Dieser Film wäre vielleicht vor 6 Jahren noch politisch brisant gewesen, lässt den Kinobesucher aber heute nur mit einem müden Schulterzucken im Kino zurück. Paul Greengrass' neuester Streifen ist zwar wie erwartet handwerklich sehr gut gemacht, wartet aber mit einer wenig überzeugenden Geschichte auf und weiss über weite Strecken nur mäßig zu überzeugen. Irritierend hinzu kommt noch eine fehlende Zuordenbarkeit zu einem bestimmten Genre.
Roy Miller ist Offizier bei der Sondereinheit für Massenvernichtungswaffen, welche er mit seiner Truppe im Irak aufspüren soll. Bisher haben sich jedoch alle Hinweise der amerikanischen Aufklärung als falsch herausgestellt und langsam kommen Miller Zweifel an seinem Einsatz. Mit Hilfe des CIA-Agenten Brown versucht er der Wahrheit auf die Spur zu kommen und findet sich schon bald zwischen den Fronten wieder.
Das Duo Greengrass/Damon lieferte bereits die überaus gelungen Thriller Die Bourne Verschwörung und Das Bourne Ultimatum, was diesem Film aber leider nicht zu Gute kommt. Zwei Drittel des Streifens geht es gut, aber gerade gegen Ende von Green Zone wirkt es, als hätte Paul Greengrass nicht Roy Miller sondern Jason Bourne nach Bagdad geschickt. Zu ähnlich werden sich die beiden Charaktere. Ohnehin hat der Streifen ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Handlungsweisen der Protagonisten wollen sich einem nicht erschließen und Millers ungehinderter Alleingang wirkt arg konstruiert. Eine militärische Weltmacht lässt sich ohne konsequentes Eingreifen von einem eigenen Soldaten auf der Nase herumtanzen? Wohl kaum!
Auch Paul Greengrass' Markenzeichen, die wackeligen Bilder der Handkamera, wissen diesmal leider nicht voll zu überzeugen. Natürlich bewirken sie auch hier wieder, dass sich der Zuschauer mitten ins Geschehen versetzt fühlt und auch die technische Umsetzung ist perfekt, aber gerade in unübersichtlichen Kampfszenen und bei der Verfolgungsjagd gegen Ende des Films verliert man sehr schnell den Überblick und fühlt sich etwas verloren. Vor allem bei Nachtaufnahmen ist die Handkamera nicht die beste Lösung, um Action zu vermitteln.
Zu den Schauspielern lässt sich leider nicht viel sagen, da alle Charaktere, bis auf der von Matt Damon gespielte Offizier, nur Randfiguren sind. Damon selbst spielt seine Rolle zwar gefällig, wurde aber auch nicht wirklich herausgefordert. Durch die unverhältnismäßige Gewichtung der Wichtigkeit handelnder Personen ergibt sich ein weiterer Schwachpunkt von Green Zone, denn Damons One-Man-Show wirkt, wie oben bereits kurz erwähnt, in der Kriegsszenerie absolut fehlplaziert und macht alle anderen Figuren im Prinzip überflüssig.
Je länger man über Green Zone nachdenkt, umso weniger lässt sich die Intention der Macher ergründen. Soll der Film eine politische Aussage haben oder dient er doch nur zu Unterhaltungszwecken? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Der Streifen ist einerseits zu politisch und thematisch zu realitätsbezogen, um ein reiner Kriegsthriller zu sein, andererseits aber auch zu action- bzw. thrillerlastig und das Thema zu unaktuell, um als kriegspolitischer Film durchzugehen. Der Geschichte fehlt somit für beide Fälle die exakte Positionierung. Alles in allem ist Green Zone also ein technisch gut gemachter Film, der aber aufgrund seiner Story nicht überzeugen kann. Zudem ist es der gefühlt einhundertzwanzigste Streifen, der den Irakkrieg behandelt und inzwischen ist man der Thematik als Kinobesucher wirklich überdrüssig.