Lange mussten die Millionen von Fans der Romane von Stieg Larsson nicht warten. Letztes Jahr ging Teil eins der Filmadaptionen seiner Millennium-Trilogie an den Start, und in Abständen von wenigen Monaten folgten dann erst Teil zwei und nun auch noch der dritte. Fans anderer Reihen müssen da mitunter Jahre warten. In Vergebung wird nun das große Puzzle um Lisbeth Salanders Vergangenheit zusammengefügt und alle losen Enden sinnig miteinander verknüpft. Leider gerät der Film aber darüber zu einer Gerichtsshow mit überkomplexen Nebenkriegsschauplätzen und positioniert sich damit ganz eindeutig als ein Werk für die Fans.
Die Millennium-Trilogie gelangt zu ihrem Abschluss. Die Fans der Buch-Reihe von Stieg Larsson wissen ohnehin wie es ausgehen wird - mehr Bücher aus der Feder des 2004 verstorbenen Journalisten und Autors wird es leider nicht mehr geben - aber für jene, die vielleicht erst mit den Filmen in die Welten von Larsson und seiner Hauptfiguren eingestiegen sind, eine kleine Zusammenfassung:
In Verblendung taten sich der investigative Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) sowie die Hackerin und Cyberdetektivin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) als Team zusammen. Damals stand Blomquist unter Anklage wegen verleumderischer Berichterstattung. Bevor er seine Strafe anzutreten hatte, nahm er den Auftrag eines Industriellen an, nach dem Verbleib von dessen Lieblingsnichte, die vor 40 Jahren im Alter von 16 verschwunden war, zu fahnden. Die Ermittlungen führten Mikael und Lisbeth in die Welt einer nach außen hin ehrenhaften Familie, hinter deren untadeliger Fassade ein Sumpf aus ehemaligen Nazis, Frauenhassern und Psychopathen existierte. Zum Ende lieferte der Film aber auch Informationen über Lisbeths tragische wie komplexe Vergangenheit, welche die Grundlage für die künftigen Entwicklungen werden sollte.
Verdammnis griff nachfolgend die bisher diffusen Informationen über Lisbeths Vergangenheit auf und zeichnete sie auch als durchaus ambivalente Figur, die in der Lage ist, konsequent wie gleichsam rücksichtslos Rache an früheren Peinigern zu nehmen. Prompt gerät sie auch gleich unter Mordverdacht und muss untertauchen. Der einzige, der ihr jetzt noch glaubt und zu ihr hält, ist Mikael. Die Hatz nach Beweisen für Lisbeths Unschuld und nach den wahren Verbrechern führt diesmal in die Niederungen des Frauenhandels und mündet in einem blutigen Finale.
In Teil drei der Millennium-Saga angekommen, begegnet man einer Lisbeth, die, lebensgefährlich durch einen Kopfschuss verletzt, ins Krankenhaus eingeliefert wird. Während sie sich in der Folgezeit müht, wieder gesund zu werden, bereitet draußen eine Verschwörung, die bis in höchste Geheimdienstkreise reicht, ihre Vernichtung vor. Als verschiedene Anläufe, sie mundtot zu machen, scheitern, besinnen sich diese Herren darauf, Lisbeth als geistesgestörte Mörderin darzustellen und sie gerichtlich in die geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen. Während Mikael draußen nach der Wahrheit und Entlastungsmaterial fahndet, steht Lisbeth Mikaels Schwester, die Anwältin ist, vor Gericht zur Seite.
Alle drei Filme unterscheiden sich sowohl stilistisch als auch in ihrer Dynamik sehr voneinander. Standen in Verblendung die wohl durchdachte Einführung der Hauptcharaktere und ein komplexer Plot im Stile eines Suspense-Thrillers im Vordergrund, gestaltete Verdammnis rund um Lisbeths Vergangenheit einen leicht verworrenen, aber spannenden Mix aus Psycho- und Action-Thriller. In Vergebung müssen nun alle losen Enden irgendwie sinnhaft zusammengeführt werden. Und das ist eben das Problem bei diesem Unterfangen: Alle inzwischen sorgsam aufgebauten Handlungslinien bilden mittlerweile ein derart verworrenes Gespinst, dass mit großer Sorgfalt vorgegangen werden muss, um das kunstvolle Gebäude nicht zum Einsturz zu bringen und die Leistung der Vorgänger ad absurdum zu führen. Diese nötige Akribie beim Auflösen und Zusammenführen der Nebenkriegsschauplätze lässt diesen letzten Teil aber reichlich zäh erscheinen. Die Parallel laufende Gerichtsshow ist zwar stützendes Kernelement, auf das alles zuläuft, liefert aber nur Spannung auf gutem TV-Niveau, was es insgesamt schwer macht, am Geschehen zu haften.
Auf den Außenstehenden wirkt der Film damit wie ein geflissentliches Abarbeiten an der Romanvorlage und der im Vorhinein eingebauten Nebenplots. Was im Grunde für eine Literaturadaption nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Vergebung ist so betrachtet ganz sicher ein Film für alle Fans der Roman-Trilogie, aber ganz bestimmt kein Film, den man sehen kann, ohne die Vorgänger zu kennen. Das war bei Verblendung noch völlig anders, der als Film ganz eigenständig bestehen kann, und zum Teil gilt das auch für Verdammnis.
Zu leicht verliert man sich beim Abschluss der Trilogie, die ursprünglich als Romanzyklus sogar zehn Bücher umfassen sollte, in der überbordenden Vielfalt an Handlungssträngen, Details und Feinheiten. Es fügt sich zwar schlussendlich alles sinnig ineinander und Langeweile kommt nicht wirklich auf, aber der Film strengt deutlich mehr an, als seine beiden Vorgänger. Schlauerweise sollte man sich also diese vielleicht vor dem Kinogang noch einmal als DVD, Tripel- oder Doublefeature zu Gemüte führen.