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Ausnahmesituation

(Extraordinary Measures, 2010)

Dt.Start: 11. März 2010
DVD: 22. Juli 2010
Premiere: 22. Januar 2010 (USA)
FSK: o.A. Genre: Drama
Länge: 105 min Land: USA
Darsteller: Harrison Ford (Dr. Robert Stonehill), Brendan Fraser (John Crowley), Keri Russell (Aileen Crowley), Patrick Bauchau (Jurgen Axelsson), Dee Wallace (Sal), Jared Harris (Webber), Ayanna Berkshire (Wendy Temple), Lily Mariye (Dr. Waldman), Robert Blanche (Chuck), P.J. Byrne (Dr. Preston), Jeanine Jackson (Nell Madden), Meredith Droeger (Megan Crowley), G.J. Echternkamp (Niles), Diego Velazquez (Patrick Crowley), Brennan Claire (Julia), Sam Hall (John Jr.)
Regie: Tom Vaughan
Drehbuch: Robert Nelson Jacobs, Geeta Anand


Inhalt

Es ist eine Nachricht, vor der sich jeder Vater und jede Mutter fürchtet. Die zwei jüngsten Kinder von John und Aileen Crowley kommen mit einem genetischen Defekt zur Welt. Sie leiden unter der Pompeschen Krankheit, die ihre Muskulatur angreift. Vor allem John weigert sich, seinen Kindern hilflos beim Sterben zuzusehen. Er macht den exzentrischen Wissenschaftler Dr. Robert Stonehill ausfindig, der ein Heilmittel erforschen will, und schließt sich ihm an. Doch leider ist das Vorhaben nicht so einfach umzusetzen, wie zunächst angenommen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ausnahmesituation hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 47%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Ausnahmesituation hat eine Wertung von 47%
Kurz was für zwischendurch, dachte Harrison Ford möglicherweise, bevor er sich wieder in den Rummel um Indiana Jones 5 stürzt. Brendan Fraser müht sich hingegen ausnahmsweise in einer ernsten Rolle. Vermutlich ist er aber schon viel zu sehr aufs Komödiantische festgelegt, als dass es Sinn machen könnte. Alles in allem liefert die Story, die das Schicksal einer Familie mit zwei unheilbar kranken Kindern und die verzweifelte Suche nach einer Therapie in den Fokus rückt, zwar ein paar spannende Momente und interessante Einblicke, ist aber als Kinoformat eher deplaziert und auf dem deutschen Markt möglicherweise ganz falsch.

Bild aus Ausnahmesituation Zwischen seinen Auftritten als Halbtags-Archäologe mit 38er, Panamahut und Bullenpeitsche im schon fast nicht mehr für möglich gehaltenen Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels und dem tatsächlich noch zu erwartenden fünften Teil der Indy-Saga, hat der inzwischen fast 68-jährige Harrison Ford seinen Hang zu Sozialdramen entdeckt: Nach seinem Auftritt als desillusionierter Grenzwächter in Crossing Over spielt er nun in Ausnahmesituation einen kauzigen Forscher, der auf der Suche nach einer Therapie für eine unheilbare Krankheit ist, die bereits in einem sehr frühen Lebensalter auftritt.

Es ist schon sehr bitter, ein unheilbar krankes Kind zu haben, aber gleich zwei mit derselben lebensverkürzenden Symptomatik sein eigen zu nennen, ist schier unfassbar tragisch. John Crowley (Brendan Fraser) ist ein hart arbeitender Marketingexperte und liebevoller Familienvater, der mit drei wundervollen Kindern gesegnet wurde. Zwei davon haben allerdings eine seltene genetische Anomalie, Pompe'sche Krankheit genannt. Diese verhindert, dass im Körper Glykogen (eine Art Zucker) in den Muskelzellen abgebaut werden kann. Durch die dauerhafte Einlagerung von diesem, werden die Muskelzellen geschädigt und letztendlich zerstört. Die meisten Kinder erleben ihren zehnten Geburtstag nicht.

