Abgesehen von den Evergreens Harry Potter und seit gut zwei Jahren auch Twilight, vermag Fantasy für das jüngere Publikum selten richtig zu zünden. Oft sind die Filme nichts Halbes und nichts Ganzes. Auf diese Gratwanderung begibt sich auch M. Night Shyamalan mit seiner Adaption der Jugend-Fantasyserie Avatar - Der Herr der Elemente. Eigentlich eher für unterschwelligen Horror bekannt, nimmt er sich der Geschichte des jungen Aang an, den das Schicksal auserkoren hat, der Welt das Gleichgewicht zurückzubringen. Esoterisch anmutende Fantasy, die an der schieren Fülle des Phantastischen und dem mangelnden epischen Bogen zugrunde gehen könnte.
Der Regisseur mit dem "unaussprechlichen" Namen ist zurück. Von Tops und Flops begleitet widmet sich der Meister diesmal der Adaption der überaus erfolgreichen TV-Animationsserie Avatar - Der Herr der Elemente. Mit dem blauhäutigen Volk der Na'vi aus James Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora hat das aber leidlich wenig gemein. Im Mittelpunkt dieser Realverfilmung steht eine Fantasywelt, die vier große Nationen hervorgebracht hat, gemäß den vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser und Luft. In jeder dieser Nation existieren sogenannte Bändiger. Menschen, die durch pure Willenskraft in der Lage sind, ihr jeweiliges Element zu beherrschen.
Die Verbindung zwischen allen vier Elementen stellt der Avatar her. Er hat Macht über alle und sorgt dafür, dass die vier Nationen in Frieden und Harmonie koexistieren. Vor 100 Jahren geschah jedoch das Unfassbare: Der Avatar verschwand plötzlich und seither regiert das Chaos die Welt. Die vier Nationen misstrauen sich, begegnen sich mit Missgunst und vor allem die Feuernation mit ihrem fiesen Feuerlord Ozai (Cliff Curtis) an der Spitze, rüstet für den Krieg, um alle anderen Völker zu unterjochen. Die Luftnomaden sind bereits ausgelöscht, das Erdkönigreich besiegt, nur noch die tapferen Wasserstämme leisten Widerstand.
Zu dieser furchtbaren Zeit wird der junge Aang (Noah Ringer) phönixgleich aus der hundertjährigen Gefangenschaft seines eisigen Kokons befreit. An ihm, der aus dem Volk der Luftnomanden stammt, ist es die Herrschaft über alle vier Elemente zu erlangen, und die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ganz alleine auf sich gestellt, wird dieses Unterfangen aber kaum gelingen. Glücklicherweise stehen ihm die 14-jährige Wasserbändigerin Katara (Nicola Peltz) und ihr, in Sachen Elemente untalentierter, aber mutiger älterer Bruder Sokka (Jackson Rathbone) zur Seite. Der Feuerlord hat aber längst die Zeichen der Zeit erkannt und ist alles andere als bereit, mit anzusehen, wie ein neuer Avatar heranwächst. Er würde Aangs Kopf lieber heute als Morgen auf einem Silbertablett serviert bekommen. Und noch ist Aang verwundbar: noch hat er keine Macht über die anderen drei Elemente und ist nicht viel mehr als der letzte seiner Art.
Gerade wenn es um Adaptionen von Serien geht, muss der Kinofilm zwangsläufig extrem verdichten. Er vermag nicht das zu leisten, was mehrere Staffeln mit zig Episoden in der Lage waren, an Handlung und Charakterzeichnungen zu produzieren. Das kann mitunter für den Fan der Serie enttäuschend werden und für denjenigen, der nicht einmal diese kennt, wird sich vieles gar nicht erst entschlüsseln. Die Legende von Aang scheint sich leider in die Kategorie gut gemeint, aber viel zu voll gestopft einzureihen. Selbst als Erwachsener könnte der Streifen irritieren bis leicht verstören. Nicht wegen irgendwelcher "Unappetitlichkeiten"; es ist vielmehr die schiere Anzahl an Örtlichkeiten, Geschehnissen, Mythologie, Magie, Charaktere. Alles wird stakkatogleich mit hoher Frequenz hineingeworfen, und selbst der Handlungsbogen gleicht einem wilden Galopp.
Dabei bietet die Optik durchgehend viele Neureize, nur das Oberstübchen könnte irgendwann angesichts der überbordenden Fülle auf Durchzug schalten - und in der Hoffnung verharren, dass auf die CGI-Bremse getreten wird, um auch mal etwas wie eine Geschichte zu erzählen. Schließlich soll dieser Streifen doch etwas wie ein Märchen sein. Und Kennzeichen aller (guten) Märchen ist, dass sie eine interessante Story zu erzählen haben. Mag aber sein, dass das jüngere Publikum und letzten Endes ist der Film für dieses gemacht, sich einfach an den schönen Bildern und phantastischen Landschaftsutopien ergötzt und das alles nicht weiter in Frage stellt. Zu jung sollten die lieben Kleinen aber nicht sein, denn trotz grundsätzlicher Familientauglichkeit ist Die Legende von Aang kein völlig gewaltfreies Spektakel. Es gibt einiges an Martial-Arts-Einlagen und, wie es sich für eine ordentliche Fantasyshow gehört, auch eine große Schlacht zu beäugen.
Teilweise erinnert der Film in einigen Zügen ein wenig an Die Unendliche Geschichte, doch entstammen die Kernmotive eher einer Art New-Age-Ökofantasy. Die vier Völker mit ihrer ureigensten Religion (Element), die in Harmonie zusammenlebten, solange es eine "Messiasfigur" gab, die alle Religionen (Elemente) miteinander verband und somit bewies, dass das Gleichgewicht in der Welt nur existieren kann, wenn alle Religionen (Elemente) gleichberechtigt nebeneinander existieren können. Wie man es dreht oder wendet, es riecht reichlich esoterisch. Dazu noch die Feuernation, mit ihren dampf- und feuergetriebenen (Kriegs)Maschinen, die wie die übelsten Umweltzerstörer wirken: Anstatt in Harmonie mit der Natur zu leben, versuchen sie sich alles Untertan zu machen - wenn das mal kein Plädoyer für den grünen Gedanken ist?
Die Legende von Aang präsentiert sich summa summarum als groß ambitioniertes Spektakel, dass womöglich genau an dieser Ambition scheitern könnte. Angelegt ist die Geschichte prinzipiell als Trilogie, könnte aber wie bereits Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter oder Der Goldene Kompass vorher Schiffbruch erleiden. Es gibt zwar viel Phantastisches zu bestaunen, doch die Fülle allein vermag einen Fantasyfilm nicht beseelen, das ist immer noch Aufgabe der Charaktere, die hier im CGI-Theater völlig untergehen (fast schon überflüssig zu erwähnen, dass man sich die dritte Dimension hätte komplett sparen können). Überdies kann es durchaus sein, dass kleine Kinder mit der Komplexität der Magie und Mystik im Film nicht gut klarkommen, wohingegen sich Teens, gerade in puncto Action, noch eine Schippe mehr wünschen könnten. Auch diesen Spagat merkt man dem Film an, der es versucht allen Heranwachsenden gleichermaßen recht zu machen. Es bleibt abzuwarten ob M. Night Shyamalan noch zu Teil zwei und drei kommen wird.