Breaking the Waves ist ein gigantisches Werk, das auf seine eigene Weise in Punkto Schonungslosigkeit auch späteren Schockern Lars von Triers wie Antichrist in nichts nachsteht. Ein tiefgreifendes, hochintelligentes Drama, mit schauspielerischen Jahrhundertleistungen, das den Zuschauer auf jedenfall beschäftigt, jedoch immer gewaltigere Ausmaße ausnimmt, je mehr man darüber nachdenkt. Provokant, realistisch, deprimierend und aufwühlend, insgesamt ein Meisterwerk, bei dem man sich zweieinhalb Stunden unwohl fühlt!
Lars von Trier begann als Werbefilmer und entwickelte sich zu einem der größten europäischen Regisseure. Viele seiner Filme sind umstritten, aber besonders Werke wie Dogville, Antichrist oder eben auch Breaking the Waves sind technisch perfekte Geniestreiche, bei denen der Däne steht's das Maximum aus seinen Schauspielern herausholte. Seine Fernsehserie Geister ist inzwischen leider in Vergessenheit geraten, doch ein Mystery-Juwel, das man sich unbedingt einmal ansehen sollte. Ganz gleich ob man Lars von Trier nun als frauenfeindlichen Psychopath, als verwirrten Christen oder eben als Regiegenie sieht, interessant sind seine Filme auf jeden Fall.
Breaking the Waves ist einer dieser Filme, die man nie wieder vergisst. Ein ergreifendes Drama, mit auffälligen melodramatischen Grundzügen. Erzählt wird eine an sich einfache Geschichte, die eine Eigendynamik entwickelt, die den Zuschauer mit sich reißt und nicht mehr los lässt. Der ganze Film ist durchzogen von einem ständigen Unbehagen, permanent spürt man ein latentes Unwohlsein, eine Faust im Magen die mindestens zweieinhalb Stunden bleibt und auch nach dem Abspann ein flaues Gefühl hinterlässt.
Gedreht ist der Film ausschließlich mit der Handkamera. Die wackeligen, körnigen Bilder geben dem Film eine raue Intensität. Keine schönen, bis ins letzte digital nachbearbeiteten Kinobilder, sondern eben dieser optische Dogma 95-Stil wirken authentisch und lebendig. Schnitte sind Mittel zum Zweck und kaum Stilmittel, die Geschichte steht im Mittelpunkt. Dialoge werden zum größten Teil nicht wie sonst meist üblich mit Schuss-Gegenschuss Schnittfolgen, sondern mit unruhigen Kameraschwenks gefilmt. Dies sorgt für Leben und Unruhe in den Bildern, doch stört diese Art der Inszenierung nie. Nackte Schauspielerleistung trägt den Film weit entfernt von pompösem Hollywoodeffektkino und Mainstreamverblendung.
Neben der interessanten Inszenierung sind es vor allem die Leistungen der Schauspieler die den Film ausmachen. Dabei sind wirklich ausnahmslos alle Darsteller vollkommen überzeugend, der damals schon routinierte Stellan Skarsgard (Good Will Hunting) spielt den Jan authentisch und bleibt in jeder Minute überzeugend, eine schier unfassbare Leistung liefert Emily Watson (Roter Drache) in ihrer, man mag es kaum glauben, ersten Filmrolle ab. Wie sie Bess zwischen kindlicher Naivität, religiösem Fanatismus, Obsession und nacktem Wahnsinn spielt ist unübertreffbar. Sie liefert hier eine der größten Schauspielerleistungen der Filmgeschichte ab und wurde dafür zurecht mehrfach ausgezeichnet und 1997 für den Oscar nominiert, den jedoch Frances McDormand für Ihre Rolle im Coen-Klassiker Fargo - Blutiger Schnee bekam.
Von Triers Film besitzt trotz, aber auch wegen seiner kargen, minimalistischen Optik eine sagenhafte Energie. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man nach zweieinhalb Stunden wirklich schwerer Kost seinen DVD-Player abschaltet und der Fernseher automatisch ins übliche Fernsehprogramm wechselt, wo einmal mehr aus dem Beziehungsalltag von zwei D-Promis berichtet wird. Die Erkenntnis, die sich in diesem Moment breit macht, ist unbezahlbar und gehört zum höchsten, was einem ein Film bieten kann.
Es ist unsinnig all zu viel über Breaking the Waves zu schreiben oder ihn an dieser Stelle interpretieren zu wollen, all die Worte werden dem Film doch nicht gerecht. Diesen Film sollte man gesehen haben, auch oder gerade weil er sich kein bisschen für einen gemütlichen Filmabend eignet und einem ewig im Gedächtnis bleiben wird.