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Giulias Verschwinden

(Giulias Verschwinden, 2009)

Dt.Start: 04. Februar 2010 Premiere: 08. August 2009 (Festival, Schweiz)
FSK: ab 6 Genre: Komödie
Länge: 87 min Land: Schweiz
Darsteller: Corinna Harfouch (Giulia), Bruno Ganz (John), Stefan Kurt (Stefan), André Jung (Lorenz), Sunnyi Melles (Alessia), Daniel Rohr (Thomas), Teresa Harder (Lena), Max Herbrechter (Valentin), Christine Schorn (Leonie), Renate Becker (Lili), Elisa Schlott (Jessica), Hannah Dietrich (Fatima), Susanne-Marie Wrage (Cornelia), Samuel Weiss (Max), Babett Arens (Helen)
Regie: Christoph Schaub
Drehbuch: Martin Suter


Inhalt

Die alternde Schönheit Giulia feiert ihren 50. Geburtstag mit den ebenfalls nicht mehr jungen Freunden in einem Restaurant. Als sie aber einen charmanten Mann trifft, entscheidet sie kurzerhand ihren Geburtstag lieber mit diesem Fremden zu verbringen. Und während sich ihre alkoholisierten Freunde in philosophischen Diskursen über den Sinn des Lebens verlieren, entdeckt Giulia Gefühle wieder, die sie sich gar nicht mehr zugetraut hätte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Giulias Verschwinden hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 81%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Benjamin Schieler
Giulias Verschwinden hat eine Wertung von 81%
Die Lust am Feiern der eigenen Geburtstage scheint mit fortschreitendem Alter immer mehr abzunehmen. Feixende Freunde, graue Haare, verblassende Erinnerung an wilde Tage - wer hat da schon gute Laune? Im Film von Christoph Schaub (Sternenberg) nach einem Drehbuch des Schweizer Bestseller-Autors Martin Suter entzieht sich Titelheldin Giulia (Corinna Harfouch, Im Winter ein Jahr) an ihrem 50. Geburtstag dem Feierzwang. Herausgekommen ist eine wunderbare Komödie mit feinfühligem Humor.

Bild aus Giulias Verschwinden "Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht", hat Bertold Brecht in seiner Dreigroschenoper geschrieben. Kaum etwas könnte die Situation von Geburtstagskind Giulia besser beschreiben. Im Bus sitzend beobachtet sie interessiert ihre Umwelt, ohne von ihr wahrgenommen zu werden. "Würdest Du gerne 18 sein?", fragt das eine Teenager-Mädchen auf dem Sitz gegenüber seine Freundin. "Um Gottes Willen", stößt die Angesprochene hervor. "Dann wäre ich ja bald 20." Da nimmt eine ältere Dame neben Giulia Platz und beginnt ein Gespräch über das Verschwinden im Alter. Und die eben 50 gewordene Protagonistin, die sich kurz darauf unter Mühen an rücksichtslosen Mitfahrern vorbei in Richtung Ausgangstür kämpft, muss sich fragen, ob das, was war, wirklich schon alles gewesen sein soll.

Im Folgenden wird die Geschichte in drei, eigentlich vier Richtungen marschieren. Sie wird die ältere Dame begleiten, die ihrerseits auf dem Weg zu einem Geburtstag ist: dem 80. Jahrestag einer guten Freundin im Altersheim. Sie wird sich an die Fersen der Teenager heften, die auf der Suche nach einem Geschenk für einen älteren, eben 18-jährigen Schwarm sind. Sie wird Giulias Freunde einführen, die in einem schicken Restaurant auf das Eintreffen des Stargastes warten. Und sie wird Giulias Wegen folgen. Denn für die endet der Abend anders als geplant. Nicht etwa auf ihrer eigenen Party, sondern in einer Hotelbar bei einem charmanten Fremden (Bruno Ganz, Der Vorleser), der seine eigene Art hat, mit dem Altern umzugehen.

Giulias Verschwinden ist ein sehr dialoglastiger Film. Doch genau darin liegt die Stärke der Schweizer Co-Produktion. Der Eidgenosse Schaub und der Eidgenosse Suter, dessen Roman Lila, Lila jüngst mit Daniel Brühl in der Hauptrolle verfilmt wurde, haben einen 87-Minüter geschaffen, der es nahezu über die komplette Laufzeit schafft, den Zuseher bei Laune zu halten. Die zentralen Charaktere, zuvorderst Giulias liebenswerte Freunde, sind allesamt menschlich sympathisch entwickelt. In ihren treffenden und scharfzüngigen Diskussionen über die Vergänglichkeit der Jugend, die Tyrannei der Makellosigkeit und die Vorteile von Gelassenheit dank Lebenserfahrung dürften sich bei weitem nicht nur Endvierziger wiederfinden, auf deren Situation der Schwerpunkt liegt. Giulias Verschwinden ist ein Film über das Alter für jedes Alter.

In einigen Szenen glänzt Schaubs Werk zudem durch herrliche Einfälle. Etwa dann, wenn man sich kurzfristig an Wolke Neun erinnert fühlt, jenen viel diskutierten Film über Sex im Alter, das Drehbuch dann aber eine eigene hochamüsante Wendung präsentiert. So steht das letzte Geräusch der Komödie symptomatisch für ihre Wirkung: Es ist ein schallendes Gelächter.



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