Auch wenn sich Ben Stiller noch so viel Mühe gibt, erweist er sich in Noah Baumbachs enttäuschendem Independentdrama als eine absolute Fehlbesetzung. Viel schlimmer schlägt jedoch der Fehler des Drehbuchautors zu Buche, den von Greta Gerwig hervorragend gespielten Charakter der Florence zur Stichwortgeberin zu degradieren, hat sie doch nahezu alle guten Momente des Filmes auf ihrer Seite.
Noah Baumbach hat den Ruf, einer der besten Drehbuchschreiber des aktuellen Independentkinos zu sein. Zwar sind seine Filme nur selten Kassenschlager, bekommen jedoch durch die Bank positive Besprechungen und können zudem oftmals durch ein bestechendes Darstellerensemble auftrumpfen. Für sein neuestes Werk hat er sich von einer Geschichte von Jennifer Jason Leigh inspirieren lassen, die zudem auch eine kleine Nebenrolle übernahm.
Roger Greenberg ist 40, ohne Job und seine Lieblingsbeschäftigung ist es, sich bei diversen Unternehmen zu beschweren. Als er ein paar Wochen bei seinem Bruder unterkommt, um während dessen Abwesenheit auf das Haus aufzupassen, nimmt er wieder Kontakt zu seinen früheren Freunden auf, die ihm jedoch zu alt und spießig geworden sind. Als er dann auch bei seiner Jugendliebe Beth abblitzt, versucht er sein Glück beim Hausmädchen seines Bruders: Der 15 Jahre jüngeren und wundervollen Florence.
Der größte Fehler, den Baumbachs schematisches Drehbuch machen konnte, liegt darin, dass er es nicht verstanden hat, den interessantesten Charakter in den Fokus zu setzen. Während Roger Greenberg nahezu alle Independentklischees abgrast und somit keinerlei Überraschung oder Vielschichtigkeit zu bieten hat, zeigt Florence genau das, was sich der Zuschauer wünscht: Viel Schwung, eine neuartige, liebenswürdige Person, die so anders ist, dass man gerne mehr über sie in Erfahrung bringen würde. Gleichzeitig wirkt die Geschichte ziemlich einfallslos, hat sie doch nahezu keine Höhepunkte zu bieten und hakt fast schon checklistenartig alle wichtigen Punkte des Genrefilmes ab, was an manchen Stellen schon als bemitleidenswerte Einfallslosigkeit einzustufen ist.
Nicht nur das Drehbuch, auch Baumbachs Inszenierung greift unspektakulär auf all das zurück, was in Genrefilmen schon zum Standard geworden ist. Er versucht, seinen Film verschroben in Szene zu setzen und füllt dies mit einem gewohnt guten Indie Soundtrack. Das Ganze ist dabei relativ unspektakulär geraten, denn wie schon bei der Geschichte wirkt seine Inszenierung von der Stange und bisweilen recht einfallslos.
An Hauptdarsteller Ben Stiller sollte man das Scheitern des Filmes jedoch nicht fest machen. Er müht sich redlich und spielt seine ungewohnte Rolle durchaus eindrucksvoll. Dennoch ist er für den titelgebenden Charakter eine absolute Fehlbesetzung, so dass man ihm seine Rolle zu keiner Sekunde wirklich abnimmt. Das eigentliche Highlight des Filmes ist die bislang recht unbekannte Greta Gerwig, die sich zum eigentlichen Star des Filmes entwickelt. Gerwig hat eine umwerfende Leinwandpräsenz, spielt unglaublich nah am Leben und ist eine Darstellerin, die man sicherlich im Auge behalten sollte.
Selbst Indiefans und Freunde von Baumbachs großartigem Werk Der Tintenfisch und der Wal sollten ihre Erwartungen senken, denn Baumbach serviert hier nicht mehr als den x-ten Aufguss des typischen Independentkinos. Dabei begeht er den fatalen Fehler seinen Film auf den uninteressanteren Charakter auszulegen, statt auf die einnehmende und von Greta Gerwig hervorragend gespielte Florence, die hier leider viel zu oft nur zu einer Art Stichwortgeberin verkommt.