Der Meister des Zombiefilms ist mit dem dritten Teil seiner Neu-Saga zurück. Diesmal schließt er seinen Protagonisten auf einer Insel ein, auf der eine alte Fehde zwischen zwei Clans tobt. Scheinbar haben diese, trotz der Toten die umherlaufen, nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig zu bekriegen. Absurd, makaber und zynisch wie man das von Romero gewohnt ist, der es darüber hinaus nicht lassen kann, seinen Film auch ein wenig als Westernparodie anzulegen. Diesmal aber scheint sein Genius das Ziel nicht getroffen zu haben. Der Film wirkt lasch und das nicht, weil es ihm an Gewalt mangelt. Die Mixtur ist schlichtweg nicht aufgegangen.
Wenn es um den Zombiefilm geht, fällt ein Name allerorts: Georg A. Romero. Er kann mit Fug und Recht als "Godfather of Zombiemovie" bezeichnet werden. Für manche gilt er sogar als einer der Begründer des modernen Horrorfilms schlechthin. Schon sein Erstling Die Nacht der lebenden Toten sorgte für Furore - und definierte das Genre inhaltlich wie selbstverständlich auch durch seine explizite Gewaltdarstellung völlig neu. Noch nie dagewesen war vor allem aber dieses besondere Augenzwinkern; Romeros makaberer Sinn für Humor und die süffisante Ironie, welche trotz aller Brutalität eine ganz neue Facette in den Vordergrund rückte.
Bei Romeros Filmen ging es nicht mehr plump darum, sich vordergründig zu gruseln. Dazu sind sie in sich schon derart überzeichnet - wirken oft regelrecht wie ein Comic - dass bestenfalls noch etwas Ekel aufkommen mag. Für eine schlafarme Albtraumnacht sind manche alten, atmosphärisch dichten Gruselklassiker höchstwahrscheinlich besser geeignet. Romero versteckt aber eine Botschaft in seinen Filmen: Es ist ätzend scharfe Zeitgeist- und Sozialkritik, die sich in seinen Werken wiederfindet und welche mit satirischen Scharfsinn unsere Gesellschaft aufs Korn nimmt.
Sein bekanntester Film ist vermutlich Dawn of the Dead, der die Geschichte einer Gruppe Überlebender erzählt, die sich auf der Flucht vor einer Zombiearme in einem Kaufhaus verbarrikadiert hat und sich dort nicht nur der Belagerung erwehren müssen, sondern auch untereinander beginnen, sich zu bekriegen. Ein Motiv, das Romero gerne einsetzt. Entgegen der These vieler Filmemacher, die in ihren Filmen oft Geschichten von völlig unterschiedlichen Menschen erzählen, die angesichts einer gemeinsamen tödlichen Bedrohung ihre Streitigkeiten begraben und sich bedingungslos beistehen, hält Romero am Schlechten im Menschen fest. Seine Figuren solidarisieren sich nur soweit, wie das ihr Maß an persönlichem Egoismus zulässt. Stets bleibt der Mensch in seinen Augen ein Raubtier, das sich sogar angesichts einer allgegenwärtigen tödlichen Bedrohung aus ureigensten niederen Motiven weiterhin gegenseitig zu zerfleischen bereit ist. Die Zombies hingegen töten nur, da sie ein unstillbarer Hunger nach Nahrung antreibt. Stellt sich die Frage, welche Spezies wohl die schlimmere ist?
Einige Jahre war es still um den Regisseur, Drehbuchautor, Produzenten und Schauspieler gewesen, bevor er im Jahr 2005 seiner eigenen Zombie-Saga mit Land of the Dead eine Art Reboot spendierte. 2007 folgte dann Diary of the Dead und nun gelangt, von den Fans bereits heiß ersehnt, Survival of the Dead in die Kinos. Die Story an sich lässt sich auf ein paar Sätze subsumieren: Die Toten wandeln wieder mal unter den Lebenden und fressen jeden, der ihnen über den Weg läuft. Ein paar wenige Überlebende gibt es indes schon: beispielsweise eine Gruppe Soldaten, denen durch eine Fügung ein Geldtransporter mit vier Millionen Dollar in die Hände gefallen ist. Und es gibt eine Insel vor der Küste von Delaware, auf der zwei schottisch/irisch-stämmige Clans beheimatet sind, die O'Flynns und die Muldoons, welche seit Jahr und Tag eine Privatfehde ausfechten. Dass nun die Toten umherwandeln, ändert daran wenig.
Patrick (Kenneth Welsh) der Chef, der O'Flynns wurde sogar unlängst von Shamus (Richard Fitzpatrick), dem Oberhaupt der Muldoons, von der Insel verbannt. Dieser hat im Gegensatz zu Patrick vor, der jedem Zombie auf der Stelle eine Kugel durch den Kopf jagen will, die Toten am Leben zu erhalten, um eines Tages möglicherweise eine Heilung zu finden. In der Zwischenzeit versucht er ihnen beizubringen, sich nicht von den Lebenden zu nähren, stattdessen vielleicht auf Tiere zurückzugreifen. Jetzt kehrt Patrick gemeinsam mit den Soldaten zurück und sinnt auf Rache. Die Soldaten geraten dabei alsbald zwischen alle Fronten: O'Flynns, Muldoons und allgegenwärtige Zombies. Und wieder einmal scheint sich zu bewahrheiten, dass am Ende die niedere Natur des Menschen obsiegen wird.
Es gehört zu Romeros typischer Absurdität, seinen Helden vier Millionen Dollar in die Hände zu drücken, inmitten einer Welt, die von den Toten beherrscht wird. Als ob Geld in dieser Apokalypse noch zu irgendetwas gut wäre. Dann zwei Clans, die eine uralte Vendetta ausfechten, deren wahren Grund längst alle vergessen haben. Vielleicht muss dann schon zwingend die eine Seite aus Prinzip für das Abschlachten der Zombies sein und die andere dagegen - so völlig abwegig das alles erscheinen mag. Hier treibt Romero sein Spiel mit der menschlichen Natur, wie er sie sieht und interpretiert, möglicherweise gar ein wenig zu weit. Das Resultat ist, dass er beinahe aus den Augen verliert originelles Spartenentertainment zu produzieren.
Es ist zwar durchaus noch die romero-typische Handschrift, die Survival of the Dead kennzeichnet, aber Plot und Dramaturgie bleiben diesmal wirklich auf der Strecke. Dem Film gelingt es zu keiner Zeit wirklich zu packen, geschweige denn zu fesseln. Selbst das Finale, das viel von einem klassischen Show-Down eines Western hat, vermag nur wenig zu entschädigen. Zu lahm war die ohnehin dünne Story im Vorhinein und brachte darüber hinaus viel zu wenig an neuen Elementen in das übliche Zombiefilm-Einerlei. Entweder der Regisseur beging einen ernsten kalkulatorischen Fehler, als er die Geschichte auf einer Insel ansiedelte, da die isolierte Situation wenig Unvorhersehbares möglich macht oder diesem Subgenre geht allmählich endgültig die Puste aus - sind doch schon dermaßen viele Filme über die wandelnden Toten inszeniert worden. Es bleibt abzuwarten, ob ein potenziell weiterer Teil aus des Meisters Hand darüber endgültig Aufschluss geben kann.