Regisseur Harold Becker, der uns mit seinen Filmen Sea of Love oder City Hall schon viel Freunde bereitet hat, versuchte mit seinem neuesten Projekt Tödliches Vertrauen erneut einen intelligenten und spannenden Thriller auf die Leinwand zu zaubern. Leider gelang ihm dies eher schlecht als recht, da das zu Grunde liegende Drehbuch einfach zu durchschaubar war und die Inszenierung wenig begeistern konnte. Den Schauspielern kann man eigentlich nur bedingt einen Vorwurf machen, sie machten ihre Arbeit durchweg eigentlich ganz ordentlich.
In der Hauptrolle erleben wir John Travolta als gutherzigen Bootsbauer Frank Morrison, dessen Ehe mit der Dorfschönheit Susan gescheitert ist. Trotzdem kommen die beiden noch gut miteinander klar, was ihnen vor allem der gemeinsame Sohn Danny dankt. Frank und Danny haben ein besonderes Verhältnis, das vor allem durch den neuen Freund von Susan noch mehr zusammengeschweißt wird. Rick Barnes ist erst seit kurzem in der kleinen verschlafenen Küstenstadt, doch er hat sich dank seines beträchtlichen Vermögens schnell einen Namen gemacht und, wie bereits erwähnt, die hübsche Susan erobert. Bei der Hochzeit zwischen Rick und Susan taucht auf einmal eine seltsame Gestallt auf und Frank beginnt sich über Ricks undurchsichtige Vergangenheit Gedanken zu machen. Nachdem Danny beobachtet hat, wie Rick einen brutalen Mord beging, stößt er bei der Polizei auf taube Ohren, nur sein Vater Frank glaubt dem verängstigten Jungen.
Das Hauptproblem des Films ist das zu simpel gestrickte Drehbuch, das außer dem sofort erkennbaren Duell Vater gegen Stiefvater kaum etwas zu bieten hat. Der Film verläuft weitestgehend so, wie man nach den ersten paar Minuten vermutet und läßt intelligente Wendungen und Finten missen. Weiterhin wirkt die ganze Story im nachhinein etwas arg zurechtgebogen und hinkonstruiert. Auch der teilweise unlogische und unglaubwürdige Handlungsverlauf in den entscheidenden Szenen kommt der Story und dem Film nicht wirklich zu gute.
Mit seiner Regie ließ sich Harold Becker ganz gemütlich auf das Niveau des Drehbuchs herab und strengte sich dementsprechend kaum an. Seine Inszenierung ist zwar sehr solide, aber gleichzeitig zu 0815, um wirklich zu überzeugen. Manche seiner Kamerafahren sind einfach schon zu alt und zu oft verwendet worden, um wirkliches Thriller Feeling aufkommen zu lassen. Beispielsweise stand Danny eines Abends zähneputzend vor der Spiegel, beugte sich kurz herab und plötzlich steht da sein böser Stiefvater hinter ihm. Solche Einstellung sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß und jagen niemanden mehr einen Schrecken ein.
John Travolta gefiel in seiner Rolle als herzensguter Ex-Mann, mit dem blendenden Verhältnis zu seinem Sohn, musste sich aber zugegebenermaßen auch nicht besonders anstrengen, um der relativ einfach gestrickten Figur Leben einzuhauchen. Genauso verhielt es sich mit Teri Polo (Susan) und Matt O'Leary (Danny), die ihren Job ebenfalls gut verrichteten. Einzig Vince Vaugh hätte ab und zu seine "ich bin der Böse" Maske fallen lassen müssen, um nicht ganz so eintönig zu wirken. Alles in allem entstand mit Tödliches Vertrauen ein unterdurchschnittlicher Thriller, der zu plump und undurchdacht daherkommt. Ohne Spannung und ohne cineastische Leckerbissen ausgestattet, wird der Film wohl nur bei den wenigsten Anklang finden.