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Zeiten Ändern Dich

(Zeiten Ändern Dich, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

45%



Inhalt

Bushido ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper und mittlerweile Multimillionär. Doch das war nicht immer so. Im Berliner Ghetto wuchs er auf, schwänzte die Schule und dealte mit Drogen. Im Sumpf der Kriminalität stand er kurz vor einer Gefängnisstrafe, doch die Musik brachte ihn zurück ins Leben.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

45%

Bushido (Anis Mohamed Youssef Ferchichi) ist einer der Musiker in Deutschland mit dem größten Einfluss auf die urbane Jugendkultur männlicher Heranwachsender und gleichzeitig ewiger Stein des Anstoßes für die Bundesprüfstelle und die Presse. Mit 31 Jahren ist der Rapper, der seinen Stil an die Großen der amerikanischen Gangsta-Rap-Szene anlehnt, für seine Fans bereits eine Art Legende und er baut, bewusst provozierend, immer weiter an diesem Mythos. Die filmische Umsetzung seiner Biographie ist nichts anderes als ein weiterer gezielter Schritt in diese Richtung und wird außer den Fans kaum jemanden wirklich berühren.

Bild aus Zeiten Ändern Dich Dem Deutsch-Tunesier, der in Bonn zur Welt kam und schon lange in Berlin lebt, wird vielerlei vorgeworfen: Er sei Macho, Chauvi, in seinen Texten offen diskriminierend und Frauen- wie Homosexuellenfeindlich. Und er distanziere sich obendrein nicht eindeutig genug von der rechten Szene - diese Nähe wird ihm regelmäßig unterstellt, da seinen Texten auch der Vorwurf anhaftet, sie seien antisemitisch. Sicher ist zumindest, dass Texte von ihm regelmäßig auf dem Index landen. Geschadet haben all diese Vorwürfe seiner Karriere aber nicht - ganz im Gegenteil, ein gehöriger Teil seines Erfolges begründet sich vermutlich sogar darauf.

Nach seiner Biographie Bushido kommt nun unter der Produktionshoheit von keinem geringeren als Bernd Eichinger (Resident Evil, Fantastic Four) und der Regie von Uli Edel (Letzte Ausfahrt Brooklyn) die filmische Adaption seines Lebens in die deutschen Kinos. Der Film mit dem Titel Zeiten Ändern Dich zeichnet die wichtigsten Stationen von Bushidos Leben nach. Es ist der Versuch, ein stimmiges wie authentisches Portrait vom Künstler zu zeichnen, an dem sich derart die Geister scheiden.

Im raschen Tempo galoppiert dann auch der Streifen zunächst durch die Untiefen der verkorksten Kindheit und Jugend des Protagonisten: stellt das innige Verhältnis zwischen ihm und seiner deutschen Mutter (Hannelore Elsner) zu Beginn in den Vordergrund; zeigt wie sein Alkoholiker-Vater diese misshandelte; und wie die Familie auseinanderbrach. Im Alter von 16 Jahren schmeißt Anis die Schule und leiht sich 450 Mark von seiner Mutter, um sich Dope (Haschisch) zu kaufen und damit seinen Drogenhandel aufzuziehen. Das macht aus einem Teenager bald eine kleine Unterweltgröße, solange bis er eines Tages mit einem Rucksack voll dem Zeug von Zivilpolizisten aufgegriffen wird. Anis landet vor dem Jugendrichter und wird vor die Wahl gestellt: entweder eine staatlich geförderte Ausbildung zum Maler und Lackierer oder Jugendknast.

Das erlernte Handwerk nutzt er einige Jahre später prompt für sein kreatives Mitteilungsbedürfnis als Graffiti-Sprayer. Zu dieser Zeit nimmt die Richtungslosigkeit in seinem Leben besonders bedenkliche Ausmaße an: Mit seinen illegalen Graffitis glaubt er, einen Weg gefunden zu haben, sich adäquat auszudrücken und auf sich aufmerksam zu machen. Beeindruckt von der Philosophie der japanischen Samurai legt er sich das Pseudonym Bushido (frei übersetzt: Der Weg des Kriegers) zu. Seine langjährige Freundin Selina (Karoline Such), die einem wohlsituierten Elternhaus entstammt, deren Eltern (Katja Flint und Uwe Ochsenknecht) noch nie besonders begeistert von der Beziehung zu Anis waren, findet das alles wenig erstrebenswert und trennt sich von ihm. Bushido steht am Scheideweg und der Rap, mit dem er sich zu beschäftigen beginnt, scheint für ihn das Mittel zu sein, seinen individuellen Weg des Kriegers zu beschreiten.

