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A Single Man

(A Single Man, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

59%



Inhalt

George Falconer ist Literaturprofessor an der Universität in Los Angeles. Der gebürtige Brite ist homosexuell und lebt dies, soweit in den 60ern Jahren möglich, aus. Als sein Geliebter Jim bei einem Autounfall tödlich verunglückt, stürzt George in eine tiefe Krise. Er darf nicht einmal zur Beerdigung kommen, da Jims Eltern die Homosexualität ihres Sohnes nicht akzeptieren wollen. In dieser schweren Zeit steht seine gute Freundin Charlotte ihm zur Seite und bemüht sich, George von seinem Kummer abzulenken.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

59%

Jahrzehntelang ging das prüde Hollywood äußerst verklemmt mit dem Thema Homosexualität um. Schwule taugten allenfalls als Steilvorlage für Klamauk oder es musste schon mit dem Motiv eines tragischen Sterbeprozesses verbunden werden, um als seriöser Film Wertschätzung zu erfahren. Aber auf einmal scheint ein Ruck durch die Übersee-Filmlandschaft zu gehen. Ein neuer Trend? Mit A Single Man kommt wieder ein sogenanntes Schwulendrama in die Kinos, dessen tragende Motive Abschied und vor allem die große wahre Liebe sind. Stark gespielt, aber voller Romantikschwulst und nahe an der Unerträglichkeit in Todessehnsucht schwelgend.

Bild aus A Single Man Letztes Jahr erntete Sean Penn für seine Darstellung des schwulen amerikanischen Politikers Harvey Milk einen Oscar. Und dieses Jahr kommen fast zeitgleich mit I Love You Phillip Morris eine schwule Romantik-Dramödie und die Filmadaption des Romans von Christopher Isherwood, der vom letzten Tag im Leben eines homosexuellen Literaturprofessors handelt, in die Kinos. Das Regiedebüt von Tom Ford, im früheren Leben einmal Gucci Designer, A Single Man erntete diesjährig bereits drei Golden Globes und gilt als ernstzunehmender Oscar-Kandidat. Es scheint sich möglicherweise zu bewahrheiten, dass es in Hollywood ausreicht, als Heterosexueller einen Schwulen mit tragischem Schicksal darzustellen, um einen Oscar einzuheimsen. Bei Tom Hanks und Sean Penn ging die Rechnung mit Philadelphia und Milk jedenfalls bereits auf.

Der stets adrette und leicht distinguiert wirkende britische Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth) lebt souverän seine Homosexualität; etwas, was 1962 eher an eine Utopie gemahnt. Für sein Alter - immerhin 52 Jahre - sieht er noch hervorragend aus und ist auch bestens in Form. Viele Jahre lebte er mit seinem deutlichen jüngeren Geliebten eheähnlich zusammen. Ein tragischer Verkehrsunfall entriss ihm aber diesen. Diesen Verlust kann er nicht verwinden. Das Leben, das er so schätzte und die lasziven Seiten, denen er sich außerhalb des Campus hingab, haben ihren Geschmack für ihn verloren. Er hat die Liebe seines Lebens verloren, und nichts macht mehr wirklich Sinn. Zeit vielleicht, sich selbst auf die Reise zu machen?

Vordergründig handelt der Film vom Abschiednehmen. Dieses Motiv zieht sich sogar dramaturgisch auf die eine oder andere Weise als roter Faden durch den Film; aber es stellt nicht das wahre emotionale Zentrum dar: Der Verlust und der Umgang mit diesem stehen im Mittelpunkt. Und als richtungweisendes Motiv vor allem die einzig wahre Liebe, die möglicherweise nur einmal das eigene Leben kreuzt. Strenggenommen ist damit auf der Gefühlseite der Plot auch schon nahezu komplett skizziert. Es gibt zwar noch ein paar Nebenkriegsschauplätze; darunter eine mehr als skurrile Pseudoaffäre zwischen George und seiner besten Freundin Charlotte (Julianne Moore). Ehemals hatten die beiden sogar einige intime Erfahrungen miteinander, inzwischen treffen sie sich aber nur noch, um gemeinsam ihre Einsamkeit im Alkohol zu ertränken und sich gegenseitig etwas Trost zu spenden.

Erzählerisch fügen diese Momente der eigentlichen Handlung nichts hinzu. Ganz im Gegenteil, wirken sie im Vergleich zum reduzierten fast gemächlichen Rhythmus eher überdreht - teilweise sogar hysterisch. Was diese Szenen wirklich sollten, können vermutlich nur die Macher des Films beantworten. Ein wenig lockern sie auf jeden Fall die schwülstige Melancholie auf, die den Film sonst weitestgehend prägt. Colin Firth fügt sich allerdings perfekt in seine Rolle und in diese Stimmung ein. Extrem zurückgenommen und mit sparsamsten Mitteln entwickelt er seine Filmfigur und verleiht ihr ein Innenleben und die notwendige Glaubwürdigkeit. Schauspielerisch bewegt sich Firth dabei durchaus auf Augenhöhe mit den meisten Topschauspielern aus Hollywood. Auf der anderen Seite wimmelt der Streifen aber auch von Klischees. Sie sind regelrecht Teil des Gesamtdesigns, das wie aus einem Hochglanz-Modejournal entlehnt anmutet. Auch hier gibt sich Firth keine Blöße: Man kann sich kaum erinnern, ihn jemals in einer besseren physischen Verfassung gesehen zu haben.

Als größtes Plus des Films kann aber vor allem angesehen werden, dass er auch einen Einblick in das damalige Annäherungs-Verhalten homosexueller Männer gewährt. Seinerzeit war ein öffentliches Bekennen und Ausleben dieser sexuellen Ausrichtung gesellschaftlich schlichtweg unmöglich. Natürlich gab es auch damals Orte und Clubs, in denen die Wahrscheinlichkeit höher war, ein gleich ausgerichtetes Pendant zu finden. Man bediente sich aber einer geheimen und regelrecht "kodifizierten" Abfolge von Signalen, die dazu diente, genau abzuchecken, ob das Gegenüber gleich gesinnt war. Das zu beobachten ist schon sehr interessant - gerade als Heterosexueller. Zwischen Mann und Frau ist "das Spiel" schließlich doch etwas anders: Irrt man in der Annahme, dass die Erwählte einen ebenfalls anziehend findet, gibt es halt einen Korb und nicht möglicherweise einen stinksauren Kerl und ein unfreiwilliges öffentliches Outing.

Trotz dieser Einblicke und der exzellenten schauspielerischen Leistung Colin Firths birgt A Single Man aber zu viel von einer äußerst schwermütigen Geschichte voll von romantischem Kitsch und Schwulst in sich. In Kombination mit dem Motiv der "unsterblichen Liebe" und deren Verlust wirkt der Film wie ein hochstilisierter Gegenentwurf zu der sonst oft als promisk verschrieenen Homosexuellenszene. In den 1980ern wäre das vielleicht noch spektakulär gewesen. Und das regelrecht überkandidelte und auf Perfektion getrimmte Design verstärkt zusätzlich noch den Eindruck eines Tagtraums aus dem "Gay-Katalog". Insgesamt mangelt es dieser unterkühlten Abschiedsgeschichte schlichtweg an Erdung, was das Mitfühlen nicht eben erleichtert. Vor allem in Punkto Todespoesie und Sehnsucht wird es gar zu weit getrieben. Hierfür muss man dann aber schon wirklich eine Vorliebe haben, ansonsten wird man mit dem Film nicht glücklich werden.

Keine weitere Wertung


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