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Vorsicht Sehnsucht

(Les herbes folles, 2009)

Dt.Start: 22. April 2010 Premiere: 20. Mai 2009 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 103 min Land: Frankreich
Darsteller: André Dussollier (Georges Palet), Sabine Azéma (Marguerite Muir), Emmanuelle Devos (Josepha), Mathieu Amalric (Bernard de Bordeaux), Anne Consigny (Suzanne Palet), Michel Vuillermoz (Lucien d'Orange), Edouard Baer (Erzähler), Sara Forestier (Elodie), Nicolas Duvauchelle (Jean-Mi), Vladimir Consigny (Marcelin Palet), Dominique Rozan (Sikorsky)
Regie: Alain Resnais
Drehbuch: Christian Gailly, Alex Reval


Inhalt

Als Georges Palet die gestohlene Brieftasche der Amateurpilotin Marguerite Muir findet, löst dies sofort Interesse für die reife Frau bei ihm aus. Er stellt sich vor, wie sie lebt, wer sie ist und wie sie sich kennenlernen. Er gibt die Brieftasche zusammen mit seiner Telefonnummer bei der Polizei ab, woraufhin sich Marguerite bei ihm meldet, um sich zu bedanken. Interesse zeigt sie jedoch keines an dem Finder, was in ihm wiederum das Verlangen schürt. Es kommt schließlich doch noch zu einem Treffen der zwei reifen Menschen, welches ihr Leben gehörig durcheinander bringt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Vorsicht Sehnsucht hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 63%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Benjamin Schieler
Vorsicht Sehnsucht hat eine Wertung von 63%
87 Jahre und kein bisschen altersmüde. Der französische Regisseur Alain Resnais unternimmt mit seinem neuesten Film einen weiteren Ausflug in sein geliebtes Genre: die Welt menschlicher Beziehungen, in der die Grenzen zwischen Komödie und Drama permanent verschwimmen. Vorsicht Sehnsucht, im Original "Les Herbes Folles" (Die verrückten Kräuter), ist ein anfangs verspieltes, später surreales Werk, das den Zuseher letztlich verwirrt zurücklässt.

Bild aus Vorsicht Sehnsucht Der Schreck sitzt tief bei Marguerite Muir (Sabine Azéma). So tief, dass die Dame mit den feuerroten Haaren nicht einmal um Hilfe rufen kann, als ihr die Handtasche von einem rollschuhfahrenden Dieb entrissen wird. Wenig später entdeckt der ergraute Wunderling Georges Palet (André Dussollier) das Portemonnaie der Bestohlenen, öffnet es und verliebt sich in das Bild auf Marguerites Pilotenschein. Georges geht zur Polizei, hinterlässt beim zuständigen Beamten Bernard de Bordeaux (Mathieu Amalric, bekannt aus Schmetterling und Taucherglocke sowie als Bond-Bösewicht in Ein Quantum Trost) seine Rufnummer, wartet auf den Rückruf - und ist enttäuscht, als sich Marguerite zwar meldet und bedankt, sich aber nicht mit ihm treffen möchte. Georges stellt der Zahnärztin daraufhin nach, was diese zuerst bestürzt und abweisend reagieren lässt. Dann aber schmeichelt ihr die Hartnäckigkeit des älteren Gigolos doch.

"L'Incident" (Der Vorfall) heißt der Roman des in Frankreich hoch geschätzten Bestsellerautors Christian Gailly, auf dem Vorsicht Sehnsucht basiert. Mit eben diesem als banal bezeichneten Vorfall, dem Diebstahl der Handtasche, beginnt der Film. Altmeister Alain Resnais (Hiroshima Mon Amour, Letzes Jahr in Marienbad), der vor mehr als 60 Jahren mit dem Drehen begann, ließ sich vor allem von Gaillys Melancholie und seiner literarischen Musikalität begeistern. Der Autor ließ dem Regisseur für die Entwicklung völlig freie Hand. Die ersten Szenen wirken aufgrund ihrer Perspektive und dem Einsatz von Zeitlupen regelrecht verspielt, wecken eingebettet in wundervolle Bilder Hunger und Neugier auf mehr. Doch auf dieser Schiene fährt Resnais nicht allzu lange. Zügig lässt er seine von unerfüllten Sehnsüchten und dünner werdenden Hoffnungen getriebenen Protagonisten in eine absurde Handlung mit gewöhnungsbedürftigen Dialogen abdriften.

Dussolliers Figur Georges Palet schreitet dabei voran. Er wirkt wie ein Fremdkörper in seiner Welt. Zahlreichen Andeutungen zufolge hat er ein dunkles Geheimnis: seine kriminelle Vergangenheit. Er muss ständig darauf bedacht sein, nicht die Kontrolle über seine Gewalttriebe zu verlieren. Etwa dann, wenn er eine junge Frau sieht, die ihn mit ihrer durchsichtigen weißen Hose und der darunter befindlichen Reizwäsche provoziert. Die permanent unbekümmerte Ehefrau des Protagonisten oder Palets Gegenstück Marguerite Muir verlassen ihrerseits unbeirrt den Pfad der Logik.

Resnais hat präventiv auf diesen Vorwurf reagiert und darauf verwiesen, dass Surrealität keiner Logik bedürfe. Er entzieht sich dadurch gängigen Ansätzen der Kritik, was eine Bewertung des Stoffs erschwert. Ein wenig wirkt Vorsicht Sehnsucht wie eine Light-Version eines David-Lynch-Filmes, besonders am Ende, wenn dem Zuseher zwei Enden präsentiert werden, wobei das finale Ende zumindest im ersten Moment ungemeine Verwirrung, wenn nicht gar Ratlosigkeit stiften dürfte. Die Jury des 62. Filmfestivals von Cannes, wo Resnais Werk als Wettbewerbsbeitrag lief, hat sich davon offenkundig nicht verunsichern lassen. Sie zeichnete den Regisseur mit dem Spezialpreis der Jury aus.



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