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Was haben der legendäre Hüftschwung von Elvis, das bekannte Smiley-Icon und John Lennons Imagine gemeinsam? Nichts? Falsch gedacht. Alle drei Dinge wurden von demselben Mann inspiriert: Der Mann heißt Forrest Gump, im gleichnamigen Film durch eine herausragende und zu Recht Oscar-prämierte Darstellung von Tom Hanks zum Leben erweckt. Nachdem man einen kurzen Blick auf diesen unscheinbaren Gesellen mit der eigenwilligen Sprechintonation geworfen hat, würde man nicht unbedingt vermuten, dass er dazu fähig wäre überhaupt irgendetwas auf die Beine zu stellen. Er ist ungebildet, naiv, ein wenig vertrottelt und sein IQ-Level tummelt sich irgendwo im unterdurchschnittlichen Bereich. Forrest ist das egal. Dem Schicksal auch. Denn aus irgendeinem Grund - vielleicht aus Mitleid, vielleicht als Belohnung für seine liebenswerte Art - greift es ihm unter die Arme wo es nur kann.
Forrest Gump, das ist die hochgradig fiktive und geradezu märchenhafte Biographie eines Mannes, für den das Leben wie eine Pralinenschachtel ist: You never know what you gonna get. Und der TV-abhängige Schokoladenkonsument kennt das vielleicht bereits aus der Werbung: Man weiß nie, welche Pralinen man verschenken soll, da sich darunter immer welche befinden, die dem Beschenkten vermutlich nicht schmecken werden. Aber wer auch immer die Mischung für Forrest Gump ausgewählt hat, hat das so gut hinbekommen, dass sich darunter fast nur die Crème de la crème des Lebens befindet. (Von gelegentlichen Missgeschicken wie verfrühter Ejakulation einmal abgesehen.)
Als Kind von den Mitschülern wegen seiner scheinbaren Dummheit und der Beinschienen traktiert, kann er sich im Notfall immer auf die bedingungslose Liebe und Unterstützung seiner Mutter (Souverän: Sally Field) verlassen, die mit sprichwörtlich allen Mitteln den Weg ihres Sohnes in die Zukunft freikämpft und -schläft. In der kleinen Jenny, später dargestellt von Robin Wright, findet er eine Freundin, die ihn auf seinem Lebensweg noch viele Jahre begleiten wird. Gefeierter Football-Star, Kriegsheld in Vietnam, wahrer Aufklärer der Watergate-Affäre, Ping-Pong-As mit übermenschlicher Reaktion, ein Shrimpfischer, der selbst Captain Iglo Ehrfurcht einflößen würde, bejubelter Starredner trotz defekten Mikrophons, das alles ist Forrest Gump.
Regisseur Robert Zemeckis lässt uns durch die Augen des Forrest Gump einen Querschnitt durch etwa drei Jahrzehnte amerikanischer Geschichte erleben, indem er seine Hauptfigur, auf einer Parkbank auf den Bus wartend, ihre Lebensgeschichte erzählen lässt. Dabei findet gelegentlich real existierendes aber manipuliertes Archivmaterial Verwendung, in welches Tom Hanks mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail digital eingefügt wurde, so dass er John F. Kennedy dann schonmal mitteilt, dass er Druck auf der Blase verspürt oder Lyndon B. Johnson seinen nackten Hintern inclusive Kriegsverwundung entblößt. Gump ist bei alledem der Ruhepol, das Auge des Tornados, um den herum sich die Welt verändert und die Historie ihre unvorhersehbaren Kapriolen schlägt, während er auf einer sanften Brise der Vorhersehung von einem Ort und Erfolg zum nächsten getragen wird.
Jenny gerät indessen in das vermeintlich befreiende Chaos der Flower-Power-Bewegung und gleitet ab in den Drogensumpf, was nicht ohne Folgen bleibt. In der Army lernt Forrest seinen besten Freund Bubba (Mykelti Williamson) und Lieutenant Dan Taylor, gespielt von Gary Sinise, kennen. Während sich in der Figur des Forrest Gump das idealistische und unschuldige Amerika widerspiegelt, findet der Verlust dieser Unschuld in Lieutenant Dan seine Verkörperung: Seelisch und körperlich verkrüppelt geht er aus dem Vietnam-Krieg hervor, frustriert darüber, das glorreiche Schicksal des Heldentodes seiner Ahnen nicht geteilt zu haben und zunächst nicht fähig sein Leben in diesem Zustand fortzuführen, erhält letztlich auch er durch Forrest neuen Lebensmut.
Technisch ist der Film hevorragend umgesetzt: Zemeckis' Regie, ausgeklügelte Kameraarbeit, gut gewählte Schnitte, der Score von Alan Silvestri und auch die sinnvoll eingesetzten Spezialeffekte spielen alle harmonisch zusammen. Inhaltlich ist die Geschichte ein zweischneidiges Schwert: Forrest Gump stellt in erster Linie die Frage nach dem Schicksal: Warum passieren und die Dinge, die uns passieren, warum passieren sie gerade uns und was kann man selbst dazu beitragen um das Blatt, das uns ausgeteilt wurde, möglichst gewinnbringend auszuspielen. Die Antwort, die der Film darauf gibt, ist ebenso einfach wie naiv: Packe die Dinge mit den besten Absichten an und versuche ein guter Mensch zu sein, dann wird schon nichts schiefgehen.
Alle Hobby-Zyniker werden es natürlich besser wissen: Das Leben ist nicht immer nur eine Pralinenschachtel, manchmal gilt auch: Life's a bitch. Man weiß natürlich trotzdem nicht, was man bekommt. Aber stellen wir uns nur einmal für eine Sekunde vor, wir wären so wie Forrest Gump: Keine bösen Absichten und Hintergedanken, die unsere Taten begleiten, kein Hass - nur die kindliche Naivität und das Gute in unseren Herzen. Wir wären vielleicht dümmer, vielleicht aber auch zufriedener. Sollte einem als Zuschauer diese Vorstellung gelingen, kann man sich in eine alternative Realität entführen lassen und den Film als bezauberndes Märchen genießen, das einige wirklich tolle "Magic Moments" bereit hält. Dann sieht man in Gump vielleicht auch nicht mehr nur den Dummkopf, sondern erkennt einen wahrhaft glücklichen Menschen. Für alle anderen wird es vermutlich nur ein langweiliger Film über einen unterbelichteten Trottel bleiben. |