Kinderbücher, Hörspiele und eine Internet-Community für fußballverrückte Kids - bei ihren jungen Fans stehen die ursprünglich von der deutschen Grundschullehrerin und Autorin Frauke Nahrgang ins Leben gerufenen Teufelskicker hoch im Kurs. Nun kommt der erste Spielfilm über die wild zusammengewürfelte Mannschaft und ihren Kampf um den Pokal ins Kino. Die Zielgruppe wird an der bemüht alltagsnahen Handlung Gefallen finden. Das ältere Publikum hingegen darf sich schon einmal im Kopfschütteln üben.
Der Tag des Endspiels hätte für Moritz (Henry Horn) nicht unglücklicher laufen können. Erst vermasselt er in letzter Sekunde die Riesenchance zum Ausgleich für sein Team, dann erwischt Mutter Janina (Diana Amft, Mädchen, Mädchen) Moritz' Vater und Trainer (Benno Führmann, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken) beim Knutschen mit der Sekretärin. Tief verletzt packt Janina ihre Sachen und fährt mit Moritz zu ihrem Vater Rudi (Reiner Schöne). Moritz fällt es schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, zumal die fiesen Typen um Torwart Mark vom hiesigen Fußballverein ihn nicht aufnehmen wollen. Als Moritz jedoch die waghalsigen Jungs von der Rooftop-Gang um "Freak" Alex kennen lernt, hat er eine Idee. Warum nicht Parkour und Fußball verbinden und eine eigene Mannschaft gründen? Der wild zusammengewürfelte Haufen macht bald unter dem Namen "Teufelskicker" auf sich aufmerksam - und am Ende sitzt sogar Moritz' griesgrämiger Opa, früher ein exzellenter Stürmer, auf der Trainerbank.
Dachte man in Deutschland an Jugendfußball im Kino, war in den vergangenen Jahren allein von den Wilden Kerlen die Rede. Seit 2003 sind die kickenden Jungs um Anführer Leon (Jimi Blue Ochsenknecht) fünfmal auf der Leinwand zu sehen gewesen. Unter der Regie von Granz Henman (Kein Bund fürs Leben) buhlen nun erstmals die Teufelskicker um die Gunst des jungen Publikums: mit sympathischen Außenseitern wie den Pausenhofakrobaten Alex, Shadow, Sleepy und Co, dem munter-plappernden türkischen Brüderpaar Mehmet und Enes oder dem heimlichen Star der Mannschaft: Catrina (Cosima Henman, Tochter des Regisseurs), dem Mädchen, das besser kickt als mancher Junge.
Obwohl Teufelskicker mit der unzeitgemäßen Ansicht aufräumen will, Fußball sei grundsätzlich kein Sport für das weibliche Geschlecht, vermittelt der Film ein ambivalentes Frauenbild. Es stellt sich die Frage, ob man in einem Film für Kinder und Jugendliche wirklich Armin Rohde (Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika) als rücksichtslosen Macho und Machtmenschen zu seiner Ehefrau sagen lassen muss, dass nachdenken nicht zu ihren Stärken und Aufgaben gehöre. Oder ob man einen Schiedsrichter (bisweilen maßlos überdreht: Elyas M'Barek, Zeiten ändern dich) zeigen muss, der mit einem Kommentar alte Vorurteile aufwärmt.
Überhaupt: die Welt der Erwachsenen. Sie ist gekennzeichnet durch jede Menge Frust und Versagen. Der Versuch, die realexistierende problematische soziale Wirklichkeit vieler Aufwachsender in der Gesellschaft von heute zu thematisieren, ist einerseits lobenswert, schießt aber zuweilen über das Ziel hinaus. Auch mit der Figur von Moritz' Opa Rudi muss man sich erst mühsam anfreunden, erinnert er als Trainer doch an die vielen Seitenliniendiktatoren, die vom Ehrgeiz zerfressen sind und dabei vergessen, dass es im Jugendfußball noch um mehr als bloß ums Gewinnen gehen sollte. Als "eine Mischung aus Clint Eastwood und Walter Matthau" hat Reiner Schöne seine Rolle selbst beschrieben. Matthau hatte 1976 die Hauptrolle in Die Bären sind los gespielt. Das Muster, an dem sich Filme über Underdogs und ihr Weg zur Sensation orientieren, hat sich seitdem nicht verändert, der Charme der Filme jedoch schon.
Die kleinen Fans der Teufelskicker werden sich daran kaum stören, bekommen sie doch obendrein ihre Idole Philipp Lahm und Lukas Podolski in Gastrollen präsentiert. Einen Film für die ganze Familie, wie vom Verleih versprochen, sollten ältere Kinobegleiter aber nicht erwarten.