Alleine Tom Hardys furioses und total durchgeknalltes Spiel in der englischen Originalfassung ist es schon wert, sich die Geschichte um Englands wohl bekanntesten Inhaftierten zu Gemüte zu führen. Aber auch die kreative und surreale Inszenierung lässt sich nicht in eine Schublade stecken, so dass sich Bronson als ein extrem ungewöhnlicher aber durchaus sehenswerter Film erweist.
Mit Bleeder und seiner Pusher Trilogy konnte sich der dänische Regisseur Nicholas Winding Refn nicht nur in Dänemark einen gewissen Namen machen. Seine Filme waren sowohl dreckig, als auch optisch gut in Szene gesetzt. Daher kommt es nicht überraschend, dass er sich bei seinem ersten englischsprachigen Projekt ebenfalls wieder mit einem Genrefilm beweisen darf.
Michael Gordon Peterson zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Vereinigten Königreich. Doch der Grund weshalb er so bekannt ist, ist alles andere als schmeichelhaft, denn Peterson, der sich selbst in Charles Bronson umbenannt hat, ist Insasse in einem Gefängnis. Seinen zweifelhaften Ruhm hat er vor allem dadurch erhalten, dass er, obwohl er im Jahre 1974 für einen kleinen Überfall nur mit 7 Jahren Gefängnis bestraft wurde, aufgrund diverser Taten noch immer einsitzt und sich damit den Titel Britains most Violent Prisoner verdiente.
Verfilmte Biografien haben oftmals das Problem, dass sie zu viel aus dem Leben eines Menschen in zu wenig Zeit zeigen wollen. Nicolas Wending Refn geht jedoch ganz andere Wege und pickt sich immer wieder kleine Ausschnitte aus dem Leben des wohl bekanntesten Häftlings Großbritanniens heraus. Zwar erfährt man dadurch nicht sonderlich viel über das Leben dieser Figur, kann sich jedoch ein umso größeres Bild um das Seelenleben Charles Bronsons machen.
Einen Film über einen gefährlichen Insassen würde man im Normalfall sicherlich düster und dreckig in Szene setzen. Auch hier inszeniert Refn total gegen den Strich und schuf eine surreale Umgebung, die teilweise wie ein grotesker Mix aus Uhrwerk Orange und Gondrys Science of Sleep - Anleitung zum Träumen wirkt. Bunte, kreative Bilder treffen auf eine mitten in die Fresse-Einstellung und damit untermalt der Regisseur wunderbar seinen Hauptcharakter des Filmes, den man wohl ebenfalls mit diesen Worten beschreiben könnte.
Dass der Film jedoch so hervorragend funktioniert, liegt ganz alleine an einem Mann und zwar Tom Hardy. Der bislang recht unbekannte Darsteller liefert hier in der englischen Originalversion eine abgefahrene One-Man-Show als Enfant Terrible ab, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Selten war die Formulierung sich die Seele aus dem Leib spielen treffender als in diesem Falle. Schade, dass der Film bislang nicht die verdiente Aufmerksamkeit in den US bekam; eine Oscarnominierung, wenn nicht gar dessen Gewinn wären nahezu unausweichlich.
Zugegeben, Bronson ist schon ein extrem sprunghafter Film und man erfährt wenig über das Leben des Hauptcharakers, jedoch geht Refns Werk dafür eine ganze Spur tiefer und zeigt das Seelenleben eines nicht verstandenen Menschen, der so zwangsläufig zu dem geworden ist, was er nun ist: Englands berühmtester Gefangener, der sich zudem selbst sehr begeistert über dieses Werk zeigte.