Mulholland Drive - Straße der Finsternis Poster

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Mulholland Drive - Straße der Finsternis

(Mulholland Drive, 2001)

Durchschnittliche Redaktionswertung

92%



Inhalt

Nach einem Autounfall auf dem Mulholland Drive taumelt die einzige Überlebende, eine benommene Schwarzhaarige durch Los Angeles und findet schließlich Unterschlupf in einem kurzzeitig unbewohnten Appartment, in das bereits am nächsten Tag die herzensgute Betty, eine junge Frau die in Hollywood Kariere als Schauspielerin machen möchte, einzieht. Gemeinsam versuchen sie die Identität der gehemnissvollen Schwarzhaarigen, die sich seit ihrem Unfall an nichts mehr erinnern kann, herauszufinden.

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Mulholland Drive - Straße der Finsternis

Kritik

von Johnny Wishbone

Wertung Kritik

92%

Wenn man ins Kino geht um einen Film von David Lynch zu sehen, wird man unweigerlich in ein anderes Universum katapultiert, in eine bizarre und skurile Welt die in Lynchs Gedanken irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Horror und Erotik, zwischen Gesellschaftskritik und Absurditäten entsteht und die in regelmäßigen Abtänden auf eine Leinwand projiziert wird. Bei David Lynch bekommt man meist Filme präsentiert, die es nicht einfach nur zu konsumieren gilt, sondern die man interpretieren und deuten muß, Filme die vielmehr ein Gefühl oder einen Zustand, als eine wirkliche Geschichte beinhalten. Selbst wenn man sich noch so gut auf den nächsten Lynch vorbereitet fühlt, kann man nicht abschätzen was einen als Zuschauer erwartet, wenn man erneut in die Phanatsie des derzeit wohl ungewöhnlichsten Regisseurs eintaucht.

David Lynchs Filme verlangen dem Zuschauer mehr ab als sie gewohnt sind zu geben, mehr als die meisten gewillt sind zu geben, ja ich gehe sogar so weit zu sagen mehr als einige Zuschauer überhaupt in der Lage sind zu geben. Dessen durfte ich vor fünf Wochen wieder einmal Zeuge werden, als Lynchs neues Meisterwerk Mulholland Drive - Straße der Finsternis im Rahmen einer Sneak-Preview gezeigt wurde. Ein Großteil der ignoranten Zuschauer war bereits von der ersten Minute an total überfordet mit dem Film, was mich gar nicht mal so gestört hätte, wären sie nur einfach aus dem Saal gegangen, anstatt mit unpassenden Zwischenrufen und pubertären Lachern dem Rest des Publikums eine unglaubliche Filmerfahrung zu rauben. Für mich und meine Freunde blieb nur die Flucht und der Vorsatz solche Vorführungen in Zukunft zu meiden, doch hatte dieser Abend auch sein gutes. Schließlich durften wir uns wieder einmal davon überzeugen, daß David Lynch nun mal keine Filme für Masse dreht und keinerlei Kompromisse eingeht, aus Angst irgendeinen Zuschauer vor dem Kopf zu stoßen. Nein, David Lynch zieht stets sein Ding durch und gibt einen Scheiß darauf, was andere von seinen Filme halten. Nicht zuletzt diese Haltung macht ihn für mich zu einem der besten Regisseure unserer Zeit und seine Filme so unglaublich sehenswert.

Nun aber zu Mulholland Drive - Straße der Finsternis, den ich mittlerweile endlich gesehen habe und den ich nur wärmstens empfehlen kann. In seinem neuen Werk kombinierte David Lynch so gut wie alle Elemente die wir über die Jahre an seinen Filmen zu schätzen gelernt haben und formte sie zu einer außergewöhnlichen und faszinierenden Mischung, die den Zuschauer, sofern er denn dazu bereit ist, in ihren Bann zieht und auf jede erdenkliche Weise unterhält und herausfordert. Nie gelang es Lynch besser, eine düstere und geheimnissvolle Atmosphäre zu kreieren, durch die selbst die gewöhnlichsten und alltäglichsten Dinge eine beunruhigende Bedrohlichkeit ausstrahlen. Wenn Lynch seine Protagonisten durch dunkle Gänge schleichen läßt und sie zum unheimlichen Score von Angelo Badalamenti (der diesmal übrigens einen kleinen Gastauftritt hat) auf die Suche nach Erklärungen und Antworten schickt, wird der Zuschauer recht schnell aus seiner beobachtenden Position herausgerissen und in das Geschehen hineingesaugt. Dieser Wirkung kann man sich während des Films nur schwerlich entziehen und wäre Grund genug David Lynch nach seiner Auszeichnung mit der goldenen Palme auf den Fimfestspielen in Cannes und den zahlreichen anderen Filmkritiker-Preisen auch bei der diesjährigen Oscarverleihung in der Kategorie "Beste Regie" zu berücksichtigen.