Abschnittsweise mit Flashbacks skizziert Zeiten Ändern Dich die Wendepunkte im Leben von Bushido, lässt die Tiefen ebenso wenig wie die anfänglich wenigen Höhen aus: Drogen, Gewalt, erste Erfolge als Musiker, schneller Sex mit willigen Groupies - was halt so dazugehört zum Leben eines Stars. Handwerklich gesehen hat der Plot einen stimmigen dramaturgischen Aufbau, der auf ein großes Open-Air-Konzert vor dem Brandenburger Tor hinsteuert. Schlecht gefilmt ist der Streifen zudem nicht: Hier waren halt Könner am Werke. Und ganz bewusst wurde inszenatorisch Wert auf eine sehr kurzweilige Umsetzung der Geschichte gelegt. Nur so recht alles glauben, fällt dem unvoreingenommenen Zuschauer mitunter schwer; auch manch ein Gangsta-Rapper aus Übersee bläht schließlich bewusst seinen eigenen Mythos auf. Inwieweit das alles demnach wirklich genauso zutrifft und tatsächlich als authentisch anzusehen ist oder vielleicht mehr einer inneren Realität entspricht, sei also dahingestellt.

Viel wichtiger ist die Botschaft des Films und genau dort beginnt es mitunter zunehmend haarig zu werden. Zwar gibt es durchaus positive Werte die vermittelt werden, wie Familie, Freundschaft, Zusammenhalt, Loyalität, Verzeihung und Vergebung; andererseits hat es schon mindestens die Qualität einer ausgesprochenen Dreistigkeit, wenn jemand vom Schlag eines Bushido sich vor eine Untersuchungsrichterin stellt und behauptet, es hätte etwas mit der Unantastbarkeit der Würde des Menschen zu tun und es wäre das verbürgte Recht, welches ihm in einem rechtsstaatlichen System zusteht, wenn er sein Eigentum verteidigt und dabei jemanden krankenhausreif prügelt. Da schwingt sich gerade der Richtige zum Moral- und Rechtsphilosophen auf.

Rein szenisch wirkt solch eine Situation im Film eher absurd bis massiv unfreiwillig komisch, was durchaus die Frage aufkommen lässt, ob die Macher es nicht ganz gezielt dahingehend inszeniert haben. Die scheinbare unfreiwillige Komik schwächt den verzapften Unfug natürlich mächtig ab. Überhaupt fällt auf, dass die Punkte, welche Bushido negativ prägten, eher zu seinen Gunsten betont werden, während all das, was ihm ohne Entschuldigung angelastet werden kann, durch Ironie und Komik mitunter leidlich entschärft wird. Hier bekommt der Streifen manchmal durchaus die Qualität eines Werbespotts, der speziell für die Fans gemacht wurde.

Über die schauspielerische Performance schweigt man sich besser ganz aus. Wenn überhaupt verdienen höchstens einige Nebendarsteller halbwegs eine lobenswerte Erwähnung, wie Karoline Such, die in ihrem Spiel ein wenig an die US-Darstellerin Christina Ricci erinnert. Weniger gnädig fällt allerdings das Urteil bei Hannelore Elsner aus, die außer mütterlich-besorgt und etwas melancholisch in die Kamera dreinzublicken, nicht sonderlich viel leistet. Und auch Moritz Bleibtreu, als Bushidos Mentor, mit dem Eichinger und Edel schon in Der Baader Meinhof Komplex zusammenarbeiteten, sorgt nicht für besondere Erinnerungswerte. Nach seinem Kurzauftritt in Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected als Italiener und seiner Rolle in Soul Kitchen, in der er einen Griechen spielte, darf er nun einen Araber geben und avanciert allmählich zum multiethnischen Universalmimen. Das muss nicht immer zwangsläufig überzeugen.

Es ließe sich an Zeiten Ändern Dich solange herummäkeln bis an dem Film am Ende kein gutes Haar mehr übrig bleibt. Doch bei aller Kritik muss festhalten werden, dass der Streifen durchaus unterhalten kann - sei es selbst mit seinen unfreiwillig komischen Attitüden. Sicher ist, hier wurde für Fans produziert, ebenso wie die Buchvorlage, die selbstverständlich nicht für Bushido-Hasser geschrieben wurde. Als wichtigste Sätze aus dem Buch, die sich auch auf den Film übertragen lassen sollte man einfach mitnehmen, dass Bushido selber behauptet, es wäre im Prinzip egal, was er auf der Bühne abliefert, die Fans würden ohnehin alles fressen. Und zum Punkt Gewalt und moralische Verrohung: Er fordert schließlich niemanden auf, es ihm gleichzutun. Ganz im Gegenteil, betont er immer wieder, dass er alles andere als ein nachahmenswertes Beispiel abgibt.

Keine weitere Wertung


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