Johann Kastenberger verübte in den Achtziger Jahren in Österreich zahlreiche Banküberfälle, stets mit einer Ronald-Reagan-Maske verkleidet, die ihm seinen Spitznamen Pumpgun-Ronnie einbrachte. Sein Fall hat in Österreich Kriminalgeschichte geschrieben und übt bis heute noch eine seltsame Faszination aus, zumal Kastenberger sich zugleich auch einen Namen als Marathonläufer gemacht hatte. Nach dem gleichnamigen Roman von Martin Prinz erzählt Regisseur Benjamin Heisenberg nach seinem Debütfilm Schläfer den wahren Fall der Kriminalgeschichte nach, wobei er sich einige Freiheiten bei der Wiedergabe der Geschichte erlaubt.
Rettenberger sitzt seit mehreren Jahren eine Haftstrafe wegen Bankraubes ab. Seine große Leidenschaft ist das Laufen. Pläne für die Zeit nach seiner Entlassung hat er nicht, auch wenn ihn sein erster Weg ins Arbeitsamt führt. Die Jobangebote nimmt er mit wenig Interesse entgegen, stattdessen füllt er die Tage mit stetigem Lauftraining durch Wälder und Parks. Eine Begegnung mit seiner Exfreundin Erika führt dazu, dass er wieder bei ihr einzieht. Weder sie noch sein Bewährungshelfer kommen wirklich an ihn heran. Sein einziges Ziel ist das Laufen, und nebenbei steigt sein Interesse am nächsten Bankraub. Der lässt nicht lange auf sich warten. Gierig nach dem Kick, zieht er sogar mehrmals am Tag los. Doch letztlich kommt es, wie es kommen muss: Johann wird bei einem Überfall erwischt.
Die Figur des Johann Rettenberger wird dem Zuschauer während des gesamten Films stets ein Rätsel bleiben. Er strahlt eine unglaubliche Kühle aus, ist für seine Mitmenschen immer unzugänglich, gestattet sich kaum Emotionen und scheint stets getrieben von einem inneren Zwang. Worin dieser Zwang begründet liegt, wird nie deutlich. Psychologische Erklärungen kann und will der Film nicht liefern. Auch wenn die Kamera immer an der Hauptfigur zu kleben scheint, uns sein Gesicht im Nahen präsentiert, so bleibt er uns trotzdem fremd.
Deutlich wird nur, dass der Mann krank sein muss, vielleicht sogar als besessen bezeichnet werden kann. Seine für uns nicht sichtbaren Emotionen scheint er beim Laufen zu verarbeiten. Anscheinend schöpft er aus den vielen Kilometern, die er täglich läuft, die innere Ruhe, die ihn so unnahbar erscheinen lässt und die Kraft, immer weiter machen zu müssen.
Der Räuber stellt einen Menschen vor, der tatsächlich existiert hat. Doch anstatt die Figur vorzustellen und interessante Aspekte an ihr herauszuarbeiten, bleiben viele Fragen ungeklärt. Letztlich bleibt nur das Bild eines von seinen eigenen Zwängen Getriebenen übrig, ein interessanter Kriminalfall, bei dem vor allem die unglaubliche Leinwandpräsenz der Hauptfigur in Erinnerung bleiben wird.