Johns Tochter hat beinahe schon das kritische Alter erreicht, sein Sohn ist etwas jünger, aber auch er wird ohne ein medizinisches Wunder nicht mehr lange zu leben haben. Durch Zufall erfährt John, dass es einen Forscher gibt, der an einer Therapie arbeitet. Telefonisch gelingt es ihm aber nicht, den etwas chaotischen Wissenschaftler zu erreichen. Kurz entschlossen springt John eines Tages aus einem Geschäftmeeting auf, nachdem seine Tochter nach einem neuerlichen Schub fast gestorben wäre, und fährt viele hundert Kilometer zu diesem unbekannten Mann. Zunächst ohne besonderes Ergebnis. Dr. Stonehill (Harrison Ford) kann John nichts offerieren. Er hat zwar eine Theorie, aber noch lange keine Therapie. Was vor allem fehlt ist Geld. Viel Geld für eine unabhängige Forschung. Womöglich ein Job für einen cleveren Marketingmann, der weiß, wie man an Sponsoren und Investoren gelangt.

Bewegend könnte man die Geschichte nennen, die sich selbst das Etikett "inspiriert von einer wahren Begebenheit" verleiht - oder sie schlicht als amerikanisch-typischen gefühlsdusseligen Familienkitsch bezeichnen. Unzweifelhaft ist allerdings, dass diese Erkrankung, die auch als Morbus Pompe bezeichnet wird und zu den sogenannten Myopathien zählt, einen verheerenden Verlauf nimmt: Es handelt sich um eine seltene Genanomalie, die bei 40.000 Geburten statistisch nur einmal vorkommt. In Deutschland leiden schätzungsweise weniger als 100 Menschen daran; weltweit sind es vielleicht 5.000-10.000. Der wichtigste Fakt hierbei, dass bei einer Erkrankung, die nur sehr wenige betrifft, die Pharmabranche kaum zu bewegen ist, Forschungsgelder bereitzustellen. Als klar erwerbswirtschaftlich denkende Unternehmen lohnt es für diese nicht, Millionen in eine Forschung zu investieren, die nachher wegen des kleinen Absatzmarktes nie genug einbringen wird. Diese Problematik fängt der Film durchaus ein, und das ist ihm auch positiv anzurechnen.

Auf der anderen Seite ist Ausnahmesituation aber keine wirklich tiefschürfende Studie der Verflechtungen aus Gesundheitsbranche, Lobbyistengebaren und Ökonomie, sondern im Grunde ein Familienmelodram, das sich inszenatorisch auf TV-Niveau bewegt. Würde man tatsächlich die beiden prominenten Darsteller aus dem Cast entfernen, wäre der Streifen vermutlich nie als Kinoformat in Betracht gezogen worden. Die Kombination aus Fraser und Ford ist ohnehin gewöhnungsbedürftig. Den verschrobenen alten Kauz nimmt man dem inzwischen in die Jahre gekommenen Ford durchaus ab; als Wissenschaftler will er aber nicht recht Form annehmen. Gut, Indy ist als Archäologe zwar auch Wissenschaftler, aber was für einer?! Noch schwieriger wird es allerdings bei Fraser: Ihn in einer ernsten Rolle für voll zu nehmen, das überstrapaziert etwas die Vorstellungskraft. Er ist halt der Typ, bei dem man innerlich schon grinst - in Erwartung dessen, was kommen wird - sobald er in Szene tritt. In solch einem ernstgedachten Melodram wirkt er dank dieser Ausstrahlung einfach deplaziert.

Insgesamt handelt es sich bei Ausnahmesituation um eine brauchbare Story, die den jahrlangen Kampf eines Familienvaters nachzeichnet, der die Hoffnung auf eine Therapie für seine Kinder nicht aufgeben will. Harrison Ford leiert routiniert seine Rolle herunter; besonders viel verlangte, die recht seichte Umsetzung dieses eigentlich bitteren Themas ihm aber nicht gerade ab. Ohne viel Ecken und Kanten lässt sich die Geschichte eher mainstreamig einordnen und dürfte in Übersee den Nerv der Zuschauer deutlich mehr treffen, als hierzulande. Das Thema an sich wäre zwar einer eingehenden filmischen Betrachtung durchaus würdig, besser aber in einer gut durchdachten Wissenschafts-Dokumentation im Stile von Auf der Suche nach dem Gedächtnis.



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