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Siegburg

(Stoic, 2008)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 03. November 2009
Premiere: 11. November 2008 (USA)
FSK: ab 18 Genre: Drama
Länge: 80 min Land: Kanada
Darsteller: Edward Furlong (Harry Katish), Shaun Sipos (Mitch Palmer), Sam Levinson (Peter Thompson), Steffen Mennekes (Jack Ulrich)
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll


Inhalt

Harry, Jack, Peter und Mitch sind Zellengenossen und vertreiben sich ihre Zeit am liebsten mit Pokern. Als Mitch, eigentlich der stillste der Gruppe, vorschlägt, der Verlierer der nächsten Runde müsse eine Tube Zahnpasta essen, eskaliert die Situation. Denn Mitch selber verliert und die Zahnpasta bleibt nicht der einzige Einfall der Jungen, um den Verlierer zu "bestrafen".
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Siegburg hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 78%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Kurt Meinicke
Siegburg hat eine Wertung von 78%
Auf einer wahren Begebenheit basierend, ist Siegburg alles Andere als ein unterhaltsamer Film, den man sich mal eben so zum Vergnügen ansieht. Ganz im Gegenteil dazu zeigt Dr. Uwe Boll mit diesem Film einmal mehr die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Doch nicht nur der reelle Hintergrund sondern ebenso die erneut spezielle Inszenierung, sorgen für eine bisher selten erreichte und schonungslose Nähe zu den Geschehnissen, welche uns hier auf drastische Weise präsentiert werden.

Bild aus Siegburg Justizvollzugsanstalt Siegburg im Jahre 2006: ein junger Strafgefangener wird während 12 Stunden von seinen drei Zellengenossen erniedrigt, verprügelt, misshandelt, vergewaltigt und gefoltert. Von jeglichem Überlebenswillen verlassen, hilft er seinen Peinigern schlussendlich seinen eigenen Suizid darzustellen. Genau diese schreckliche Geschichte wurde mit Siegburg von Dr. Uwe Boll aufgegriffen und auf sehr direkte und kompromisslose Weise verfilmt, nachdem er auch das Drehbuch verfasst hatte. Was er also auch schon mit einigen seiner früheren Filme (Postal, Seed, 1968 Tunnel Rats) propagierte, wird nun zwar erneut aber dafür so effektiv wie noch in keinem anderen Werk von Uwe Boll aufgearbeitet: Der Mensch ist ein Monster!

Mitch Palmer (Shaun Sipos) sitzt im Gefängnis und teilt seine kleine Zelle mit Peter Thompson (Sam Levinson), Jack Ulrich (Steffen Mennekes) und Harry Katish (Edward Furlong). Schon bald wird aufgrund einer blöden Wette auf engstem Raum eine Kette der Gewalt heraufbeschworen, welche fortan auf Mitch niederbricht. Seine Mitgefangenen steigern sich gegenseitig in einen regelrechten Rausch, aus dem es kein Zurück mehr gibt. Es dauert nicht lange, und die drei Peiniger sehen nur noch einen Ausweg: Mitch muss sich selbst umbringen.

Während bei 1968 Tunnel Rats bereits ein Teil der Dialoge von den Darstellern improvisiert wurde, sind es im Falle von Siegburg quasi alle Dialoge, welche auf diese Weise ihren Weg in den Film fanden. Doch nicht nur das, denn so war es den vier Hauptdarstellern untersagt, während des Drehs ihre Zelle zu verlassen, um ein echtes Gefühl für die Situation zu bekommen. Diese beiden Dinge haben erheblichen Anteil an der wirkungsvollen Kraft dieses Filmes. Ein großes Lob gehört an dieser Stelle dem Kameramann, welcher es trotzdem schafft, alles so einzufangen, dass sich der Zuschauer als unsichtbarer fünfter Mann im Raum fühlt: man ist mittendrin, und kann doch nur hilflos zusehen! So erinnert die Sichtung von Siegburg eher an einen Albtraum, als an ein filmisches Vergnügen und sollte von zartbesaiteten Menschen wohl besser nicht betrachtet werden.

