Der mit dem Wolf tanzt war der Überraschungsblockbuster aus dem Jahre 1991. Kein Wunder, denn Kevin Costners Erstling ist ein episches Meisterwerk mit einer ergreifenden Geschichte, großartigen Bildern und einer einnehmenden Atmosphäre. Kein Wunder also, dass dem Erfolg an den Kinokassen ein Preisregen mit unter anderem 7 Oscars folgte.
Die Vorzeichen standen für Kevin Costners Regiedebüt alles andere als gut: Das Westerngenre war bereits ausgestorben und als dann auch noch das Budget weit überzogen wurde, machte man sich schon im Vorfeld über Costners Projekt lustig und war sich sicher, dass es wie Michael Ciminos Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel einen Platz als einer der größten Box Office Flops aller Zeiten inne haben würde. Doch Costner gab sein Herzensprojekt nicht auf, steckte eigenes Geld in den Film und der Rest ist Geschichte: Der mit dem Wolf tanzt gewann 7 Oscars, darunter auch die wichtigste Statue für den besten Film und spielte sensationell, bei Produktionskosten von ungefähr 22 Millionen Dollar, weltweit knapp 425 Millionen ein.
Als Leutnant John Dunbar seinen neuen Posten besetzen will, findet er nur ein verwüstetes Fort vor, das außer Einsamkeit nichts zu bieten hat. Schnell beginnt er jedoch seine Umgebung zu erkunden und findet mit einem Wolf, sowie den eingeborenen Indianer erste Nachbarn. Die Neugier beider Seiten veranlasst Dunbar und den wissbegierigen Kicking Bird zur ersten Kontaktaufnahme. Nach anfänglichen Zweifeln verbindet die beiden eine respektvolle Freundschaft. Doch wie würde die Armee reagieren, wenn sie von Dunbars Annäherungen an den Feind erfährt?
Auch wenn sich Costner nicht dem Wunsch des Studios beugte, seinen Film auf eine Laufzeit von maximal 140 Minuten zu bringen, musste er Kompromisse eingehen und kürzte seinen knapp vierstündigen Film für die Kinofassung auf eine Spielzeit von 183 Minuten. Schon damals konnte die ergreifende Geschichte von John Dunbar gefallen, doch richtig zu entfalten weiß sie sich erst in dem inzwischen erhältlichen Director's Cut. Gerade in dieser Fassung zeigt Der mit dem Wolf tanzt ausführlich auf authentische Art und Weise das Leben der Indianer, ihre Bräuche und ihren Umgang mit der Außenwelt. Dabei fühlt sich der Zuschauer selbst wie eine Art Besucher der Sioux, auch weil die Glaubwürdigkeit, dank einiger kompromissloser Szenen und dem unerwarteten Ende, über die komplette Laufzeit hochgehalten wird.
Es ist zudem kaum zu glauben, dass es sich bei Der mit dem Wolf tanzt um ein Regiedebüt handelt. Mit welcher Wucht Costner seinen epischen Film in Szene setzt, ist nur als grandios zu bezeichnen. Seine ruhige Inszenierung wird sicherlich nicht jedermanns Sache sein, doch trägt sie enorm zur hervorragenden Atmosphäre bei. Die wundervoll eingefangenen Landschaftsaufnahmen, das Setting bei den Indianen, wie auch den einprägsamen, melodischen Score wird man nach Sichtung so schnell nicht wieder vergessen können.
In Sachen Darstellerleistung scheiden sich bei Kevin Costner oftmals die Geister. Die einen sehen ihn vor allen Dingen wegen seiner vielen RomComs als 08/15-Darsteller an, vergessen jedoch, dass er gerade im Westerngenre oder auch zuletzt in Mr. Brooks - Der Mörder in Dir in einer Rolle richtig aufgehen kann. Der Charakter des John Dunbar scheint jedenfalls prädestiniert für ihn und daher verwundert seine gute Leistung in diesem Werk keineswegs. Dennoch wird er von Graham Greene noch in den Schatten gestellt. Mit welcher Leinwandpräsenz er den neugierigen, wissbegierigen, fast väterlichen Indianer darstellt, ist schon beeindruckend.
Die vielen Oscars sind für Der mit dem Wolf tanzt sicherlich nicht unverdient. Kevin Costner schuf hier ein episches Meisterwerk, welches vor allen Dingen in der vierstündigen Langfassung erst richtig zur Geltung kommt. Wer also zu den wenigen Personen gehört, die dieses Werk noch nicht kennen oder es erstmals in atemberaubender Bildqualität genießen möchte, der sollte schnellstens zur BluRay der Jubiläumsedition greifen.