Er mag zuweilen in die Nähe des Charakterfachs abdriften, aber nichts kann Bruce Willis so vortrefflich, wie einen Bullen mimen. Sei es sogar, um sich selber zu verulken. Mit Cop Out liefert Willis eine Softparodie und schräge Hommage an den Cop-Buddie-Movie. Ihm zur Seite der Standup-Comedian Tracy Morgan. Gemeinsam galoppieren sie nicht nur quer durchs Genre, sondern durch eine hanebüchene Story, die aus der Aneinanderreihung von kruden Situationen besteht. Das sorgt dafür, dass der Film wie ein immer wiederkehrendes Anlaufnehmen wirkt und es schlussendlich nicht übers leicht gehobene Komödienmittelmaß schafft.
Was kommt nach dem Humor? Noch mehr Humor möchte man meinen - nur was für welcher? Folgt dem Witz der Metawitz? Die amerikanische Comedy scheint immer noch in der Krise zu stecken. Was tun, wenn man so ziemlich alles durch hat, von feucht-fröhlich-genital, wie in der American Pie-Reihe oder subversiv und makaber, wie in Shopping-Center King? Neue Formate müssen her; und tatsächlich müht sich die größte Filmmaschinerie des Planeten, solche zu entwickeln. Filme wie Date Night - Gangster für eine Nacht, Zu scharf, um wahr zu sein und Kick-Ass stellen vielleicht nicht mehr als Produkte dar, mit dem Zweck, den aktuellen Zeitgeist und den Markt der Zukunft zu testen.
Gut in dieses Schema scheint auch Cop Out zu passen. Ein etwas merkwürdiges Buddy-Movie-Derivat, das Szenen aneinanderreiht, mit deren Hilfe es sich von Sequenz zu Sequenz quasi selbst neu erfindet. Zu Beginn wurde das aber schon gewissermaßen vorweggenommen, damit auch jedem gleich klar wird, was der Film des Weiteren noch vorhat. Unmissverständlich spricht schon die Eingangsszene Bände: Ein Krimineller sitzt in einem Verhörraum. Die beiden Detectives Jimmy (Bruce Willis) und Paul (Tracy Morgan), die schon seit neun Jahren gemeinsam arbeiten, diskutieren angeregt, wie man am besten Informationen aus dem Gefangenen herausbekommt. Paul möchte die Guter-Cop-Böser-Cop-Nummer durchziehen; Jimmy ist der Meinung, das wäre eine Schnapsidee, da Paul ein miserabler Schauspieler ist. Ganz beiläufig wird noch über die Bedeutung und die korrekte Aussprache des Begriffs Hommage gestritten - warum bloß?
Es folgt ein Verhör, das lächerlicher nicht sein könnte: Während Paul den Gefangenen mit nichtgeladener Knarre bedroht und ihn mit coolen Onelinern aus diversen Klassikern zutextet, kommentiert Jimmy jeden Spruch und die Performance mit Verweisen auf Filme von Heat bis hin zu Stirb Langsam; den allerdings lediglich mit Diesen Film habe ich nie gesehen!. Von echtem Plot kann in der Folge kaum die Rede sein. Es folgen aber Spielszenen, die ein Deja-Vu nach dem anderen produzieren. Nachdem es die beiden mit dem Schusswaffeneinsatz zu gut gemeint haben, werden sie zu ihrem Chef zitiert, der ihnen erst einen verbalen Einlauf verpasst und sie anschließend für einen Monat suspendiert. Für Jimmy besonders schlimm, da er jeden Cent für die Hochzeit seiner Tochter braucht. Er entschließt sich, um die Hochzeit zu finanzieren, eine extrem seltene und wertvolle Baseball-Karte zu verkaufen, die ihm sein Vater vermachte. Just in dem Augenblick wird der Baseball-Fanstore überfallen.
Egal ob Lethal Weapon, Bad Boys, Pulp Fiction, Nur 48 Stunden und viele andere mehr; Referenzen (und Anleihen) finden sich reichlich. Zu den Urvätern des Cop-Buddy-Movies zählt allerdings die TV-Serie aus den 1980ern Miami Vice. Krimiserien mit einem charakterlich sehr gegensätzlich besetzten Cop-Duo als Protagonisten gab es natürlich schon vorher, aber erst in Miami Vice wurden die Elemente des Privatlebens der Polizisten derart ausskizziert und dramaturgisch in die eigentliche Handlung mit einbezogen. Es wurde sich nicht mehr damit begnügt, einfach nur Kriminal- oder Gangstergeschichten zu erzählen, in denen die Filmcharaktere eindimensionale Schablonen waren, in die alles hineinprojiziert werden konnte. Auf einmal war es wichtig, Filmfiguren auszugestalten, die ein echtes Leben führten und zuweilen reichlich Jedermanns-Probleme hatten.
All das findet sich auch in Cop Out, wenn auch der dramaturgische Effekt durchaus bescheiden ausfällt. Dienen die Privatleben der Protagonisten nur dazu, der hanebüchenen Handlung ein paar skurrile Seitentriebe zu verpassen. Diese läuft auf ein krudes Katz-und-Maus-Spiel hinaus: Auf der Jagd nach der gestohlenen Baseballkarte geraten die beiden Helden mit einer mexikanischen Gang aneinander, die gnadenlos über Leichen geht. Durchbrochen wird die knallharte Krimiaction von grenzdebil lächerlichen Dialogen, welche die Buddies wie ein altes Ehepaar erscheinen lassen, das sich unablässig zofft, um sich gleich wieder zu vertragen.
Ernst gemeint ist an diesem Film nun wirklich nichts. Die Hommage an die Gattung des Cop-Buddie-Movies ist hingegen überdeutlich. Für eine gehobene Persiflage hat es offensichtlich aber nicht gelangt. Ob nun nicht gewollt oder nicht gekonnt, mag dabei schlussendlich im Auge des Betrachters liegen. Dafür wurden die Dialoge mit Bedacht derart konsequent von jedem Funken Geist tiefengereinigt, dass hier mit Sicherheit der sonst ultracoole Cop-Trashtalk aufs Korn genommen wurde. Beide Figuren sind zudem passgenau und mit voller Absicht stereotyp skizziert: Willis gibt (wie könnte es auch anders sein) den betont Lässigen, während Morgan die Rolle des halbneurotischen Nervenbündels zukommt.
Cop Out liefert unterm Strich eine gefällige Mischung aus Comedy, grottik-kultigem Dialogwitz und teilweise überraschenden Brachialpointen. Dazu gibt es als Kontrastprogramm brutale Ballereien und final auch Last-Man-Standing-Action. Bei alledem hat der Streifen aber eindeutig ein Rhythmusproblem: Die Pointen stottern zeitweise vor sich hin, zünden anschließend wieder eine Zeitlang, um danach wieder gewissermaßen aus dem Takt zu geraten. Insgesamt lässt das den Film recht unrund erscheinen und durch die Hänger zwischendurch entstehen auch unweigerlich Längen. Dennoch ist Cop Out durchaus tauglich für einen leicht schrägen Comedy-Kinoabend, sei es, um mit den Freunden anschließend wettzueifern, wer mehr Filmzitate entdeckt hat.