Die Geschehnisse innerhalb der Zelle werden lediglich von einzelnen Interview-Sequenzen unterbrochen, in welchen die drei Täter größtenteils sehr stoisch (wie der Film übrigens im Original heißt) ihre eigene Sicht der Dinge preisgeben. Genau die hierin getätigten Aussagen sorgen für noch mehr Ungemach, wenn man nach und nach realisiert, dass jeder Einzelne aufgrund großer Angst handelte, um nicht selbst derjenige zu sein, welcher keuchend und vor Schmerzen gekrümmt auf dem Boden liegen bleibt. Auch wenn diese Interview-Schnipsel hin und wieder etwas willkürlich eingestreut wirken, so tragen sie dennoch stark dazu bei, dass der Zuschauer sich immer mehr Gedanken um die dargestellten Gräueltaten macht. Der taktisch geschickt eingesetzte und sehr düstere Score rundet das Bild ab, und wenn Dr. Uwe Boll einen denkbar unangenehmen Film erschaffen wollte, kann man ihm nur gratulieren: dies ist ihm mit seinem bisher besten Werk definitiv gelungen!

Doch nicht nur Kamera, Drehbuch und Regie, sondern auch die Darsteller leisten hier eindrückliche Arbeit. So überzeugt Edward Furlong (Terminator 2 - Tag der Abrechnung, American History X, The Crow: Wicked Prayer) wie schon lange nicht mehr, und transportiert die düstere Seele seiner Figur auf sehr glaubwürdige Weise. Egal, ob er gerade hilfreich tut, oder ob er vollkommen durchdreht: nie wirkt sein Handeln aufgesetzt oder deplaziert. Das gleiche gilt für Shaun Sipos (Final Destination 2, Rampage - Rache ist unbarmherzig) in der Opferrolle, was dem Zuschauer das Mitfühlen sehr einfach macht. Auch Steffen Mennekes (Postal, Far Cry) und Sam Levinson (Inside Hollywood) spielen sehr solide, wobei Letzterer vor allem in den Interviews - in welchen er als einziger so etwas wie Reue zeigt - etwas überzeugender wirkt. In Sachen Schnitt gibt es zwar noch Luft nach Oben, doch auch die kleinen Längen gegen Ende des mittleren Drittels können dem Film bei Weitem nicht das Genick brechen.

Wie bereits mehrfach erwähnt, stellt Uwe Bolls neuestes Werk Siegburg ganz sicher kein Vergnügen dar. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Film nicht unangetastet von der FSK durchgewunken wurde. Allerdings verliert der Film durch das Fehlen von ganzen neun Minuten lediglich ein paar Schock-Sequenzen, welche so zwar nicht mehr gezeigt, aber dennoch thematisiert werden. Deswegen ist Siegburg auch in dieser Fassung noch sehr wirkungsvoll und kann dem Zuschauer den geplanten Schlag in den Bauch dennoch problemlos versetzen. Zwar ist die um lediglich zwei Minuten gekürzte Verleihversion sicherlich vorzuziehen, doch bei dieser Geschichte spielen solche Dinge eine untergeordnete Rolle: man muss nicht immer alles sehen, um es verabscheuen zu können!...womit aber ganz klar die Geschehnisse innerhalb des Filmes gemeint sind, und keinesfalls der Film an sich.

Es ist schwer, für einen solchen Film eine Empfehlung auszusprechen, doch wer einen starken Magen und gute Nerven besitzt, sollte sich zumindest einmal mit diesem äußerst brutalen Kammerspiel auseinandersetzen. Egal ob einem die Augen in Sachen "menschliche Natur" bereits geöffnet wurden oder nicht: dieser Film bezeugt einmal mehr, dass der Mensch sein eigener größter Feind ist. Allerdings wird uns dies hier nicht einfach mitgeteilt, sondern einmal mehr von einem inzwischen aus der Filmszene nicht mehr wegzudenkenden Mann knallhart vor Augen geführt. Wir wünschen absolut kein Vergnügen bei Uwe Bolls Siegburg!



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