Von Gigantomanie geplagte Superbösewichter brauchen auch ebensolche Pläne. Was läge da für den größten aller Schurken näher, als den Mond vom Himmel zu stehlen? Problematisch allerdings, wenn noch jemand anderes existiert, der genauso durchgeknallt ist und ebenfalls den Titel des Topschurken für sich beansprucht. Humoriger Spaß für Jung und Alt, der nicht ausgesprochen durch eine besonders kreative Story glänzt, aber mit einer Gagkanonade den Spaßfaktor hochhält.
Animationsfilme eignen sich besonders gut, um im 3D-Format umgesetzt zu werden. Bevor es regelrecht epidemisch üblich wurde, alles, ob nun Fantasy-Spektakel á la Kampf der Titanen oder Dance-Act im Stile von Step Up 3D, in die dritte Dimension zu befördern, waren es Trickfilme, welche nahezu ausschließlich dieses Terrain für sich beanspruchten. Inzwischen kommt kaum eines der größer ambitionierten Animationsabenteuer mehr ohne diese zusätzliche visuelle Ebene aus.
In einem Stil, der Erinnerungen an Incredibles - Die Unglaublichen weckt, gelangt nun Ich - Einfach Unverbesserlich in die Kinos. Als Produzent dieses Spektakels zeigt sich Chris Meledandri als Produzent verantwortlich, der bereits Ice Age, Ice Age 2 - Jetzt taut's und Horton hört ein Hu! realisierte. Anders aber als bei Incredibles - Die Unglaublichen, die mit ihrer offensichtlichen James Bond-Hommage sowie diversen Sidekicks und Gags, welche ausschließlich Ältere verstehen können, es prinzipiell auf ein überwiegend erwachsenes Publikum abgesehen hatten, versucht Ich - Einfach Unverbesserlich den Spagat, um Jung und Alt gleichermaßen für sich zu gewinnen.
Im Zentrum der Geschichte befinden sich zwei Erzbösewichter, regelrechte Superschurken, die zwar nicht unmittelbar über Superkräfte verfügen, aber - wie es sich für ordentliche Megakriminelle gehört - stets die Ambition haben, es der ganzen Welt zu zeigen. Gru ist ein großgewachsener Typ, mit einer langen spitzen Nase und einem furchteinflößenden Haifischgrinsen. Sein Motto lautet: Jeden Tag eine böse Tat!, sei es der ganzen Menschheit den Tag zu vermiesen oder einem kleinen Jungen einen Riesenschrecken einzuflößen. Sein düsteres Haus liegt inmitten einer Vorstadtidylle. Das bewohnt er gemeinsam mit einer bizarren Kreatur, die er als "Hund" ansieht, mit ihrem überdimensionierten Piranhagebiss erinnert das Wesen aber nur entfernt an einen solchen.
Richtig interessant wird es, wenn sich Gru ein paar (hundert) Etagen tiefer begibt. Dort wartet Dr. Nefario, eine Art "Anti-Q", der ständig an unheilvollen Erfindungen tüftelt. Außer ihm findet sich dort noch eine kleine Armee williger gelber Helfershelfer; kleine koboldartige Wesen, sogenannte Minions, von denen es zwei Varianten gibt: eine mit einem Auge und eine andere mit zwei. Rein äußerlich wecken diese Wesen Assoziationen an das gelbe Döschen im inneren eines Ü-Eis und sie brabbeln ständig in einem kaum verständlichen Kauderwelsch. Grus Widersacher, Vector, bewohnt hingegen eine hochgerüstete Hitech-Villa und erinnert irgendwie an einen Mike-Myers-Klon. Er hat beschlossen, nachdem ihn Gru einmal kaltstellte, es ihm heimzuzahlen und ihm den Rang als Topbösewicht abzulaufen. Als erstes schnappt er ihm erst mal den Schrumpfstrahler vor der Nase weg, mit dem Gru Gewaltiges vorhatte.
Außerordentliche Schurken brauchen nun mal unvorstellbare Ziele und so ringen Gru und Vector in Ich - Einfach Unverbesserlich darum, wer den Mond vom Himmel zu holen vermag. Um das Ganze aber nicht zu einem seelenlosen Schurkenschaulaufen zu degradieren, gibt es da noch drei weitere Hauptfiguren; drei kleine Waisenmädchen, die ganz dringend auf liebe Adoptiveltern hoffen. Für Gru sind sie zunächst nur Mittel zum Zweck, doch schon bald beginnt er sie in sein (schwarzes) Herz zu schließen. Eine richtige Story existiert im Prinzip aber nicht, was vielleicht das größte Manko des Streifens darstellt. Gag für Gag reiht sich aneinander, wobei die Schurken eher für die "erwachsene Komik" verantwortlich sind: beispielsweise als Gru in der Bank des Bösen um einen Kredit für die Finanzierung seiner Schurkereien bittet und unter dem Banknamen Ehemals Lehman Brothers zu lesen steht; solche Anspielungen sind mit Sicherheit nicht für die lieben Kleinen gedacht.
Für die jüngere Fraktion gibt es dafür reichlich Slapstickeinlagen, 3D-CGI-Spektakel und, nicht zu vergessen, die gelben Lemminge, die für eine ordentliche Portion Gags verantwortlich sind - wenn sich dabei auch mitunter gerne halbsuizidal in die Luft gesprengt wird. Damit erschöpft sich dieses humorige Schaustück leider schon weitestgehend, dass mit dem Mangel an gut ausformulierter Geschichte und der nicht eindeutigen Orientierung, ob eher für Jung oder Alt, niemals die Qualität von Incredibles - Die Unglaublichen oder anderer Animationsabenteuer wie Monsters vs. Aliens zu erreichen vermag.