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Ein Prophet

(Prophete, Un, 2009)

Dt.Start: 11. März 2010 Premiere: 16. Mai 2009 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 155 min Land: Frankreich, Italien
Darsteller: Tahar Rahim (Malik El Djebena), Niels Arestrup (César Luciani), Adel Bencherif (Ryad), Hichem Yacoubi (Reyeb), Reda Kateb (Jordi), Jean-Philippe Ricci (Vettori), Gilles Cohen (Prof), Antoine Basler (Pilicci), Leila Bekhti (Djamila), Pierre Leccia (Sampierro), Foued Nassah (Antaro), Jean-Emmanuel Pagni (Santi)
Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Thomas Bidegain, Jacques Audiard


Inhalt

Malik ist erst 19, als er für sechs Jahre ins Gefängnis muss. Dort fristet der junge Analphabet anfänglich ein Schattendasein. Erst als der korsische Mafiapate Cesar Luciano Malik zwingt, einen Mithäftling zu ermorden, wendet sich das Blatt. Fortan nimmt Luciano ihn unter seine Fittiche. Unter dem Einfluss des Paten, der wie ein Vater für ihn wird, lernt Malik lesen und schreiben und beherrscht bald sogar die korsische Sprache. Ein unaufhaltsamer und blutiger Aufstieg in der Mafia-Hierarchie beginnt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ein Prophet hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Ein Prophet hat eine Wertung von 75%
Vielschichtige Gangsterepen kennt man sonst eher aus Übersee. Umso erfreulicher, wenn Europa mit einem Film aufwarten kann, der sich nicht zu verstecken braucht und in mancher Hinsicht sogar Maßstäbe setzt. Ein Prophet zelebriert beklemmend die verbrecherische Weihe, die ein junger Mann im Gefängnis erfährt. In der Spiegelung dieser kriminellen Strukturen, welche nicht nur schockierend sind, sondern in der nüchternen Qualität der Darbietung auch völlig neue Einsichten ermöglichen, erreicht der Film eine Tiefe, die vielen anderen Produktionen völlig abgeht. Aufwühlendes Meisterkino, das guten Gewissens zu empfehlen ist.

Bild aus Ein Prophet Vom kleinen Vorstadtkriminellen zum Paten im organisierten Verbrechen. Das ist in aller Kürze die Kerngeschichte von Ein Prophet. Und wo bekommt man eine hervorragende Ausbildung zum Kriminellen völlig gratis? Auf der Straße, bei der Mafia? Ganz falsch, im Knast natürlich! Gerade mal 19 Jahre alt ist Malik El Djebena (Tahar Rahim) als er eine sechsjährige Haftstrafe aufgebrummt bekommt. Der junge Franzose arabischer Abstammung kommt in ein Gefängnis, das von einem Teil der korsischen Mafia kontrolliert wird. Araber können die überhaupt nicht gut leiden. Chef dieser Verbrecherorganisation ist Cesar Luciano (Niels Arestrup), er hätte vielleicht als Handlanger und Lakai Verwendung für Malik. Doch das kostet eine Kleinigkeit.

Malik hat die Wahl: Entweder er unterwirft sich Cesar oder es gibt keinen, der ihn in diesem Gefängnis vor Übergriffen schützen wird. Als erstes soll er einen anderen Häftling umbringen; sozusagen als Beweis für seine Unterwerfung. Der Mord gelingt, wenn auch die Ausführung zur stümperhaften Bluttat gerät. Immerhin wird Malik jetzt von Cesar und seinen Kumpanen toleriert und genießt Schutz. Dafür muss er Botengänge und Aufträge für die Korsen erledigen. Irgendwie hat Cesar insgeheim für den jungen Malik sogar etwas wie väterliche Sympathie übrig. Trotzdem demütigt er ihn bei jeder Gelegenheit und gibt ihm zu verstehen, dass er zwar geduldet ist, er aber keinesfalls das Recht hat, den Korsen auf Augenhöhe zu begegnen.

Mit der Zeit wachsen aber das Vertrauen und der Respekt Cesars soweit, dass er Malik, als dieser als Freigänger tagsüber das Gefängnis verlassen darf, auch Aufträge in der "Außenwelt" überträgt. Malik nutzt indes all diese Zeit des Emporsteigens der Verbrecherhierarchie-Leiter, um seine eigenen kriminellen Planspiele voranzutreiben. Bald wird seine Zeit kommen. Ein Prophet ist ein Gangster- und Knastepos allerbester Manier. Es ist zum großen Teil sogar derart klassisch, dass es im positiven Sinne regelrecht oldschool anmutet. Der Streifen kann und will auch gar nicht seine stilistischen Anleihen bei den großen gedanklichen Vorbildern des italo-amerikanischen Mafiafilms verleugnen.

Neu ist allerdings - und hier gleitet der Film eindeutig in die Kunstebene ab, was das Verständnis nicht gerade fördert - dass zusätzlich eine transzendent-übersinnliche Ebene etabliert wird: Malik erscheint seit dem ersten Mord in diesem Gefängnis immer wieder das Opfer. Diese Erscheinung gerät regelrecht zur beratenden Instanz, mit der Malik seine Geschicke und Pläne durchdiskutiert. Das ist für einen typischen Knastfilm sicherlich mehr als ungewöhnlich und lässt durchaus rätseln, wo und wie man diese Projektion aus Maliks Unterbewusstsein - es sei denn, man entscheidet sich dafür, diese tatsächlich als Geistererscheinung zu akzeptieren - genau einzuordnen hat. Ein wenig erinnert dieser inszenatorische Kniff an die Erscheinung in Johanna von Orleans, die Jean D'Arc während ihres Aufenthalts im Verlies begleitete.

In anderer Hinsicht ist dieser Streifen aber ein vorbildhaft inszeniertes Gangsterepos, das sich in seiner Dramaturgie keinerlei Blöße gibt. Von Beginn an zieht die Handlung hypnotisch in ihren Bann, und obwohl sich durch den teilweise gemächlichen Aufbau sogar einiges an Längen einstellt, fällt die Grundspannung wenig ab. Dass Gewalt in solch einer Geschichte nicht fehlen darf, ist prinzipiell auch klar: In diesem Punkt kann man dem Film ebenfalls keinerlei mangelnde Konsequenz nachsagen. Ganz im Gegenteil, birgt die hyperrealistische Darstellung einiger Szenen sogar solch erschreckende Realität, dass man nicht allzu zart besaitet sein sollte.

Insgesamt präsentiert sich Ein Prophet als meisterhaftes europäisches Kino, das sich hinter keiner Produktion aus der Traumfabrik Hollywoods zu verstecken braucht. Es mag zuweilen etwas bizarr und surreal erscheinen, ein klassisches Gangsterepos mit Elementen zu kombinieren, die eher in Genrevertretern des "Magischen Realismus" zu erwarten wären. Aber das sind Nuancen, die sich einer eindeutigen Bewertung weitestgehend entziehen. Negativ fällt aber ein wenig ins Gewicht, dass die zähe Erzählstruktur und die Länge des Films an sich, einiges an Geduld abnötigen. Die mitzubringen, lohnt sich aber durchaus. Für Fans des Genres zumindest ist dieser Film beinahe schon eine Pflichtveranstaltung.



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