Gewaltiges, bewegendes Historienepos, das sich gänzlich unbemerkt herangeschlichen hat. Das absolut großartige Drama erzählt hauptsächlich die Biographie der Hypatia von Alexandria und wirft nicht wenige Fragen zum Thema Wissenschaft gegen Religion auf. Oscar-reife Leistungen rundum, und definitiv ein ganz großer Film für einen kulturell wertvollen Kinoabend.
Der Stadtname Alexandria gebietet allein bei seiner Erwähnung bereits Ehrfurcht. Selbst wer von Geschichte keine Ahnung hat, ahnt, dass diese Stadt viel erlebt hat in den vielen Jahrhunderten ihrer Existenz. Alexandria ist neben Athen und Rom einer der Inbegriffe für die Hochkultur der Antike in Europa, und nicht selten beginnt ein gewisser Stolz in einem zu schwingen, selbst in diesem Kulturkreis geboren zu sein. Über Alexandria lässt sich viel erzählen, und so verdienen Filme, die in Alexandria spielen, grundsätzlich Beachtung, denn hier hat jemand etwas zu sagen. Agora - Die Säulen des Himmels konzentriert sich auf die Biographie der Wissenschaftlerin und Philosophentochter Hypatia, die damals wie heute als wegweisende Wissenschaftlerin anerkannt ist.
Wir schreiben das Jahr 391. Hypatia lehrt die Mathematik und Astronomie, ihre Zöglinge, allesamt aus bestem Hause, lieben ihre Lehrerin und Mentorin und sind beeindruckt von ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten. Doch außerhalb des Mikrokosmos der Schule leben hauptsächlich ungebildete, leichtgläubige und beeinflussbare Menschen. Ein kleiner Konflikt in Glaubensfragen auf dem Marktplatz - es geht um den einzig wahren Gott des noch sehr jungen Christentums gegen die alten Götter der Antike - schaukelt sich in wenigen Tagen zu einem massiven Bürgerkrieg auf. Nicht nur kämpfen Christen gegen die Andersgläubigen, auch werden vermeintliche Allgemeingültigkeiten, wie zum Beispiel, dass Männer nichts von Frauen lernen könnten, wieder aufgekocht und ausgenutzt.
Blinder Traditionalismus ist seit jeher Erzfeind jeglicher Innovation, bekanntermaßen stehen noch heute gesellschaftliche oder religiöse Normen einer effizienten Weiterentwicklung der Menschheit im Wege. So kommt es, wie es kommen muss, und ebendiese epische Geschichte wurde gekonnt verfilmt.
Mit einer Bildgewalt wie zuletzt Gladiator zeichnet die Spanisch-Maltesische Koproduktion die Geschichte der Hypatia und der Christenaufstände im antiken Alexandria auf die Leinwand. Der Film überrascht mit wirklich gewaltigen Sets und einer fulminanten Ausstattung, einer neben Rachel Weisz nahezu unbekannten, aber nicht weniger großartigen Besetzung und einer Lektion Allgemeinbildung, die man unbedingt erfahren haben sollte.
Wer unvorbereitet in Agora - Die Säulen des Himmels geht, wird von diesem schwergewichtigen Historienepos dennoch nicht erschlagen, denn Regisseur Alejandro Amenábar schafft es, den Film so zu inszenieren, dass er für alle verständlich, für Informierte aber nicht langweilig ist. Zu empfehlen ist der Film, über dessen genauen Handlungsverlauf nicht allzuviel verraten werden kann, ohne das Filmvergnügen empfindlich zu schmälern, für jung und alt, Familien mit nicht mehr ganz kleinen Kindern. Und wer sich gerne wissenschaftliche Diskussionen mit konservativen Gläubigen (bis hin zu Kreationisten) liefert, findet hier den geeigneten Ausgangspunkt für wahrlich tiefschürfende glaubensphilosophische Betrachtungen.