Regisseur Cameron Crowe präsentiert mit Vanilla Sky seinen wohl bisher schwer zugänglichsten Film. Er mixte einen 130-minütigen Cocktail aus Realität und Traumwelt und verwischte die Grenzen dermaßen behände, dass es schier unmöglich ist eine klare Trennlinie zu ziehen. Die langersehnte Auflösung am Ende des Films gibt zwar dem Vorangegangenen etwas mehr Sinn, doch sie räumt dem Zuschauer noch genügend Spielraum ein, um das durchlebte Chaos selbst zu entwirren.
Im Zentrum von Vanilla Sky steht der junge attraktive Lebemann David Aames. Er übernahm in jungen Jahren die erfolgreiche Firma seines Vaters und kann sich dadurch sein exquisites Leben locker finanzieren. Salopp gesagt, er lebt den Traum eines jeden Mannes und ist der Traum einer jeden Frau. Das einzige was ihm in seinem perfekten Leben fehlt, ist die wahre Liebe oder wie es sein bester Freund Brian so treffen auf den Punkt bringt: "The sour and the sweet". Mit seinem aktuelles Betthäschen Julie lebt David exzessiv die süßen Seiten des Lebens aus, wogegen Julia vielmehr an einer ernsthaften Beziehung interessiert ist. Erst als die bezaubernde Sofia überraschend zu Davids Geburtstag auftaucht, erwischt es David und er findet in ihre die Liebe, die sein Leben erfüllen könnte.
Doch Davids Traum von der wahren Liebe wird zerstört, als er zu Julie ins Auto steigt und nach einem schweren Unfall total entstellt ist. Damit bezahlt er einen hohen Preis für das gedankenlose Spiel mit den Gefühlen anderer, sowie sein ausschweifendes aber gefühlloses Sexleben. Seines attraktiven Äußeren beraubt, zieht sich David zurück und bricht alle Brücken hinter sich ab. Zusammen mit David durchlebt der Zuschauer in der Folgezeit eine Achterbahnfahrt in der eine Vielzahl von Erlebnissen auf ihn einprasseln, die kaum einzuordnen sind.
Erstmals in seiner Karriere setzt Cameron Crowe nicht sein seine eigene Filmidee in Szene. Zwar schrieb er das Drehbuch zu Vanilla Sky selbst, doch sein Film ist nur ein Hollywood Remake des Films Abre Los Ojos (Open your Eyes) des Spaniers Alejandro Amenábars aus dem Jahre 1997. In der Rolle des David Aames erleben wir Tom Cruise, der den Film übrigens auch produzierte. Die Figur des jungen Lebemannes steht dem Hollywood Schönling erwartungsgemäß wie angegossen, aber er überzeugt vor allem als gebrochener und entstellter Mann. Cameron Diaz spielt Davids Gespielin Julie und trifft mit ihrer Darstellung der starken und verführerischen Frau, die aber doch sehr verletzlich und gefühlvoll ist, genau den Punkt.
Pelelope Cruz hatte es wahrscheinlich mit Abstand am leichtesten sich in ihre Figur Sofia hineinzudenken, hatte sie doch bereits in Alejandro Amenábars Werk die selbe Rolle bekleidet. Sie zaubert eine leicht naive und entzückende aber gleichzeitig bodenständige Frau auf die Leinwand und entspricht damit genau dem Typ Frau, den ein Mann wie David Aames zur Erfüllung braucht. Nicht zu vergessen natürlich Jason Lee, den die meisten wahrscheinlich aus Kevin Smiths Filmen kennen. Gewohnt souverän geht er auch in Vanilla Sky zu Werke und spielt Davids besten Freund Brian, der seinen Kumpel zwar sehr schätzt, aber nicht immer mit seinen Ansichten übereinstimmt. Wenn man im Film ein klein wenig auf seine Kleidung achtet, wird man an ihr ablesen können, wie tief David schon in den trügerischen Strudel aus Realität und Traum hineingezogen wurde.
Regisseur und Drehbuchautor Cameron Crowe schuf mit Vanilla Sky ein Film, der sowohl visuell, wie auch von der Geschichte her, gut gelungen ist. Der Streifen besticht weiterhin durch seine exzellente Musikauswahl, die Cameron Crowe wie gewohnt perfekt einzusetzen vermag. Durch die stimmige Komposition ermöglicht er dem Zuschauer eine bizarre und verworrene Reise durch die menschliche Psyche. Dabei ist das Ende und die mehr oder weniger dubiose Auflösung des Ganzen der einzige Wehmutstropfen des Films. Vanilla Sky ist sehr vielschichtiger Film voller unscheinbarer Kleinigkeiten, der seine eigentliche Intention erst nach und nach preisgibt und den Zuschauer zum Nachdenken herausfordert.