Brendan Fraser gehört sicherlich eher ins komödiantische Fach. Dennoch gibt er als Typ nicht unbedingt den absolut probaten Comedy-Artist ab; schließlich kann er auch tough sein, wie er in der Die Mumie Reihe bewies, deren drei Filme sicherlich zu seinen erfolgreichsten zählen. Seine Karriere war überdies von reichlich ungelenken Klamaukfilmchen geziert. Und seine beiden letzten Filme, Reise zum Mittelpunkt der Erde und Tintenherz, die es hierzulande ins Kino schafften, waren wiederum eher fürs jüngere Publikum bestimmt. Gleiches gilt auch für Reine Fellsache, womit es Fraser nun auf die traurige Ulk-Spitze treibt.
Man wünscht Dan Fraser (Brendan Fraser) einen echten Dr. Dolittle zur Seite. In Sachen Mensch-zu-Tier-Kommunikation hat er es wirklich nicht drauf. Und ausgerechnet er soll im Auftrag seines Chefs, dem Inhaber des Großkonzerns Lyman Enterprises, ein großes Bauprojekt mitten in der "Walachei" leiten. Dafür zieht er mit seiner Frau Tammy (Brooke Shields) und Sohn Tyler (Matt Prokop) für ein Jahr von Chicago in ein abgelegenes Kaff, namens Rocky Springs. Der 15-jährige Tyler findet das alles ganz furchtbar, während Gattin Tammy von der Naturidylle sehr angetan ist.
Dans Auftrag dort: die Errichtung einer Wohnsiedlung samt Einkaufszentrum und Golfplatz zu leiten und überwachen - eigentlich keine große Sache. In Wahrheit plant Dans Boss aber, den ganzen Wald dem Erdboden gleichzumachen und als erstes soll der Biberdamm dran glauben. Die Tiere des Waldes sind hier aber ausgesprochen auf zack: Unter dem Kommando eines spitzbübischen Waschbärs rüsten Biber, Geier, Bär und Co. zum Gegenangriff. Dan wird bald keine ruhige Minute mehr haben und wünschen, er hätte Chicago nie verlassen.
Es ist mitunter schon grausam genug, im Kino Tiere zu erleben, die sprechen können und Dank CGI-Animation in der Lage sind, ihre Mäuler synchron zu ihrem Geplapper zu bewegen, wie beispielsweise in Marmaduke. Viel schlimmer noch, wenn sie beginnen planvoll zu agieren, um dem menschlichen Widersacher eins auszuwischen. Mit solchen Darstellungen nähert man sich schnell dem pädagogischen Nullnutzfaktor. In Animationsfilmen möchte man sich das alles noch gefallen lassen und selbst in Streifen wie G-Force oder Cats & Dogs - Wie Hund und Katz schafft man es, darüber hinwegzusehen; wird sich dort zumindest bemüht, entweder eine Erklärung für das außergewöhnliche Verhalten zu liefern, oder es bleibt zumindest im scifi- und naiv-fantasyhaften belassen.
In Reine Fellsache darf man hingegen einen überaus cleveren Waschbären erleben, der zwar nicht spricht, dafür aber mit genialischen Streichen - die man sich erstmal ausdenken können muss - dem armen menschlichen Protagonisten das Leben zu Hölle macht. Tatsächlich spricht keines der Tiere in Reine Fellsache, stattdessen kommen aber aus ihren Kehlen komische Laute, die fast an den frühen Donald Duck erinnern, der im eigentlichen Sinne auch nicht sprach. Überhaupt erinnert der Streifen durch seinen grundsätzlich sehr (klein)kindoptimierten Charakter an Produktionen aus dem Hause Disney, was fehlt ist aber der zugrundeliegende positive Charme, der diese Filme charakterisierte.
Symptomatisch für Frasers durchhängende Karriere erscheint dieses Machwerk: selbst der platteste Gag scheint nicht abgedroschen genug, um nicht gleich mehrfach verarbeitet zu werden. Neben dem offensichtlich auf-den-Waschbären-gekommenen Fraser gibt sich zudem Brooke Shields, deren Karriere auch nie einen wirklichen Zenit erreichte, die Ehre. Wahrscheinlich können sich aber die meisten ohnehin nur wegen ihrer halbkindlichen Nackedei-Auftritte aus Die blaue Lagune an die Schauspielerin erinnern, die in den letzten Jahren hauptsächlich in amerikanischen TV-Serien gastierte. Während Fraser sich aber zumindest hemmungslos der komödiantischen Selbstentleibung preisgibt, wirkt Shields Auftritt derart steif und hölzern, dass man über jede Minute froh sein darf, in der das peinliche Gemurkse ohne sie auskommt - und das will bei diesem Film wirklich etwas heißen.
Selbstverständlich darf man nicht außer Acht lassen, dass Reine Fellsache alles andere als ein Film für ein erwachsenes Publikum ist. Die avisierte Kernzielgruppe dürfte im Grundschulalter sowie leicht darunter liegen. Doch kann man sich durchaus fragen, inwieweit es überhaupt sinnig ist, Kindern solch eine unoriginelle Pampe vorzusetzen; selbst wenn sich die Kleinen beim tierischen Treiben möglicherweise vergnügen werden. Zumindest besitzt der Streifen etwas wie eine Ökobotschaft, wenn auch die kaum als ausreichende Legitimation angesehen werden darf, um solche Filme zu produzieren. Noch ein paar Streifen mehr von diesem Kaliber und selbst der Waschbär weigert sich mit Brendan Fraser zu drehen.