Die fiktive Dokumentation über den Alltag eines Mörders ist längst Kult. Das verdankt der Film nicht nur seinem originellen Titel und seinem grandiosen Hauptdarsteller, sondern vor allem dem extrem schwarzen Humor, der sich durch das insgesamt recht makabere Filmvergnügen zieht. Wer sich auf innovative Filme einlassen kann und nicht empört den Fernseher aus dem Fenster schmeißt, wenn er sieht, wie ein Kind erstickt wird, während ein Filmteam seinen Mörder interviewt, muss sich diesen Film ansehen.
In regelmäßigen Abständen kommt aus Belgien ein Film, der seinen Zuschauern besonders im Bezug auf Gewaltverträglichkeit einiges abverlangt und trotzdem, oder gerade deshalb, recht schnell zum Kultfilm avanciert. Besonders charakteristisch ist bei diesen Produktionen der eigenwillige, tiefschwarze Humor, der sogar den einiger eben dafür populärer dänischer Filmproduktionen wie In China essen sie Hunde oder Adams Äpfel in den Schatten stellt. So war es in nicht allzu ferner Vergangenheit der bösartige Ex Drummer, der verwirrte und verstörte Filmfreunde mit einem psychopathischen Grinsen und einem unangenehmen Kitzeln im Magen vor den Bildschirmen zurückließ. Mann beißt Hund konnte das so ähnlich auch schon gut fünfzehn Jahre zuvor und eben das trug auch dazu bei, dass dieses Werk zum Kultfilm wurde.
Der Film ist ein klassischer Vertreter des Mockumentary-Genres. Ein Mockumentary simuliert eine Dokumentation, ist jedoch tatsächlich durchgehend konstruiert und in der Regel völlig fiktiv. Mockumentarys, zu denen im weiteren Sinne auch die Kulturperle Borat gehört, parodisieren realistische Themen und verzichten dabei in der Regel nicht auf üppige Portionen Sozialkritik. Mann beißt Hund ist nun also ein ganz klassischer Vertreter des Genres. Im Mittelpunkt steht hier Medien- und Sozialkritik und die gute alte Frage nach dem Verhältnis zwischen Moral und Unterhaltung. Der Grundgedanke ist dabei in etwa ein Mix aus dem Motiv des Serienkiller-Medienhypes aus dem drei Jahre später erschienenen Natural Born Killers, dem Schuldfragendilemma von Nackt und Zerfleischt und einer Prise Videodrome, zumindest im Bezug auf die Dimensionen, in die sich absurde Fernsehformate noch entwickeln können.
Die belgische Low-Budget-Produktion der drei Filmemacher Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoit Poelvoorde ist eine bizarre Charakterstudie eines Serienkillers. Wobei schwer zu sagen ist, was Benoit, der grandios von Benoit Poelvoorde (Asterix bei den Olympischen Spielen) verkörpert wird, definitionsgetreu nun eigentlich ist, Serienmörder, Massenmörder oder Raubmörder. Am ehesten ist er sicherlich ein Psychopath, der sich erfolgreich jeder Kategorisierung erwehrt. Paradoxerweise wird man als Zuschauer großteils Sympathien für den an sich recht arroganten und selbstgefälligen Protagonisten finden. Interessant ist allerdings, dass einem Benoit in der deutschen Synchronfassung sympathischer ist, als in der Originalfassung. In dieser überwiegt der Eindruck seiner Arroganz, wobei er dennoch, gerade auch wegen seines enormen Charismas, noch lange nicht unsympathisch ist.
Leider kommt Mann beißt Hund um einige kleine Längen nicht umhin, diese weiß er jedoch durch umso intensivere und zum Teil wunderbar satirische Szenen zu kompensieren, beziehungsweise den Zuschauer durch die extremen Tötungsszenen wieder wach zu rütteln. Der Film ist allerdings allein schon optisch teilweise recht fordernd. Die körnigen schwarz-weiß Bilder sind streckenweise verhältnismäßig kontrastarm und in einigen Szenen zu dunkel, was einerseits zwar eine sicherlich gewollte, düstere Atmosphäre erzeugt, zur Authentizität beiträgt und auch nicht untypisch für das Genre ist, im Gegenzug jedoch auch auf Dauer sehr anstrengend ist.
Trotz dieser verzeihbaren Schwächen ist Mann beißt Hund ein echter Leckerbissen den man sich nicht entgehen lassen sollte. Gerade in Anbetracht des offensichtlich geringen Budgets begeistert der enorme Ideenreichtum der Schöpfer, auch wenn diese oft kaum makaberer sein könnten.