung; und ebenfalls gesellschaftliche Veränderungen durch die Etablierung eines Verwaltungs- und Schulsystems herbeizuführen. Hochgesteckte Ziele, welche ohne westliche Hilfen kaum zu realisieren sein werden. Und die Frage stellt sich, inwieweit es überhaupt gut sein kann, dort westliche Standarts einzuführen - oder beinhaltet diese Frage in sich eine verklärt-romantische Sicht auf die Himalaya-Region?

Trotz wunderbarer Landschaftspanoramen, welche die karge Schönheit der Bergregion einfangen und teils mystisch-sinnlich anmutenden Bildern ist aber Dolpo Tulku kein ausgesprochen hinreißendes Werk dokumentarischer Arbeit. Vielmehr schön anzusehen und mit reichlich interessanten Aspekten garniert, vermittelt es einen sehr fokussierten Blick auf einen kleinen Bereich, dieser uns oft schwer verständlichen Lebensrealität und lädt ein, einige Momente in Gedanken dorthin zu reisen.



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