Dante Lams Crime Thriller vereint die Stärken des HK-Kinos und sorgt in seinem neuesten Werk für eine spannende Geschichte mit hervorragenden Charakteren, die in eine beeindruckende Hochglanzinszenierung eingepackt ist. Zwar sorgen einige Unsauberkeiten bei den Effekten, sowie das etwas mutlose Finale für kleine Abzüge, können dennoch den guten Eindruck des Gesamtpakets kaum trüben.
Der Hong Kong Thriller steckt seit einigen Jahren in einer kleinen Krise. Seit den überragenden ersten beiden Infernal Affairs Filmen konnte höchstens noch Confession of Pain das Publikum qualitativ überzeugen. Ansonsten war er festgefahren in üblichen Genrestandards, die zwar oftmals mittelmäßig bis ganz gut anzusehen waren, aber auf die großen Würfe wartet man seit einiger Zeit eher vergebens.
Die gelungene Verhaftung eines der größten Verbrechers der Stadt lässt Sergeant Tong nicht in Jubelstürme ausbrechen, hat er doch bei der Verfolgungsjagd aus Versehen die Tochter der Staatsanwältin Ann Gao erschossen. Als jedoch die zweite Tochter der Staatsanwältin von einem kaltblütigen Entführer gekidnappt wird, um einen Urteilsspruch gegen einen angeklagten Kriminellen zu verhindern, sieht er seine große Chance der Rehabilitation gekommen.
Auch wenn der Inhalt nach einem Krimi vom Reißbrett klingt, hat Beast Stalker mehr Tiefe zu bieten als es im ersten Augenblick den Anschein hat. Die große Stärke des Filmes sind nämlich seine Figuren, die nie zu Schablonen verkommen, sondern glaubwürdig und mit viel Tiefe gezeichnet wurden. Prädestiniert als Beispiel ist hierfür die Motivation des Entführers, der seinen Job nur annimmt um seine pflegebedürftige Frau angemessen versorgen zu können. Gerade dieser Zwiespalt sorgt für die stärksten Momente eines Werkes, das sich inhaltlich nur die Schwäche eines etwas unrunden Endes ankreiden lassen muss.
Inszenatorisch geht Dante Lam den üblichen Weg und setzt auf Hochglanzoptik in Perfektion. Diese sorgt zwar für einen technisch hervorragenden Eindruck, jedoch fallen gerade dann kleine Ungenauigkeiten besonders auf. Gerade die ausschlaggebende Szene, der an sich toll inszenierte Autocrash, muss sich hier kleinere Mängel aufgrund bescheidener CGI-Effekte gefallen lassen. Der mitreißende musikalische Einsatz lässt jedoch keine Wünsche offen und kann für eine spannende Atmosphäre beim Zuschauer sorgen.
Auch wenn man zu Beginn etwas Schwierigkeiten hat, Hauptdarsteller Nicholas Tse als knallharten Cop ernst zu nehmen, geht er mit zunehmender Laufzeit immer mehr in seiner Rolle auf. Die Show wird ihm jedoch von seinem Kontrahenten Nick Cheung gestohlen, der nicht umsonst bei den Golden Horse Awards den Preis als bester Darsteller mit nach Hause nehmen konnte. Besser hätte man die Zerrissenheit seines Charakters, der aus der Not gezwungen wird, ein Mädchen zu entführen und im schlimmsten Falle gar zu töten, kaum darstellen können.
Beast Stalker ist ein spannender Thriller, der vor allen Dingen von seiner tollen Charakterzeichnung lebt. So kann sich der Zuschauer selbst mit den Bösewichten identifizieren und weiß an manchen Stellen gar nicht, für welche Partei nun sein Herz schlagen soll. Aufgrund kleinerer Mängel, wie beispielhaft das etwas unrunde Ende, kann sich der Film zwar nicht auf eine Ebene mit den ganz großen HK-Crimethrillern stellen, ist aber dennoch wohl einer der besten Filme seines Genres, der es seit längerer Zeit in die deutschen Videotheken geschafft hat.