Nach dem großen, grünen Oger aus Shrek - Der tollkühne Held und dem dicken, ungeschickten Kung Fu Panda Po schickt DreamWorks nun den kleinen, zierlichen Wikingerjungen Hicks in ein aufregendes Abenteuer. Klein aber oho kann man da nur sagen, denn ausgerechnet er entdeckt, dass die Dauerfeindschaft mit den Drachen auf falschen Überzeugungen aufgebaut ist. Mit viel Herz versucht die sympathische Hauptfigur etwas zu ändern und gibt Grund zum Lachen und Mitfiebern. In 3D-Technik überzeugen vor allem die Flüge auf den Drachen durch die animierte Welt der Wikinger. Ein rundum gelungenes Abenteuer für Groß und gleichermaßen für Klein.
Auf der abgelegenen Felseninsel Berk leben starke und mutige Wikinger mit so viel sagenden Namen wie "Hau drauf" und "Grobian". Immer wieder müssen sie ihre Siedlung gegen Drachenangriffe schützen. Die fliegenden Feuerspeier rauben Tiere und setzen Behausungen in Schutt und Asche. Auch Hicks, der Sohn des Wikinger-Oberhauptes, will gegen die fiesen Drachen kämpfen, doch leider ist er alles andere als ein schlagkräftiger Nachwuchsanführer. Der kleine, schmächtige Hicks eignet sich mehr für Fingerfertigkeiten und ist daher beim Schmied in der Lehre. Bei einem neuerlichen Angriff der fliegenden Kreaturen versucht er einen der gefürchteten und noch nie gesehenen "Nachtschatten" mit einem selbst gebauten Hilfsgerät zu fangen. Er scheint Erfolg zu haben, doch niemand bekommt etwas davon mit. Stattdessen gerät er erneut in Gefahr und muss vom Vater gerettet werden.
Doch Hicks ist sich sicher den geheimnisumwobenen Drachen erwischt zu haben und macht sich auf die Suche nach ihm. Als er ihn mitten im Wald findet, bringt er es nicht übers Herz, ihn zu töten. Stattdessen befreit er den schwarzen Drachen und stellt bald fest, dass er verletzt ist und nicht mehr fliegen kann. Langsam erkennt Hicks, dass die Wikinger die Drachen völlig falsch eingeschätzt haben. Wer ihnen respektvoll begegnet hat nichts zu befürchten - keine Spur von brutalen und blutrünstigen Bestien. Der Nachtschatten und Hicks fassen langsam Vertrauen zueinander und mit seinem Erfindungsreichtum verhilft der gutherzige Junge seinem neuen Freund sogar dazu, wieder zu fliegen.
Gleichzeitig will Hau drauf seinem Sohn die Möglichkeit geben, ein echter Drachenkämpfer zu werden. Gemäß seinem anfänglichen Wunsch, schickt er ihn zur Kampfausbildung zusammen mit anderen Gleichaltrigen. Dort können die jüngsten Wikinger an eingefangenen Drachenexemplaren ihre Fertigkeiten trainieren. Zunächst stellt sich Hicks ziemlich ungeschickt dabei an, doch durch den Umgang mit seinem "eigenen" Drachen, erlernt er viele Tricks, mit denen er auch seine schuppigen Angreifer besänftigen kann. Auf diese Weise steigt er langsam zum besten Nachwuchs-Drachenkämpfer auf und erlangt endlich die gewünschte Anerkennung seines Vaters. Doch die Abschlussprüfung besteht darin, einen ausgewachsenen Drachen zu töten - und das vor den Augen des versammelten Wikingerdorfes.
DreamWorks hat sein neustes Animationsabenteuer fertig gestellt und geht nach Erfolgen wie Shrek - Der tollkühne Held und Kung Fu Panda nun mit Drachenzähmen leicht gemacht an den Start. Den Zuschauer verschlägt es dabei in die felsige Heimat der Wikinger, die gleich gegen eine bunte Artenvielfalt von Drachengeschöpfen ankämpfen müssen. Mittendrin ein Antiheld: Sympathisch und niedlich, ja, aber ein Sonderling, ein Außenseiter, der die Hoffnungen seines starken Vaters (ein Wikinger wie er im Buche steht) nicht erfüllen kann. Dabei ist gerade der unterschätzte Hicks es, der Veränderungen bringt und verstaubte Ansichten in ein neues Licht rückt. Immer wieder wird im Filmverlauf die Frage gestellt, warum er ist, wie er ist. Darauf gibt es schließlich eine Antwort, denn er ist der Grundstein für einen Neuanfang, denn als Außenseiter hat er einen anderen Blick auf das Leben mit den Drachen und das verändert letztlich sein ganzes Völkchen. Damit beweist Hicks doch die Führungsqualitäten, die ihm eigentlich keiner zugetraut hat.
Auch über die Entwicklung der Hauptfigur hinaus, haben die Macher Chris Sanders und Dean DeBlois eine für solche familienkompatible Geschichten typische Portion Moral in das Abenteuer gepackt. Aus Feindschaft wird Frieden und Dinge, die nur so sind, weil sie schon immer so waren, werden hinterfragt und geändert. Teamwork ist das Zauberwort, denn gemeinsam erreichen Hicks und der Nachtschatten viel mehr als allein - es gilt nur das lang gepflegte Misstrauen zu überwinden. Eine solche Weisheit ins wahre Leben zu übertragen und damit Rassismus, Fremdenhass, Krieg und ethnische Unterschiede einfach wegzuwischen, wäre äußerst wünschenswert.
Das Einzige, was es an dem rasanten Abenteuer, das mit viel Detailtreue und Phantasie umgesetzt wurde, zu bemängeln gibt, ist höchstens, dass sich gegen Ende viele Dinge auf einmal in Wohlgefallen auflösen. Das woran Hicks lange gefeilt hat, geht den anderen Figuren plötzlich leicht von der Hand und auch tiefer Zwist wandelt sich in Anerkennung und Stolz um. Für Kinder ist es zwar schön die Erfolge mit anzusehen, aber für den erwachsenen Zuschauer wird gerade in diesen Sequenzen deutlich, dass es sich (leider) nur um einen Animationsfilm handelt, und nicht um die Wirklichkeit. Außerdem muss man den Machern (oder besser der Buchautorin Cressida Cowell, die mit ihren Werken die Vorlage lieferte) zu Gute halten, dass sie auch eine sehr untypische Komponente in das Ende der Geschichte mit einfließen ließen.
Mit Drachenzähmen leicht gemacht erlebt man einen humorvollen, spannenden und interessanten Film, der vor allem in 3D-Technik einen gewissen Zauber ausübt. Die rasanten Flugszenen durch Wolken, knapp übers Wasser und geschickt an scharfen Felsen vorbei sind ein echtes Highlight. Da Hicks und sein Drache vor allem über Mimik und Gestik kommunizieren müssen, wurde viel Wert auf Gesichtsausdrücke gelegt. Trotz der vereinfachten Darstellung der menschlichen Figuren ist ihre Mimik stets ein Hinweis auf ihr Denken und ihre Gefühle - ein wichtige Komponente, um Mitgefühl beim Zuschauer zu erzeugen. Insgesamt erscheint der neue DreamWorks-Streifen wie eine bunte Mischung aus der Fernsehserie Wickie und die Starken Männer und Avatar - Aufbruch nach Pandora - vor allem wenn die Flug- und Drachenszenen gezeigt werden. Den Machern ist ein tolles Abenteuer gelungen: Lustig und verständlich für die Kleinen, mit genügend Tiefe und Potential für die Großen.