Muskelmann auf skurrilen Abwegen, hat als Idee in der Vergangenheit immer wieder ganz gut funktioniert. Diesmal darf sich Dwayne Johnson als unfreiwillige Zahnfee der Lächerlichkeit preisgeben. Allerdings ist das Potenzial solcher Geschichten irgendwann auch mal endgültig ausgereizt und wenn dann keine wirklich neuen und originellen Ansätze gefunden wurden, geht dem Film schnell die Puste aus. Zahnfee auf Bewährung ist ein gutes Beispiel hierfür. Der Film taugt sogar kaum dazu, die lieben Kleinen ruhig zu stellen, während man selber ein schönes Nickerchen auf der Couch hält.
Arnold Schwarzenegger hat es in Der Kindergarten Cop getan, als er noch Filme drehte; Vin Diesel durfte in Der Babynator auch als Muskel-Nanny ran - warum sollte also nicht ebenfalls Dwayne "The Rock" Johnson einen Auftritt in einem Kinderklamauk-Streifen haben? Zwar durfte dieser letztjährig bereits auf zwei Teenies in Die Jagd zum Magischen Berg aufpassen, doch entpuppten die sich schlussendlich als mit Superkräften ausgestattete Aliens, also zählt das wohl nicht.
Johnson scheint aber entweder gerade gut auf Kids-Entertaintment eingestimmt gewesen zu sein oder es war keine vernünftige Rolle für einen gestählten Muskelberg in Sicht; für Stalones The Expendables war er wohl zu jung und für das geplante Conan-Remake hat er vermutlich die unpassende Frisur; bevor man dann als Schauspieler ganz darauf verzichtet, sein Gesicht oder den entblößten Body in die Kamera zu halten, nimmt man vielleicht lieber solch eine Rolle an.
Derek Thompson (Dwayne Johnson) ist ein leicht abgetakelter Eishockey-Star, der seit einer Verletzung seine Torgefährlichkeit eingebüßt hat. In der Defensive allerdings hat er sich als knochenharter Verteidiger einen (üblen) Ruf erworben. Nach seinen Aktionen greift die Zahnbürste der gegnerischen Spieler am nächsten Morgen schon mal gerne ins Leere. Dieser Umstand hat ihm den Spitznamen Zahnfee eingebracht. Eigentlich ist er aber im Herzen ein anständiger Kerl. Der rohe Sport, den er betreibt, hat schlichtweg etwas auf ihn abgefärbt. Eines Tages desillusioniert er aber in seiner poltrigen Art die kleine Tochter seiner Lebensgefährtin, als er ihr offenbart, dass die Zahnfee überhaupt nicht existiert. Bis dato war die Kleine überzeugt, dass jedes Mal, wenn ihr ein Milchzahn ausfiel und sie diesen vor dem Einschlafen unter das Kopfkissen legte, die Zahnfee während sie schlief vorbei kam, den Zahn mitnahm und ihr im Austausch einen Geldschein daließ; natürlich war es in Wirklichkeit immer ihre Mutter Carly (Ashley Judd), aber derart unsanft musste die Kleine noch nicht aus ihren kindlichen Phantasien gerissen werden.
Der Haussegen hängt jedenfalls nach dieser Aktion erstmal schief und Derek darf bei sich zu Hause allein mit dem Kopfkissen kuscheln. Es wird aber eine unruhige Nacht, denn noch eine andere Instanz ist mächtig sauer auf ihn: Die Mutter aller Zahnfeen kann sein despektierliches Verhalten nicht dulden und entführt ihn kurzerhand in die Zentrale der Zahnfeen. Dort wird er im Schnellkurs zu solch einer ausgebildet und bekommt von einer männlichen "Q-Zahnfee im Innendienst" seine Spezialausrüstung verpasst. Ganze zwei Wochen muss er jetzt selber als Zahnfee (samt Feendress und Flügeln) ran, um seine Verfehlung wieder gutzumachen - bei Versagen droht eine Verlängerung des Dienstes.
Zahnfee auf Bewährung sieht dermaßen nach Disney aus, dass man es fast nicht glauben mag, dass er es nicht ist. Alles was einen disneytypischen Kinder- und Familienfilm ausmacht, findet sich auch gleichermaßen hier: Familienwerte, Buddymovie-Motive und die Verbeugung vor der Welt der Phantasie. Eines vermisst man allerdings dann doch und zwar ein Element, das Disney nie vernachlässigt: den Humor. Ein pointenreiches Spaßfeuerwerk ist dieser Film wirklich nicht. Man wird sich beim Anblick eines Ex-Wrestlers im rosa Tütü und mit Feenflügeln zwar ein Schmunzeln nicht verkneifen können, aber der Film braucht nahezu eine Stunde, bis er etwas Fahrt aufnimmt und beginnt, ein paar echte Gags vom Stapel zu lassen. Bedenkt man, dass Regisseur Michael Lembeck bereits für die Inszenierung von Disneyfilmen verantwortlich war, versteht man eigentlich noch weniger, warum dieser Disney-look-alike-Streifen derart lahm umgesetzt wurde. Den Experten für breitentaugliches Entertainment mag man einiges nachsagen können, wie beispielsweise grenzwertigen Kitsch oder enervierendes Moralisieren, aber jedenfalls nicht, dass sie Spaßbremsen sind.
Schlecht besetzt ist Zahnfee auf Bewährung aber zumindest nicht. Neben dem überaus athletischen Johnson, der es sich selbst hier nicht verkneifen kann, das Hemd zu lüften, finden sich Ashley Judd, die für ihre Darstellung einer unter Depressionen leidenden Frau im Drama Helen zu recht Lob und Anerkennung erntete, sowie die große Dame Julie Andrews, die sich inzwischen seit über 45 Jahren im Film- und Theatergeschäft befindet. Als Mutter aller Zahnfeen sieht sie Judi Dench als weibliche "M" aus Ein Quantum Trost zum Verwechseln ähnlich - mit Sicherheit eine kleine Anspielung. Die Idee, die Zahnfeen-Zentrale als eine Art straff organisierte Geheimorganisation darzustellen, ist im Ansatz auch durchaus originell, hätte aber deutlich pointierter ausgekostet werden müssen.
Schlussendlich gibt es nebst ein paar interessanten Einfällen, wenigen gelungenen Gags und dem ansehnlichen Cast auch nicht viel Lobenswertes festzuhalten. Zahnfee auf Bewährung ist ein für den amerikanischen Gaumen optimierter Familienfilm, der hierzulande vermutlich zu mehr Gähnern als vergnüglichen Lachern animieren wird. Bleibt für Johnson zu hoffen, dass er in seinem durchaus noch frischen Alter von 37 Jahren nochmal die Chance bekommt, seine Muskeln auch in einem passenden Actionfilm einzusetzen.