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Coco Chanel & Igor Stravinsky

(Coco Chanel & Igor Stravinsky, 2009)

Dt.Start: 15. April 2010 Premiere: 24. Mai 2009 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 6 Genre: Drama, Romanze
Länge: 132 min Land: Frankreich
Darsteller: Anna Mouglalis (Coco Chanel), Mads Mikkelsen (Igor Stravinsky), Yelena Morozova (Catherine Stravinsky), Natacha Lindinger (Misia Sert), Radivoje Bukvic (Grand Duke Dimitri), Nicolas Vaude (Ernest Beaux), Anatole Taubman (Arthur 'Boy' Capel), Clara Guelblum (Milène Stravinsky), Maxime Daniélou (Théodore Stravinsky), Sophie Hasson (Ludmilla Stravinsky), Nikita Ponomarenko (Soulima Stravinsky), Catherine Davenier (Marie), Olivier Claverie (Joseph)
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Chris Greenhalgh


Inhalt

1913 findet die Uraufführung des Stücks "Le Sacre du Printemps" von Igor Stawinsky statt, der damit ein völlig neuartiges Werk geschaffen hatte. Gespannt und nervös erwartete er die Reaktionen des Publikums, doch der Abend verläuft schlimmer, als er befürchten konnte. Nur die Modeschöpferin Coco Chanel scheint beeindruckt, doch eher von dem Künstler hinter der Aufführung als von dieser selbst. Als die inzwischen äußerst erfolgreiche Modeschöpferin nach einigen Jahren erneut auf Strawinsky trifft, entspinnt sich eine kurze aber intensive Affäre zwischen den beiden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Coco Chanel & Igor Stravinsky hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 15%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Coco Chanel & Igor Stravinsky hat eine Wertung von 15%
Wieder widmet sich ein Film der legendären Ikone der Modewelt, Coco Chanel. Diesmal steht aber kein Portrait im Mittelpunkt, sondern lediglich eine kurze amouröse Episode mit dem russischen Komponisten Igor Strawinski. Ihre Wege kreuzen sich, und während eines Sommers der Leidenschaft werden beide zur gegenseitigen Inspirationsquelle. Arthouse-Drama aus der emotionalen Tiefkühltruhe, das in Bildern und Perspektiven schwelgt und dem Zuschauer zwei Stunden cineastisch-künstlerischer Hölle beschert.

Bild aus Coco Chanel & Igor Stravinsky Gut ein halbes Jahr ist es her, dass den frühen Jahren im Leben der Modeikone Nummer eins, Coco Chanel, ein ausgiebiges filmisches Portrait mit Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft zuteil wurde. Sie ist eine Legende, ein Mythos, eine geheimnisvolle Heiligenfigur der Modewelt. Coco Chanel war Mätresse und Geliebte vieler hoch stehender Persönlichkeiten, eine der ersten wirklich emanzipierten Frauen, eine Rebellin, die gegen die Konventionen ihrer Zeit aufbegehrte und letzten Endes jene Frau, welche die Mode durch ihren auf die Spitze getriebenen Purismus revolutionierte.

In Coco Chanel & Igor Stravinsky wird ein ganz schmaler zeitlicher Korridor im Leben der Modediva beleuchtet. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Chris Greenhalgh, der seinerseits auf wahren Begebenheiten basieren soll. Es ist das Jahr 1913: In Paris findet die Uraufführung des Balletts - heute würde man vermutlich von Tanztheater sprechen - Le sacre du printemps statt (deutsch: "Die Frühlingsweihe, Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen"). Die junge Coco Chanel besucht die Vorführung und ist hingerissen. Allerdings gehört sie zu einer verschwindenden Minderheit, die das Stück für gut befindet.

Es ist viel zu progressiv und seiner Zeit weit voraus. Die Premiere gerät sogar derart zum Debakel, dass der Komponist Igor Strawinski am Boden zerstört zurück bleibt. Zeitsprung: Sieben Jahre sind vergangen. Strawinski ist nach der Oktoberrevolution und der Zerschlagung des Zarenreichs aus Russland ins Exil geflohen. Er lebt jetzt in Paris in ärmlichen Verhältnissen. Zu dieser Zeit begegnet der mittellose Komponist Coco Chanel. Und von Beginn an besteht zwischen den beiden eine elektrisierende Spannung. Chanel war schon vor Jahren vom Genius des Künstlers fasziniert. Nun lädt sie ihn und seine Familie ein, in ihrer luxuriösen Villa zu gastieren. Strawinskis Frau ist lungenkrank und kann sich dort auskurieren, während er in Ruhe sein Stück Sacre du printemps überarbeitet. Es dauert nicht lang, und aus der gegenseitigen Anziehungskraft zwischen Chanel und Strawinski entsteht ein wildes amouröses Treiben, das beide eigenwilligen Persönlichkeiten in ihrem künstlerischen Schaffen manisch anzutreiben beginnt.

Im Zentrum dieser extrem puristischen Erzählung steht nicht mehr als ein einziger Sommer, der Leidenschaft und des Schaffens dieser beider Menschen. Während Coco Chanel an dem weltweit ersten synthetischen Parfüm - dem legendären Chanel Nr. 5 - arbeitet, vervollkommnet Strawinski seine Kompositionen. Ob das allerdings einen furchtbar gestelzten zweistündigen Film rechtfertigt, ist höchst fraglich. Coco Chanel & Igor Stravinsky ist im Grunde ein extrem unterkühltes, puristisches und beinahe blutleeres Drama, welches außer der etwas ungelenken Sexgymnastik, die man überdies in jeder Basic Instinct-TV-Wiederholung exzessiver erleben kann, wenig an Höhepunkten zu bieten hat.

Vielmehr als das, gibt es über diesen Film nicht zu berichten. Ihm geht es nicht darum Portraits oder Psychogramme zu skizzieren. Im Grunde erzählt er auch nicht wirklich eine Geschichte - sondern stilisiert sie visuell durch gewöhnungsbedürftige Kamerafahrten und eine sehr eigenwillige Form, Bilder und Szenen aneinanderzumontieren. Der Plot an sich hat mit nicht viel mehr als dem Motiv der Obsession, der exzentrischen Muse und der betrogenen Ehefrau aufzuwarten. Generell neigt der Film dazu, alles auf das Unnatürliche hin überzustilisieren und gnadenlos zu dehnen. Bereits in der Eingangssequenz, in der allzu ausführlich das Stück zelebriert wird, welches bei seiner Premiere 1913 desaströs abschnitt, wird das überdeutlich: Man kann es sogar, als lediglich durchschnittlich Kunstinteressierter, dem Publikum von damals kaum verübeln, dass es diese Aufführung nicht gutheißen wollte; bereits die filmische Reflektion strapaziert das Nervenkostüm ganz schön.

Bei dem Film handelt es sich um diesen Typ Arthouse-Kino, welcher Wasser auf die Mühlen der Kritiker gießt, die solche Streifen für völlig überkandidelte und belanglose künstlerische Seifenblasen halten, die bestenfalls von elitären Kreisen in den Himmel gelobt werden. Der geerdete Kinofreund hingegen bleibt gelangweilt und mit einem Riesenfragezeichen im Kopf zurück und fragt sich, wo nun die verborgene Magie in diesem Film versteckt sein soll? Manchmal ist aber eine Zigarre eben nur eine Zigarre. Und Coco Chanel & Igor Stravinsky sind 120 Minuten grenzwertiger Langeweile, die noch am Besten zur zeitgenössischen Innendekorationsstudie taugen.



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