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Tulpan

(Tulpan, 2008)

Dt.Start: 03. Dezember 2009 Premiere: 23. Mai 2008 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: nicht bekannt Genre: Komödie, Drama
Länge: 100 min Land: Kasachstan, Deutschland, Schweiz
Darsteller: Askhat Kuchinchirekov (Asa), Tulepbergen Baisakalov (Boni), Samal Yeslyamova (Samal), Ondasyn Besikbasov (Ondas), Bereke Turganbayev (Beke)
Regie: Sergei Dvortsevoy
Drehbuch: Sergei Dvortsevoy, Gennady Ostrovskiy


Inhalt

Der Matrose Asa war lange Zeit auf hoher See und schmiedete dort die Pläne für seine Zukunft. Zurück in der heimatlichen Steppe Kasachstans macht er sich nun daran, diese in die Tat umzusetzen. Doch der Traum von der Hochzeit, der eigenen Herde und der Jurte mit fließendem Wasser droht zu platzen, denn das einzige heiratsfähige Mädchen weit und breit findet seine Ohren zu groß. Asa muss das Mädchen von sich überzeugen, denn ohne Hochzeit gibt es keine Herde und keine Jurte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Tulpan hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 57%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Carmen Porschen
Tulpan hat eine Wertung von 57%
Dieser Film setzt den Zuschauer mitten in der kahlen Wüste Kasachstans ab, wo der junge Asa seinen Weg finden will. Viel Auswahl gibt es da nicht, denn wer als Mann dort sein Leben bestreitet, wünscht sich in der Regel eine Frau, Kinder und eine Schafherde, die das Einkommen sichert. Asa will sogar noch mehr, nämlich eine Behausung, in der er sich selbst mit Wasser und Strom versorgen kann. Doch die einzige Frau weit und breit will ihn nicht haben. Für Asa kein Grund aufzugeben. Das Porträt eines Lebens so fern ab von unserer westlichen Zivilisation, hat durchaus faszinierende und überzeugende Bilder. Doch insgesamt kommen auch Durststrecken auf und daher schafft es Tulpan nicht als Gesamtpaket zu überzeugen.

Bild aus Tulpan Eine Steppe, die sich in alle Himmelsrichtungen erstreckt, eine Herde Schafe und einige Nomaden in Ihren windgeschützten, aber einfachen Behausungen. Nicht gerade eine häufige Kulisse für einen abendfüllenden Kinofilm. Was den Zuschauer hier erwartet ist auch alles andere als konventionell oder gewöhnlich. Die Darsteller lassen sich an zwei Händen abzählen, die Dialoge sind überschaubar und die Geräuschkulisse wird zumeist von Schaf-Blöken und volkstümlichem Gesang bestimmt.

Protagonist ist der junge Asa, der nach langer Zeit als Matrose auf hoher See in die kasachische Steppe zurückkehrt. Dort lebt er nun bei seiner Schwester Samal und deren Familie. Diese ziehen als Nomaden durch die Steppe, züchten Schafe und können es sich nicht leisten Asa lange bei sich zu behalten. Da bleibt nur eins: Den ledigen jungen Mann verheiraten. Doch in der dünn besiedelten Steppe von Kasachstan gibt es lediglich ein Mädchen im heiratsfähigen Alter: Tulpan. Asa und sein Schwager machen sich auf den Weg zu ihren Eltern und versuchen mit Geschenken und Lob für Asa als gute Partie zu werben. Er selbst gibt seine abenteuerlichen Geschichten von seinem Leben als Matrose zum Besten.

Aber Tulpan hat ihren eigenen Kopf und möchte Asa nicht an ihrer Seite haben. Seine abstehenden Ohren stören sie und daher macht sie sich aus dem Staub, ohne dass Asa oder sein Schwager sie zu Gesicht bekommen. Erfolglos kehren die Zwei zurück nach Hause und Asa merkt, wie sein Traum in weite Ferne rückt. Am liebsten will er einmal eine Schafherde haben und eine Jurte mit Strom und eigenem Wassertank. Aber ohne Frau keine Familie und ohne Familie keine eigene Herde. So belässt er es erstmal dabei, seinem Schwager auszuhelfen, der aber leider immer schlechter auf Asa zu sprechen ist. Außerdem quälen ihn noch ganz andere Sorgen: Alle trächtigen Schafe seiner Herde bringen Totgeburten zur Welt, oder die Lämmer sterben bereits kurz nach der Geburt. In all den Sorgen beschließt Asa die geheimnisvolle Tulpan noch einmal aufzusuchen, um sie doch noch von seinen Qualitäten zu überzeugen.

Dieser Film ist wirklich fernab von jeglichen Hollywood-Abenteuerfilmen, eröffnet sich doch hier eine völlig eigene Welt, die mit unserer westlichen Zivilisation so wenig gemein hat. Dass Tulpan ein bisschen wie eine Dokumentation wirkt, mag daran liegen, dass Regisseur Sergey Dvortsevoy vorher ausschließlich Dokus mit 22 bis 54 Minuten Länge gedreht hat. Der Einblick in Asas Leben bietet ungewöhnliche Bilderfolgen, aber schafft es nicht völlig zu überzeugen. Wenn der kleine Sohn die Nachrichten im Radio hört und präzise auswendig lernt, um sie am Abend dem Vater 1:1 vorzutragen, damit er ebenfalls weiß was in der Welt los ist, dann hat das durchaus etwas. Aber wenn die kleine Schwester immer und immer wieder ihr volkstümliches Lied trällert, ist das nur beim ersten Mal interessant. Genauso wechseln sich faszinierende und etwas langweilig anmutende Szenen in diesem Film ab.

Grund zu schmunzeln gibt es immer mal wieder: Wenn Asas Freund in seinem Auto - dem einzigen Auto weit und breit - durch die Wüste braust, dann läuft Discomusik und im Wind flattern kleine Bildchen von nackten Frauen mit unnatürlich großen Brüsten. Wenn der Arzt zu Asas Schwager kommt, um seine Schafe zu untersuchen, läuft ihm die Mutter eines kranken Lama-Junges hinter, das er auf seine Karre gehievt hat. Aber dann wieder muss der Zuschauer die Härte der kahlen Wüste ertragen, die Stille, den Stillstand. Da wird die schwere Geburt eines Lämmchens unerbittlich gefilmt und die verzweifelten Versuche des Protagonisten, dieses Tier mit Mund-zu-Mund-Beatmung zu retten. Nichts für einen gemütlichen Popcorn-Kino-Abend, sondern eher ein sehr spezielles Porträt vom Leben in der kasachischen Wüste, in der ganz andere Dinge wichtig sind als sich das Publikum in diesen Gefilden vorstellen kann.

Letztlich geht es um Dinge, die jedem Menschen nahe liegen: Liebe finden, eine Familie gründen, seine Träume verwirklichen. Doch hier gibt es kein Internet, keine Handys, keine Hektik und kein Großstadtwirrwarr. Asa hat nur eine Möglichkeit für eine Heirat und scheitert. Seine Träume aber bleiben und aufgeben will er nicht. Fernab von Konsum und Massenmedien blickt der Zuschauer in diesem unkonventionellen Film in eine harte Welt, die durchaus unterhält aber auch viele langatmige Momente hat. Das soll möglicherweise das Tempo eines Lebens in der abgelegenen Wüste widerspiegeln, aber ist für einen Kinoabend schon sehr spezielle Kost, die einem Großteil Schwierigkeiten bereiten wird.



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