Doch Mystik, Spannung und Grusel ist nicht alles was Mulholland Drive - Straße der Finsternis zu bieten hat, denn was wäre ein Lynch-Film ohne skurile Nebenfiguren, bedeutungsschwangere wenngleich auf den ersten Blick vollkommen absurde Dialoge und zahlreiche interpretationswürdige Symbolismen. Diesmal präsentiert uns Lynch unteranderem einen geheimnisvollen futuristischen Schlüssel, einen angewiderten Espressotrinker, einen eingeschüchterten Fast-Food Gast, ein grinsendes älteres Ehepaar und ein geheimes Treffen mit dem Cowboy. Vor allem letzteres ist eines der irrwitzigen Highlights des Films, der ohnehin nicht davor zurückschreckt auch die Lachmuskeln des Publikums ein wenig zu strapazieren. Wie gewohnt spielen die meisten dieser Skurilitäten eine mehr oder minder tragende Rolle und leisten im Verlauf des Films ihren Beitrag zur Komplexität der Handlung. Interessanterweise bleibt die Existenz dieser bizarren Figuren und Ereignisse in diesem Film nicht bis zum Schluß ein undruchsichtiges Rätsel, sondern findet am Ende ihre Erklärung, wenngleich deren Bedeutungen dann natürlich noch erörtert werden muß, was wieder einmal Aufagbe des Zuschauers bleibt.

Ein besonderes Lob verdient auch Hauptdarstellerin Naomi Watts, die es schafft ihrer Figur im Verlauf des Films mehr als nur einmal eine neue Facette hinzuzufügen und sie so ein aufs andere mal komplexer und vielschichtiger werden zu lassen. Watts verkörpert in Mulholland Drive - Straße der Finsternis prinzipiell immer die gleiche Person, deren Charakterisierung sich jedoch während des Films verändert und dies zwar stets nur ganz leicht aber dennoch entscheidend. Watts gelingt es jedesmal perfekt, diese Veränderung sehr subtil aber merklich und daher schlichtweg überzeugend darzustellen. Einige der Szenen wie beispielsweise Bettys erstes Vorsprechen sind dank Watts schauspielerischem Talent einfach atemberaubend und lassen einen nur hoffen, daß die Leistungen dieser Frau nicht völlig untergehen und irgendwann auch entsprechend gewürdigt werden.

Das Mulholland Drive - Straße der Finsternis ursprünglich als Pilotfilm einer neuen TV-Serie konzipiert war, den der US-Sender ABC kurz vor seiner Fertigstellung schließlich ablehnte, weil er den Verantwortlichen als zu düster und zu verwirrend erschien und der danach um etwa 20 Minuten und damit auch um die Auflösung der Geschichte erweitert und zu einem geschlossenen Kinofilm umgeschnitten wurde, erkennt man aufgrund der langen Exposition und den vielen verschiedenen Figuren schon ein wenig, was jedoch zu keinem Zeitpunkt negativ auffällt oder gar störend wirkt. Im Nachhinein bin sogar ganz froh darum, daß es dieser Film ins Kino geschafft hat, denn nur dort können die düstere Atmosphäre und der unheimliche Score ihre Wirkung richtig entfalten. Außerdem wäre die Serie sowieso nur andauernd mit Lynchs Geniestreich Twin Peaks verglichen worden, ein Vergleich dem die neue Serie wahrscheinlich nie und nimmer Stand gehalten hätte.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, daß ich in dieser Kritik mit voller Absicht kein Wort über den Inhalt von Mulholland Drive - Straße der Finsternis verloren habe. Dies ist nämlich so gut wie gar nicht möglich, ohne ihn im gleichen Atemzug zu interpretieren und zu deuten, was nun mal eines der interessantesten und auch spaßigsten Elemente eines David Lynch Films ist. Was hätte es also für einen Wert, sich die (womögliche) Bedeutung des Films von jemandem anderen vorkauen zu lassen, wenn es doch umso interessanter ist, sich seine eigenen Gedanken zu machen, seine eigenen Assoziationen zu knüpfen und sich selbst einen Reim auf die Handlung zu machen. Außerdem bin ich der Meinung, daß man Mulholland Drive - Straße der Finsternis aus ganz verschiedenen Sichtweisen betrachten kann, denn er funktioniert sowohl als Gruselthriller, wie auch als ungewöhnlicher Liebesfilm, als durchgeknallte Konödie oder als bissige Hollywood-Satire. Was der Zuschauer in diesem Film sieht, liegt zu einem nicht unwesentlichen Teil an ihm selbst und gerade das macht Mulholland Drive - Straße der Finsternis so faszinierend.

Keine weitere Wertung


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