Dass ein hervorragender Bösewicht und eine stylische Inszenierung nicht alles ist, beweist Regisseur Richard Jobson in diesem Manhunt-Thriller. Statt für notwendige Spannung zu sorgen, wird die genreübliche Geschichte Punkt für Punkt ohne jegliche Überraschungen abgehandelt und dabei auch noch vergessen, die notwendigen Actionszenen einzustreuen.
Seit uns 1932 Irving Pichel und Ernest B. Shoedsack in Graf Zaroff - Das Genie des Bösen das erste Mal ins sogenannte Manhuntgenre entführten, sind viele Jahre vergangen. Auch heute noch gibt es zahlreiche Variationen, wie aktuell beispielsweise The Tournament, wodurch sich diese Art von Film als beliebtes Genre unter den Actionfans erweist. Nun kommt mit der britischen Variante New Town Killers ein weiteres derartiges Werk in die deutschen Videotheken und weckt bei Freunden des Genres natürlich große Erwartungen.
12 000 Pfund Schulden hat die Schwester des jungen Jamie Stewart. Da kommt es natürlich wie gerufen, dass zwei mysteriöse Männer ihm auf der Herrentoilette einen Deal anbieten: Er bekomme das Geld, wenn es ihm gelingen würde, sich 12 Stunden vor ihnen zu verstecken. Hört sich einfach an und so geht er den Handel mit den zwielichtigen Gestalten ein. Noch ahnt er nicht, dass eine Niederlage den sofortigen Tod bedeuten würde.
Die besten Filme dieses Genres sind meist diejenigen, die den Zuschauer ohne jegliches Vorgeplänkel ins Geschehen werfen. Hier macht New Town Killers einen großen Fehler, dauert es doch einige Zeit bis das heiß erwartete Spiel in Gang gesetzt wird. Doch auch dann ärgert sich der Zuschauer über die Handlungsarmut, die kaum Wendungen vorweisen kann, nur leidlich spannend ist und das oftmals unsinnigen Verhalten der Charaktere.
Zumindest inszenatorisch gelingt es Regisseur Richard Jobson den Karren einigermaßen aus dem Dreck zu ziehen. So verlieh er seinem Film eine stylische Note, die an beste Film Noir Zeiten erinnert und bisweilen auch einige gelungene Schnittfolgen zu bieten hat. Hinzu kommen noch eine gute Musikuntermalung sowie einige inszenatorische Spitzen, wie beispielsweise die Szene mit den Kindern und der Spielzeugpistole. Leider sind diese Momente nur rar gesät und sorgen gerademal für kurze Höhepunkte in dem ansonsten inhaltsarmen Film.
Wer noch Mission: Impossible 2 im Hinterkopf hat, der dürfte sich daran erinnern, wie ein gewisser Dougray Scott sich als absolute Fehlbesetzung für eine Bösewichtrolle erwiesen hat. Hier jedoch wirkt er wie von einem anderen Stern, spielt seinen Killer süffisant und mit einer ungeheuren Spielfreude, so dass er zum eigentlichen Star des Filmes avanciert. Dagegen bleibt das Cast um Hauptdarsteller Alastair Mackenzie erstaunlich blass, fällt in nahezu jeder Szene gegen den herrlich chargierenden Scott ab.
Regisseur Richard Jobson hat es verfehlt seinen Film für die Zielgruppe schmackhaft zu machen. Diese möchte schnell mitten im Geschehen sein und bei einer Manhunt-Story auch die nötige Portion Action geliefert bekommen. Hier versagt New Town Killers auf ganzer Linie, ist es doch inhaltlich nie mehr als ein übliches Genrevehikel und vergisst dabei in seiner durchaus atmosphärischen Umgebung die notwendigen Actionszenen einzustreuen. Da kann auch ein hervorragend aufgelegter Dougray Scott als Bösewicht den Karren nicht im Alleingang aus dem Dreck ziehen.