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Engel mit schmutzigen Flügeln

(Engel mit schmutzigen Flügeln, 2009)

Dt.Start: 04. März 2010 Premiere: 10. Oktober 2009 (Festival, Spanien)
FSK: ab 18 Genre: Drama
Länge: 89 min Land: Deutschland
Darsteller: Antje Mönning (Lucy), Marina Anna Eich (Gabriela), Mira Gittner (Michaela), Martin Kagerer (Mann), Maren Scholz (Prostitutierte)
Regie: Roland Reber
Drehbuch: Roland Reber


Inhalt

Michaela und Gabriela sind als Engel auf Motorrädern unterwegs. Dabei verkörpern sie nicht gerade das, was man sich allgemein unter "Engeln" vorstellt. Sie geben sich dem Laster hin und tun alles, worauf sie gerade Lust haben. Da passt Lucy, die gerade mit ihrer Sexualität sehr freizügig umgeht, äußerst gut in die Gruppe. Doch noch muss sie ein paar Aufnahmeprüfungen bestehen, bevor sie ein vollwertiges Mitglied der Engel werden kann.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Engel mit schmutzigen Flügeln hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Julian Reischl
Engel mit schmutzigen Flügeln hat eine Wertung von 75%
Das saftige Drama um Konsequenz im eigenen Leben bietet neben einer Menge nackter Haut auch genug Stoff zum Grübeln, Nachdenken, Diskutieren. Technisch auf sehr unaufwendigem Niveau und ohne großen Schnickschnack umgesetzt, punktet dieser Film durch Tiefgang, Mut aller Beteiligten und seinen mustergültigen Score.

Bild aus Engel mit schmutzigen Flügeln Zwei Engel genießen das Leben auf Erden, denn seit die Gebote übergeben wurden, sind sie quasi überflüssig. Daher verbringen sie ihre Zeit mit dem, was ihnen eben Spaß macht. Bereits das Konzept des Spaßhabens ist ein Schlag in die Magengrube einer materiell orientierten Gesellschaft, doch finden die Engel dennoch Anhang. Es ist Lucy, die sich, getrieben von einem Gefühl der Rastlosigkeit, den Engeln anschließt. Lucy befindet sich auf der Sinnsuche in ihrem Leben, ohne sich selbst dessen gewahr zu sein. Die Engel beschließen, ihr dabei zu helfen, und ihr mit leichtem Druck zu einem abgerundeten, ganzheitlichen Ich zu verhelfen.

Schnell ist klar, dass Lucy eine sexuell sehr aktive Frau ohne viel hindernde Moralvorstellungen, eine Vollblutschlampe, ist. Sie holt sich, was sie haben will, ohne jegliche Rücksicht auf die Gefühle ihrer Opfer, und ohne Blick auf die Schneise der Verwüstung, die sie mit ihrer Lust in der Beziehungslandschaft ihrer Umgebung hinterlässt und ohne Hemmungen bei der Wahl der Mittel, die ihr zweckdienlich sind. Das geht so nicht.

Doch anstatt Lucys Schlampentum einzudämmen, wie es jeder moralische Mensch vom keuschen besten Freund über jeden Psychologen bis zum Papst versuchen würde, ist die Flucht nach vorn das Mittel der Wahl der Engel. Wenn Lucy schon eine Schlampe ist, dann aber auch eine richtige, gnadenlos Männerfressende, eine Sirene, eine Lorelei, eine Skylla. Zum Teufel mit den restlichen Moralvorstellungen! Was dem Normalsterblichen an Lucys Verhalten bereits verwerflich vorkommt, ist für die Engel nur die halbe Miete. Aber auch für Lucy. Doch nur, wer seinen Weg konsequent bis zum Ende geht, ist auch für höchste Engelsweihen bereit.

Der jüngste Film von Roland Reber, der mit seiner Produktionsfirma wtp und nicht wenigen eigenen Engeln stets dreht, wonach ihm der Sinn steht, und das ausnahmslos ohne jegliche Filmförderung aus Steuermitteln. Aus dieser absoluten Freiheit ergibt sich jedoch auch die Notwendigkeit, mit stark reduziertem Budget arbeiten zu müssen. Den Reber-Filmen ist dies zwar trotz allen Aufwands deutlich anzusehen, doch macht das nichts, denn Reber dreht keine Filme, er filmt Theater.

Wer sich mit der eigenwilligen Optik (kaum bewegte Kamera) von Engel mit schmutzigen Flügeln anfreunden kann, wird ein tiefschürfendes Werk entdecken, das den Zuschauer an die Grenzen seiner moralischen Grundeinstellungen führt. Es muss nicht zwingend um Sex und Liebe gehen im eigenen Fall, denn im Film geht es ausschließlich um Konsequenz.

Denn nur, wer sein Wesen erkennt bzw. definiert und dieses auch bis in die letzte Ecke ausfüllt, kann ein volles Leben führen, alle Kompromisse und Halbwahrheiten dazwischen führen zu nichts. Die Engel haben dies schon vor langer Zeit erkannt, doch Menschen wie Lucy sind verloren, wenn sie sich nicht zu ihrem wahren Ich bekennen. Die im Film stellvertretend für alle möglichen menschlichen Wesenszüge gewählte Sexualität war ein schlauer Schachzug, spielt diese doch eine nicht gerade kleine Rolle in sämtlichen Charakteren aller Menschen. Sei es durch übermäßig viel davon oder auch übertriebene Keuschheit, jeder hat sein Scherflein in Sachen Liebe und Sex zu tragen. Doch ist die Aussage ebenso für fanatische Modelleisenbahnbauer anwendbar wie für Extrembergsteiger.

Die Hauptrollen der Engel Michaela und Gabriela werden gespielt von Mira Gittner und Marina Anna Eich, die zugleich fester Bestandteil des wtp-Teams sind. Gittner ist als Kamerafrau tätig und schneidet in der Postproduktion, Eich produziert und kümmert sich um die Pressearbeit. Lucy wird gespielt von Antje Nikola Mönning, jüngster Neuzungang der wtp-Familie. Sie wurde unter anderem bekannt durch ihre Rolle als Nonne Jenny in der ARD-Produktion Um Himmels Willen. Mönning brach mit der ARD-Serie, Engel mit schmutzigen Flügeln wurde von der Bild und anderen Medien als Sexfilm verrissen, doch tatsächlich hat sie sich schauspielerisch freigeschwommen.

Die Medienkontroverse um den Film, der unter anderem bereits erfolgreich auf den Hofer Filmtagen lief, kann dem Film nur zuträglich sein. Ab dem Starttermin dürften sich nicht wenige Zuschauer selbst davon überzeugen, ob Engel mit schmutzigen Flügeln nun wirklich schmutzig und ein Sexfilm ist, oder ein ernsthaftes, quasi-dokumentarisches Drama mit ernstzunehmender Aussage. Auf jeden Fall vermittelt der Film eine zutiefst moralische Empfehlung: Man soll sich bitte für eine Wesensart entscheiden und zu dieser bis in die letzte Konsequenz stehen. Definitiv eine Portion Weisheit, die jeder Zuschauer brauchen kann, aber dabei wahrlich keine leichte Kost.



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