Aus den Tagebucheinträgen einer ganz besonderen Frau, die das Schicksal vermutlich in die falsche Zeit verfrachtet hatte, erzählt dieser Film gleichsam mit schonungsloser Offenheit, wie auch aus poetischen Blickwinkeln, die Geschichte der Maria Larsson, die als einfache Arbeiterfrau das besaß, was viele professionelle Fotografen mitunter vergebens suchen. Ein Film mit viel Licht aber auch einigem an Schatten, sowohl in seinem Erzählfluss, wie auch in der Umsetzung an sich, der trotzdem das Prädikat äußerst sehenswert bekommt. Auf schwere Kost muss sich aber gefasst gemacht werden.
"Milieubedingter Purismus" kann enorme Anziehungskraft entfalten oder sogar wie ein Schlag in die Magengrube wirken. Besonders eignet sich dieses Stilelement, wenn Lebensrealitäten skizziert werden, die eine besonders harte Nüchternheit in sich bergen. Opulente wie poetische Erzähltechniken prädestinierten sich hingegen dafür, Geschichten mit einer lyrischen Leichtigkeit wiederzugeben. Diese beiden Elemente miteinander so zu kombinieren, dass ein harmonischer Plot entsteht, stellt eine ordentliche Herausforderung dar. Wenn obendrein eine Geschichte teils aus personeller Sicht und teils aus einer neutralen Perspektive erzählt wird, mischen sich gleich derart viele Techniken, dass ein Film ganz schnell unruhig wirken kann. Das einzige, was darüber hinwegzuhelfen vermag, ist eine sehr gute Geschichte und Darsteller, die alle handwerklichen Defizite vergessen machen.
Das 20. Jahrhundert ist noch jung; das Leben zu dieser Zeit für die meisten Menschen unterer Gesellschaftsschichten ein Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Von den sozialen Errungenschaften und technischen Innovationen unserer Zeit kann Anfang 1900 noch nicht einmal zu träumen gewagt werden. Und doch bahnt sich die Neuzeit bereits damals allmählich ihren Weg in das Leben der Menschen. Die junge Finnin Maria Larsson (Maria Heiskanen) hat das Schicksal nach Schweden verschlagen. Verheiratet ist sie mit einem echten skandinavischen Mannsbild; Sigfrid Larsson (Mikael Persbrandt) kann arbeiten wie ein Ochse - sofern es Arbeit gibt - allerdings kann er auch ebenso gut saufen und verändert sich dann derart, dass ihn seine eigene Frau kaum wiedererkennt. Mitunter rutsch ihm dann auch gerne mal die Hand aus, oder er kommt gar nicht erst nach Hause und verbringt die Nacht gleich in einem fremden Bett.
Vor der Hochzeit hatte Maria bei einer Tombola eine Kamera gewonnen; zu dieser Zeit ein Luxusgut von beachtlichem Wert. Lange schlummerte dieses schöne Stück halbvergessen vor sich hin. Aber als die inzwischen kinderreiche Familie in finanzielle Schwierigkeit gerät, versucht Maria die Kamera zu Geld zu machen. Der Versuch, sie dem Fotografen Sebastian Pedersen (Jesper Christensen) zu verkaufen, verläuft aber anders als erwartet: Er schlägt ihr vor, dass sie die Kamera erstmal ausprobiert, bevor sie sie aus der Hand gibt. In seinen Augen hat dieses Schmuckstück das verdient. Als Maria aber entdeckt, welchen "Zauber" die Kamera einfangen kann, beginnt sich ihre Perspektive auf das Leben zu verändern. Der Blick durch den Sucher entwickelt sich gleichsam zu einer Vision von dem was sein könnte. Im Grunde aber ist es keine Zeit, in der eine Frau einfach ein selbstbestimmtes Leben führen kann.
Erzählt wird Die ewigen Momente der Maria Larsson gemäß den Tagebuchaufzeichnungen der realen Vorlage und aus der Perspektive der ältesten Tochter Agneta. Zumindest wird dieser Blickwinkel auf die Geschichte zu Beginn eingeführt, aber nicht stringent durchgehalten. Es ist die Story einer Frau, die vieles hätte sein können - womöglich eine weltberühmte Fotografin - wenn sie durch das Schicksal nicht in diese Zeit und diese soziale Schicht hineingeboren worden wäre. Emanzipation war damals nicht einmal als Begrifflichkeit geläufig. Und schon gar nicht war es möglich, sein altes Leben einfach abzustreifen und zu neuen Ufern aufzubrechen - besonders nicht für eine einfache Arbeiterfrau mit einem Haufen Kinder.
Von dieser Warte aus betrachtet, könnte der Film als typischer Frauenfilm angesehen werden; ihn darauf allein zu reduzieren, täte ihm aber deutlich unrecht. Neben dem Schicksal der Maria Larsson bildet sich auch ein fein gezeichnetes Zeit- und Gesellschaftsportrait ab - in Zügen sogar ein Sittenzeugnis. Die Härten dieser Zeit werden ebensowenig ausgespart, wie die eheliche Gewalt, der Maria nicht einfach entfliehen kann; vielleicht sogar Angst vor der eigenen Courage bekommt, wenn die mit dieser Möglichkeit gedanklich zu spielen beginnt. Dass dabei jede Facette der Geschichte absolut glaubwürdig wirkt, ist den kongenial agierenden Darstellern zu verdanken. Maria Heiskanen geht in der Rolle der Maria Larsson voll auf und auch Mikael Persbrand brilliert als Filmgatte und wenig sympathischer Sauf- und Betonkopf. Leider degradiert sich der Rest der Familie aber überwiegend zu Randfiguren - sogar die älteste Tochter aus deren Sicht sich die Geschichte eigentlich darstellt.
Trotz einiger handwerklicher Stolperer, wie den wiederholten Wechsel der Erzählperspektive und den nicht immer stimmig wirkenden Kontrasten aus harter Arbeitermilieu-Tristes und poetischer Leichtigkeit, entwickelt sich aber eine Geschichte, die durchaus zu fesseln vermag. Es ist definitiv keine Allerweltskost und nötigt mitunter auch einiges an Geduld ab. Zudem ist die Abbildung des Lebens zu dieser Zeit als Geringpriviligierte nicht gerade etwas, das leicht bekömmlich ist. Wer leichtgewichtige Unterhaltung in diesem Film sucht, ist sicherlich an der falschen Adresse. Diejenigen aber, die eine höchst interessante und grundehrliche Geschichte mitten aus den Härten des Lebens eines vergangenen Jahrhunderts erleben wollen, werden ganz bestimmt auf ihre Kosten kommen.